Gegen Stuttgart Wie Werder für ersten Bundesliga-Heimsieg seit 18 Monaten sorgen will

Im Februar 2021 hat Werder Bremen zuletzt einen Heimsieg in der Bundesliga gefeiert. Gegen den VfB Stuttgart gibt Trainer Ole Werner nun eine klare Marschroute vor – und setzt auf Unterstützung der Fans.
11.08.2022, 19:15
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Wie Werder für ersten Bundesliga-Heimsieg seit 18 Monaten sorgen will
Von Malte Bürger

Ole Werner würde es ja auch ganz angenehm finden, wenn es für den Rest der Saison einfach so weiterläuft wie bisher – oder vor allem wie in der ersten Hälfte in Wolfsburg. Doch Werders Coach weiß eben auch, dass die Realität eine andere ist. „Wir haben nicht aufgrund eines einzigen Spiels eine andere Rolle – nochmal mehr, wenn du dann auch nur einen Punkt geholt hast“, betonte Werner deshalb am Donnerstag. „Wir sind nach wie vor Aufsteiger und müssen uns nach wie vor in dieser Liga Woche für Woche, Tag für Tag alles beinhart erarbeiten. Und das wird auch bis zum Ende der Saison nicht anders werden für uns.“ Also auch am kommenden Sonnabend, im sehnsüchtig erwarteten ersten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (15.30 Uhr).

„Auch da ist es so, dass eine Mannschaft auf uns zukommt, die eine hohe individuelle Qualität hat, wo es unsere Kernaufgabe ist, als Gruppe so zu funktionieren, dass unsere Qualitäten zum Tragen kommen“, meinte der Bremer Trainer. Da ändert es dann auch wenig, dass die Schwaben selbst erst vor zwei Jahren wieder aufgestiegen sind und in der vergangenen Spielzeit sogar erst im allerletzten Moment die Erstligazugehörigkeit gesichert haben. „Wer sich mit dem VfB beschäftigt, der weiß zum Beispiel auch, dass Stuttgart einen Marktwert hat, der 90 Millionen Euro über dem liegt, was wir haben“, schilderte Ole Werner. „Das zeigt dann auch so ein bisschen, wie die Aufgaben sind.“

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Dabei wirken die Süddeutschen aufgrund der jüngeren Vergangenheit zunächst einmal so, als seien sie einer dieser womöglich direkten Konkurrenten, gegen die Werder besonders erpicht darauf sein sollte, Punkte zu sammeln – anders beispielsweise als gegen die ganz Großen der Liga. Ein solches Denken hält Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, allerdings für völlig abwegig. „Es wäre die falsche Herangehensweise, zu sagen: Gegen Stuttgart müssen wir jetzt aber unbedingt, aber wenn wir gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig spielen, dann können wir“, mahnte der 41-Jährige. „Das hat keinen Wert im Fußball, dann brauchst du gar nicht erst hinzufahren.“ Zumal es der VfB Stuttgart ja vorgemacht hat, indem er am ersten Spieltag der neuen Saison gleich ein Unentschieden gegen RB Leipzig einfuhr.

Werder Bremen vor erstem Bundesliga-Heimspiel nach Wiederaufstieg

Ein ganz entscheidender Faktor sollen für Werder am Sonnabend die Fans sein. Nicht nur aufgrund der jüngsten Ereignisse in Wolfsburg, sondern weil sich der Fußballstandort Bremen generell nach Erstliga-Fußball gesehnt hat. „Wir freuen uns auf das erste Spiel vor heimischer Kulisse, auch weil wir wissen, dass wir einen extremen Support erwarten können“, erzählte Werner. „Die Wucht, die von den Rängen kommt, zeichnet uns mit aus, auch wenn wir mal in einem Spiel als Außenseiter fungieren. Den Fans ist auch egal, gegen wen wir spielen, die sind immer voll dabei.“

Wo viel begeisternde Energie ist, da besteht zumindest theoretisch das Risiko des Überdrehens. „Die Gefahr sehe ich nicht“, zerstreute Ole Werner aber dahingehende Befürchtungen. „Klar ist, dass uns Unterstützung in jeder Form hilft. In Wolfsburg war es ja auch so, dass wir Unterstützung wahrgenommen haben, obwohl viele unserer Fans nicht einmal im Stadion waren. Wir haben trotzdem sehr lauten Support gehabt, der auch auf dem Spielfeld angekommen ist.“

Nun dürfte es noch wesentlich lauter werden. Damit der erste Bundesliga-Heimsieg seit Februar 2021 gelingt (2:1 gegen Frankfurt). „Unsere Fans haben sehr viel leiden müssen. Gerade auch im Weserstadion“, sagte Clemens Fritz. „Im letzten Jahr haben wir das dann gut umgesetzt. Diesen Weg wollen wir jetzt weitergehen. Für den Verein, für die Fans und ganz Bremen werden wir gegen Stuttgart alles rausholen, um den ersten Heimsieg zu holen.“

Werder will gegen Stuttgart eigenes Spiel durchdrücken

Rein sportlich profitierten die Bremer zuletzt beim Saisonauftakt davon, dass sie äußerst gut in die Partie kamen, sogar den frühen Rückstand nahezu ignorierten und in der Folge einfach ihren eigenen Fußball durchdrückten. Weil der VfL Wolfsburg es zuließ und Werders Profis zeitgleich gut auf den Gegner eingestellt waren. Und Ole Werner weiß natürlich auch dieses Mal im Detail, was da jetzt mit den Stuttgartern auf sein Team zukommt. „Das ist eine Mannschaft, die sich vor allem im Offensivbereich durch eine sehr hohe Geschwindigkeit auszeichnet, sehr variabel ist, was Positionswechsel angeht und die dann auch im Umschaltverhalten eine gute Qualität hat“, zählte der 34-Jährige auf. „Insofern wird es darum gehen, diese Geschwindigkeit zu kontrollieren, den Raum hinter der Kette gut zu verteidigen und auf diese ganzen Positionswechsel zu reagieren.“

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Doch wie so oft soll der Fokus gar nicht nur auf dem Können des Gegners liegen. Werder will lieber selbst agieren und nicht reagieren. „Es wird vor allem wichtig sein, dass wir bei eigenem Ballbesitz wieder klar sind, eine klare Idee haben und Spielkontrolle auch in den Phasen entwickeln können, in denen es vielleicht hektisch zu werden droht“, hob Ole Werner hervor. „Weil wenn es hin und her geht, ist das etwas, das eher Stuttgart in die Karten spielt.“    

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