Aufsichtsrats-Chef appelliert an die Branche

Bode: „Nicht nur Werder muss sich verändern“

Hilfsangebote statt Häme - aber auch deutliche Kritik: So reagiert Werders Aufsichtsrats-Chef Marco Bode auf die Krise im DFB. Der Bremer hat auch klare Vorstellungen, was sich in der Liga ändern sollte.
17.11.2020, 18:14
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Bode: „Nicht nur Werder muss sich verändern“
Von Jean-Julien Beer
Bode: „Nicht nur Werder muss sich verändern“

Hilfsangebot statt Häme: Werder-Chef Marco Bode macht sich Sorgen um den DFB.

dpa

Verglichen mit den Querelen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), wo Steuerrazzien und interne Machtkämpfe für Turbulenzen sorgen, ist es bei Werder Bremen sehr ruhig. Vor etwas mehr als einem Jahr galt auch Marco Bode als Kandidat für das Präsidentenamt beim DFB, seine Wahl hätte Werders Ansehen im deutschen Fußball deutlich aufpoliert. Den Posten bekam aber der Freiburger Fritz Keller, Ex-Nationalspieler Bode blieb Aufsichtsrats-Chef der Grün-Weißen. „Der Job wäre sicher nicht leichter gewesen“, sagt der Bremer heute, „der neue DFB-Präsident Fritz Keller ist sicherlich nicht zu beneiden.“ Bode war nach eigenen Angaben „kein ernsthafter Kandidat auf der Shortlist“ des DFB. Die Politikerin Claudia Roth brachte ihn damals ins Spiel, „und einige fanden den Gedanken sympathisch. Mehr war nicht.“

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass nicht eines Tages mehr daraus werden könnte. Er sei zwar gerne Aufsichtsrats-Chef bei Werder, versichert Bode im Gespräch mit dem WESER-KURIER, „aber es ist kein Geheimnis, dass mich die gesamte Fußballbranche interessiert. Ich denke, der DFB hat in den vergangenen Jahren viele Dinge nicht gut gemacht und ist dafür zurecht kritisiert worden. Wir brauchen im Fußball aber einen funktionierenden DFB. Ich hoffe, dass wir alle nun nicht mit Häme auf den DFB schauen, sondern uns mit einbringen, um die Zukunft mitzugestalten.“

„Man muss die Dinge kritisch ansprechen“

Der Verband liegt Bode nach 40 Länderspielen am Herzen, das merkt man. „DFB ist wichtig für den gesamten Amateurbereich und auch für die Nationalmannschaft, die derzeit in einer gewissen Krise steckt – und er ist auch ein wichtiger Akteur in Richtung Bundesliga“, sagt Bode, „deshalb bin ich immer bereit, wenn gewünscht, mit darüber nachzudenken, wie man die Dinge dort positiv gestalten kann. Ich hoffe nicht, dass der DFB durch die jüngsten Vorfälle weiter an Rückhalt verliert.“

Dass Bode einerseits ein positiv denkender Mensch ist, dem Werte am Herzen liegen, er aber auch politisch taktieren und intelligent Strippen ziehen kann, hat er als Aufsichtsrat bei Werder gezeigt, gerade in schwierigen Zeiten. Und genau das wäre beim DFB in der aktuellen Führungskrise auch gefordert, sollten sich die internen Zweikämpfe zwischen Präsident Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius nicht beruhigen. Unabhängig davon schickt Bode diese Botschaft in Richtung Frankfurter DFB-Zentrale: „Man muss diese Dinge kritisch ansprechen und in den Griff bekommen, wir müssen aber auch sehen, dass wir diesen Verband nach vorne bringen müssen.“

„Dann sitzt Werder mit am Tisch“

Gerade Werder galt viele Jahre als vorbildliche Adresse in der Liga, wenn es um Themen wie Werte, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung ging. Deshalb überrascht es, dass ausgerechnet die Bremer nun in der Zukunfts-Taskforce des deutschen Fußballs überhaupt nicht vertreten sind, in der 35 Berufene aus verschiedensten gesellschaftlichen Kreisen die Image-Probleme des Profifußballs in den Griff bekommen sollen, die spätestens seit der Coronakrise zu einer zunehmenden Entfremdung führten. Bode findet es auf den ersten Blick nicht schlimm, dass Werder gar nicht dabei ist, „denn wir haben uns zu diesen Themen schon geäußert“. Zudem sei die Taskforce „relativ divers und bunt zusammengesetzt und auch recht groß“, meint Bode, „ich hoffe, dass es gelingt, dort Ideen zu entwickeln, die dann ohnehin noch in den Vereinen und innerhalb der DFL diskutiert werden müssen – und da sind wir als Werder Bremen wieder mit am Tisch.“

Auch hier schickt Werders Aufsichtsrats-Boss eine klare Botschaft an die Ligakonkurrenten: „Ich finde schon, dass wir alle bereit sein müssen, uns zu verändern. Nicht nur wir als Werder Bremen, sondern die Branche insgesamt. Insbesondere bei den Zielen integrer Wettbewerb, wirtschaftliche Robustheit der Klubs und Identifikation zu den Fans, auch da ist etwas kaputt gegangen oder durch die Coronakrise zumindest bedroht. Auch sollten die Vereine gegenüber den Spielern wieder in eine bessere Ausgangsposition kommen.“ Zudem stünden die Vereine vor der Herausforderung, „dass wir Lösungen für die Verteilung der TV-Gelder entwickeln müssen – und auf diese Diskussionen kann man schon sehr gespannt sein. Da wird man sehen, inwieweit schon eine Bereitschaft vorhanden ist, sich zu verändern.“ Auch wenn Werder derzeit noch nicht mit am Tisch sitzt, will der Verein die Zukunft des deutschen Fußballs zumindest mit klaren Signalen und Botschaften mitgestalten.

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