„Prämie sollte Motivation genug sein"

Wiese spöttelt über Werders Spezial-Trainer

Werder engagiert im Abstiegskampf mit Jörg Löhr einen extra Trainer für die Motivation der Spieler Spieler. Dass das nötig ist, wirft Fragen auf. Ex-Torwart Tim Wiese hat darauf eindeutige Antworten.
16.05.2020, 19:26
Lesedauer: 2 Min
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Wiese spöttelt über Werders Spezial-Trainer
Von Christoph Sonnenberg
Wiese spöttelt über Werders Spezial-Trainer
Nordphoto

Wer abergläubisch ist, und das sind ja nicht nur fast alle Fußballer sondern auch die meisten Fußball-Fans, könnte den Dienstantritt von Jörg Löhr vergangene Woche als gutes Symbol deuten. Schon einmal heuerte er bei Werder als Motivationstrainer an. Damals, im Februar 2011 war Werder 0:4 beim HSV verprügelt worden und kreiselte gefährlich dicht an den Abstiegsplätzen, und dieser Demütigung folgte der Arbeitsbeginn von Löhr.

Die erste Partie, in dessen Vorbereitung der Persönlichkeits- und Managementtrainer eingebunden war, war – richtig, ein Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Es endete zwar nur 2:2, Sebastian Prödl erzielte in der 90. Minute den Ausgleich. Es folgten aber sieben weitere Spiele ohne eine Niederlage und am Ende rettete sich Werder mit fünf Punkten Abstand zum Relegationsplatz.

Löhr: „Am Ende fast immer die Ziele erreicht"

Mission erfüllt, keine Frage. Weshalb die Maßnahme richtig war. „Da ich das Glück habe, dass bei meinen Stationen am Ende fast immer die Ziele erreicht wurden, kann man mit meiner Person vielleicht die Wahrscheinlichkeit auf den Klassenerhalt erhöhen“, sagte Löhr kürzlich im Interview mit dem WESER-KURIER über seine Arbeit.

Man kann aber auch die Frage stellen, weshalb es eines Trainers bedarf, der sich ausschließlich um die Motivation kümmert. Kein Psychologe wohlgemerkt, der mentale Blockaden entsperren soll, sondern einer, der zum Siegen motivieren soll.

2011 hat Wiese in Bremen mit Löhr gearbeitet

Einer, der im Frühjahr 2011 bei Werder dabei war, ist Tim Wiese. Ein paar Wochen nach Löhrs Arbeitsbeginn erklärte Wiese damals in einer Medienrunde: „Der bringt uns nach vorne, es läuft klar besser.“ Neun Jahre später auf das Zitat angesprochen sagt er: „Was soll ich sagen, wenn der Verein das anordnet? Dann kann mich ja nicht öffentlich hinstellen und sagen, dass das nichts bringt.“ Auch wenn er dieser Meinung ist.

Und das ist Werders früherer Torwart. „Ich musste mir die Sitzungen anhören und habe das auch gemacht. Ich habe brav mitgespielt“, erinnert er sich an die Arbeit mit Löhr. Er sagt aber auch: „Ich hätte ihn nicht gebraucht und habe ihn damals nicht gebraucht. Wenn man als Profi in der Bundesliga einen speziellen Trainer benötigt, um sich zu motivieren, läuft etwas grundsätzlich falsch. Jeder sollte das ganz alleine hinbekommen.“

Wieses Idee zur Motivation: Geld

Das Aufgabengebiet Löhrs erklärt Florian Kohfeldt nur grob. „Jörg setzt Reizpunkte Richtung Wettkampf mit einzelnen Sitzungen.“ Wiese dagegen fragt sich, „was er den Spielern erzählen will“. Dass sich die Bremer Spieler der Situation nicht bewusst sind, ist nicht zu befürchten. Den Makel des Absteigers fürchtet jeder Profi wie einen Kreuzbandriss. Allein das sollte Motivation genug sein.

Wiese hat eine andere Idee, wie sich die Spieler auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen können: das Bankkonto. „Die Rechnung ist ganz einfach: Wer häufiger verliert, verdient weniger Geld. Die Prämie verdient ja der Gegner. Das sollte doch Motivation genug sein, um gegenzusteuern.“ Die Zeiten für Fußballer seien ja bekanntlich derzeit etwas härter: „Gerade jetzt, wo sie durch die Corona-Pandemie auf zehn oder zwanzig Prozent ihres Gehalts verzichten und sie ohnehin weniger bekommen.“

Der Klub vertraut dem Motivationstrainer. Ob Löhr wieder sein Ziel erreicht wie vor neun Jahren und Werder am Ende die Klasse hält? Wiese wünscht es seinem ehemaligen Klub, hat jedoch Zweifel, dass es so kommt. Dass die Not groß ist, zeige ja nicht zuletzt das Engagement Löhrs. „Am Ende versucht man alles und zieht an jeder Strippe, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.“ Wiese bezweifelt, dass diese Strippe hilfreich ist.

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