Fritz nimmt Osako in Schutz „Wir brauchen ihn“

Zuletzt gab es reichlich Kritik am ersten Auftritt von Werder, mit Yuya Osako stand aber ein Spieler ganz besonders im Zentrum der Häme. Mal wieder. Clemens Fritz hat den 30-Jährigen nun in Schutz genommen.
22.09.2020, 13:18
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Bähr und Malte Bürger

Yuya Osako hat im Laufe seiner Karriere schon einiges erlebt. Er durfte 2014 und 2018 mit der japanischen Nationalmannschaft an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, in seiner Heimat wurde er vor zwei Jahren gar Fußballer des Jahres. Alles Erlebnisse, die einem 30-Jährigen eigentlich dabei helfen sollten, ein Profi zu sein, den so leicht nichts aus der Bahn wirft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Osako in Deutschland nicht selten gegen den Abstieg kämpfen musste. Und Negativmomente scheinen den Offensivmann in besonderem Maße zu beschäftigen, wie Clemens Fritz jetzt erklärte.

„Yuya ist ein Spieler, der eine sehr hohe Qualität hat, aber auch Selbstvertrauen braucht“, sagte Werders Leiter Scouting und Profifußball in einer Medienrunde am Dienstag. Gegen Hertha BSC war das deutlich zu sehen. Nicht zum ersten Mal, seitdem Osako in Bremen spielt. „Es lief für ihn sehr ungünstig, weil direkt die ersten Aktionen im Spiel nicht funktioniert haben. Je mehr Ballkontakte er hatte, desto verunsicherter war er“, sagte Fritz. „Einem Spieler mit seiner Qualität unterlaufen solche Fehler eigentlich nicht, aber vielleicht denkt er momentan auch zu viel nach und hat sich dadurch selbst heruntergezogen. Dann kommst du in eine Spirale, in der dann alles schiefgeht.“

Angenehm und introvertiert

Gegen die Berliner war der schwache Auftritt Osakos zur Pause beendet, Trainer Florian Kohfeldt ließ einen seiner absoluten Lieblingsschüler in der Kabine. Teile des Publikums reagierten mit Hämen und lieferten den wohl lautesten Applaus während des Heimspieltags. Das Verhältnis zwischen vielen Fans und dem Angreifer ist gespalten, so richtig nehmen die Anhänger dem 30-Jährigen nicht ab, dass er wirklich alles gibt und der Mannschaft weiterhilft. Im Sommer 2018 hatte Werder Osako verpflichtet, der gewünschte Führungsspieler ist er seither nicht gewesen - weder sportlich noch emotional.

"Ich glaube nicht, dass wir ihn charakterlich noch großartig verändern werden. Er ist ein sehr angenehmer, umsichtiger Mensch, aber auch ein introvertierter", sagte Fritz. Die Zurückhaltung zeigt sich meist auch nach den Partien. Es ist egal, ob die Bremer gewonnen oder verloren haben, vor dem Mikrofon der Journalisten ist Osako kaum einmal zu sehen. Ehe es die coronabedingten Einschränkungen gab, sprach er allenfalls ein paar Sätze für die asiatischen Medienvertreter. "Sein Deutsch ist gut", versicherte Fritz, Verständigungsprobleme dürfte es also auch intern nicht geben. "Wir haben noch nicht über das vergangenen Wochenende gesprochen, aber das werden wir sicher zeitnah noch tun. "Es ist nie schön für einen Spieler, wenn er begleitet von Pfiffen vom Platz geht. Wichtig ist für uns, dass wir Yuya als Team wieder aufbauen."

Glaube an die Qualität

Natürlich ist an dieser Stelle aber auch der Trainer gefragt. Er muss nicht nur abwägen, ob es sinnvoller ist, den Spieler auf der Bank zu lassen, sondern ob er ihn in dieser aufgeladenen Atmosphäre nicht vielleicht vor neuer Kritik schützen muss. „Yuya ist erfahren genug, um mit dieser Situation umzugehen“, ist sich Clemens Fritz sicher. „Er sollte sich jetzt nicht von dem einen Spiel zu sehr runterziehen lassen.“ Überhaupt nimmt der Ehrenspielführer Osako in Schutz. „Wir brauchen ihn, ich habe eine sehr hohe Meinung von ihm“, sagte er. „Ich hoffe, dass er seine Qualitäten, die er auch in der Vorbereitung wieder bewiesen hat, bald wieder in der Bundesliga zeigt.“ Und während viele Fans nicht mehr so recht daran glauben wollen, dass schwache Auftritte Osakos eher die Seltenheit denn die Regel sind, versucht es Clemens Fritz mit Zweckoptimismus. „Lieber ein richtig schlechtes Spiel und ordentlich auf den Sack bekommen als zehn Mal hintereinander.“

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