Groß setzt sich in der Startelf fest

Der Schattenmann schlägt wieder zu

Den Profivertrag in der Tasche, das Tor in Frankfurt sehenswert vorbereitet. Christian Groß schreibt das nächste Kapitel seiner ganz eigenen Erfolgsgeschichte und setzt sich bei Werder in der Startelf fest.
01.11.2020, 09:32
Lesedauer: 2 Min
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Der Schattenmann schlägt wieder zu
Von Malte Bürger
Der Schattenmann schlägt wieder zu

Christian Groß (r.) ist für Werders Mittelfeld aktuell enorm wichtig.

nordphoto

Die Woche war eh schon ziemlich gut für Christian Groß gelaufen. Und beinahe hätte er sie sogar komplett gekrönt. Es lief die 57. Minute, als Werder mit einer schönen Eckenvariante aufwartete, bei der Marco Friedl letztlich scharf vor das Frankfurter Tor flankte. Der Ball fand tatsächlich den Kopf eines Bremers, nämlich den von – richtig – Christian Groß. Doch der Versuch wurde gerade noch abgeblockt, nichts wurde es mit dem 2:0 für die Gäste.

Doch der 31-Jährige hatte kurz zuvor schon geglänzt. Nicht nur, dass er defensiv einen richtig stabilen Eindruck machte, ab und an wagte er auch den Ausflug nach vorne. Und weil er dies kurz nach der Pause besonders energisch und mit viel Gefühl im Fuß tat, bekam Josh Sargent eine perfekte Steilvorlage zum Führungstreffer geliefert. Es war das nächste Kapitel einer noch immer etwas kurios wirkenden Geschichte.

Keine kruden Aktionen

Im Vorjahr war Groß bekanntlich vom Lückenfüller im Trainingslager zum festen Mitglied des Profikaders aufgestiegen. Eigentlich sollte er mit der U23 in der Regionalliga kicken, plötzlich ging es erstmals in seiner Karriere nach ganz oben in Deutschland. Als sich die Zahl der Verletzungen im Kader minimierte, rückte Groß wieder etwas aus dem Fokus, doch der Spätberufene durfte bleiben. Und der gebürtige Bremer ist noch immer da, unter der Woche gab es zur Belohnung den ersten grün-weißen Profivertrag. Dieser märchenhafte Werdegang genügt allein, um sich die Herzen vieler Fans zu sichern, doch Groß überzeugt auch auf dem Platz. Er ist für gewöhnlich kein Mann der kruden Aktionen, sondern spielt das, was er kann und was von ihm verlangt wird. Mit positiven Ausschlägen wie jetzt in Frankfurt.

Und wie schon in der Vorsaison ist Christian Groß dicht dran, sich richtig festzuspielen in der Startelf. „In den letzten beiden Partien hat sich seine Position sicherlich nicht verschlechtert“, sagt auch Florian Kohfeldt. Eine Garantie gibt es vom Cheftrainer dann aber doch nicht, stattdessen einen zusätzlichen Ansporn: „Ich muss sagen, dass Kevin Möhwald vom Trainingsstand her immer näher heranrückt. Ich freue mich, dass ich beide Alternativen habe.“

Eggesteins Helfer

Es wirkt also ein wenig so, als sei Groß erneut lediglich der Profiteur der Umstände. Vor einem Jahr gab es Löcher in der Abwehr, die der eigentliche defensive Mittelfeldspieler stopfte. Nun hat Werder Sorgen auf dem Gebiet vor der Innenverteidigung und eher schlechte Karten, wenn dort nur ein Akteur unterwegs ist. „Wir müssen das momentan als Team auffangen. Es war eine Erkenntnis der ersten Spiele, dass wir mit einer alleinigen Sechs Probleme im Defensivverhalten bekommen“, sagt Kohfeldt. Wieder war Groß gefragt. Und wieder lieferte er. Dieses Mal zwar auf seiner Stammposition, andererseits hat er genau dort in der Bundesliga eben auch noch nicht so häufig gespielt. Das Experiment hätte also auch scheitern können. Tat es aber bislang nicht.

Erstaunlich, mit welcher Ruhe Groß seine Aufgabe angeht und damit nicht nur sich selbst hilft. „Man sieht, dass sich Maximilian Eggestein so viel wohler fühlt – auch wenn er den letzten Pass noch besser spielen muss. Er wird seinen Stärken wieder deutlich gerechter, wenn er auf einer Doppel-Sechs auch mal mitgehen kann.“ So ist vielleicht gar nicht Christian Groß der größte Profiteur, sondern es sind die Spieler um ihn herum. Allein das sorgt dafür, dass eine Startelf ohne Christian Groß momentan kaum vorstellbar ist. Es würde zweifelsfrei zum ungewöhnlichen Weg des 31-Jährigen passen.

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