So tickt der neue Co-Trainer Danijel Zenkovic

Ein Mini-Kohfeldt für Werder

Danijel Zenkovic ist der neue Mann im Trainerteam von Florian Kohfeldt. In Deutschland ist der 33-Jährige noch recht unbekannt, doch der Österreicher hat sich in der Branche bereits einen Namen gemacht.
08.08.2020, 10:27
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ein Mini-Kohfeldt für Werder
Von Malte Bürger
Ein Mini-Kohfeldt für Werder

Danijel Zenkovic ist der neue Co-Trainer im Team von Florian Kohfeldt.

nordphoto

Mit großen Ambitionen kennt sich Florian Kohfeldt aus. Er wollte schon immer nicht einfach nur Trainer bei Werder sein, sondern auch etwas bewegen. Daran hat die schwache vergangene Saison nichts geändert. Im Gegenteil: Sie führte zu einer Neuausrichtung, die sich auch auf der Bank bemerkbar macht. Künftig soll nämlich Danijel Zenkovic als Co-Trainer seinem Chef Kohfeldt dabei helfen, die gewünschten Ziele zu erreichen. Und wenn der Chefcoach über seinen neuen Assistenten spricht, bekommt man schon das Gefühl, dass da jetzt eine Art Mini-Kohfeldt zum engsten Kreis gehört. „Wichtig war mir, dass er die Dynamik im Trainerteam positiv beeinflusst, weil er ein sehr treibender Charakter ist, den man eher bremsen muss“, sagt Kohfeldt über Zenkovic.

Ehrgeizig ist der 33-jährige Österreicher also schon einmal, doch was für einen Typen hat Werder da an Land gezogen? Einer, der es besonders gut wissen muss, ist Markus Schopp. Der ehemalige Profi des Hamburger SV trainiert inzwischen den österreichischen Erstligisten TSV Hartberg, in der vergangenen Saison war Zenkovic sein Assistent. Später stieg er sogar zusätzlich zum Sportkoordinator auf. Und gemeinsam hievten sie den Klub aus der Steiermark, der eigentlich nur schnellstmöglich den Klassenerhalt in der österreichischen Bundesliga schaffen wollte, tatsächlich in die Europa League.

Ablösefreier Wechsel

Zenkovic hätte in Hartberg künftig also auf internationalem Terrain arbeiten können, doch er entschied sich für einen Wechsel nach Bremen. Und Werder muss nicht einmal eine Ablöse bezahlen, denn Zenkovic besaß bei seinem Ex-Klub einen Vertrag, der eine Klausel beinhaltete, nach der er bei einem Angebot aus dem Ausland kostenlos gehen konnte.

Allein deshalb passte Danijel Zenkovic also schon gut in die Bremer Planungen. Aber eben nicht nur aus diesem Grund. „Wir haben ein Profil geschrieben und damit begonnen, über unsere Netzwerke zu versuchen, Personen zu finden, die dem entsprechen“, sagt Kohfeldt zur Fahndung nach einem Ersatz für seine bisherigen Helfer Thomas Horsch und Ilia Gruev. „Da gab es mehrere Gespräche, mehrere Vorschläge. Danijel bringt von seiner Vita her unglaublich viele Dinge mit, die uns helfen können. Er wird neue Eindrücke über die Trainingsarbeit mitbringen, sehr anerkannte Philosophien, die er durchlebt hat.“

Jung, aber sehr erfahren

In der Tat ist Danijel Zenkovic schon ordentlich herumgekommen. Bei RB Salzburg hat er im Nachwuchsbereich gearbeitet, ebenso beim niederländischen Topklub Ajax Amsterdam. Beides erstklassige europäische Adressen, wenn es um die Entwicklung von Talenten geht. Darüber hinaus war er bei Sturm Graz und für den Verband seines Heimatlandes tätig. Von den dort gewonnenen Expertisen soll nun auch Werder profitieren. „Danijel ist ein sehr erfahrener Trainer, was den Bereich der Entwicklung von Spielern angeht“, sagt Kohfeldt. „Ich kenne das ja auch selbst, weil ich selbst sehr lange im Jugendbereich gearbeitet habe. Ich habe mich mit dem einen oder anderen erfahrenen Kollegen aus dem Profibereich ausgetauscht, der mit ihm zusammengearbeitet hat, und durchweg nur Positives gehört.“

Es ist also kein Geheimnis, dass Danijel Zenkovic auch bei Werder damit beschäftigt sein wird, junge Spieler wie etwa Nick Woltemade, Felix Agu oder Romano Schmid, der ihn übrigens aus Österreich nicht kannte, noch besser zu machen. Welche Aufgaben er sonst übernehmen wird, verschweigt Florian Kohfeldt lieber – weil er diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Ich möchte nicht zu detailliert beschreiben, welche Bereiche Danijel im Trainerteam hat. Er wird ein Co-Trainer sein neben Tim Borowski“, sagt der 37-Jährige. „Es gibt klare Profile intern. Dass ich im vergangenen Jahr gesagt habe, dass Ilia Gruev den Bereich der Standards übernimmt, hat ­allerdings dazu geführt, dass er darauf reduziert und zur Verantwortung gezogen wurde. Deshalb gibt es jetzt Dinge, die ich vielleicht intern klarer kommuniziere, aber die Öffentlichkeit muss mit der Bezeichnung Co-Trainer leben.“

Raus aus der Komfortzone

Für Danijel Zenkovic ist der Wechsel zu Werder der nächste schnelle Schritt auf der Karriereleiter. Bereits vor seinem Engagement in Hartberg sagte er im Interview mit dem ­österreichischen Internetportal „laola1.at“ über den Sprung zu den Profis: „Ich war jetzt 14 Jahre lang im Nachwuchs und glaube, dass ich dort gezeigt habe, dass ich als Trainer viele Qualitäten habe. Ich habe bei unterschiedlichen Stationen vieles miterlebt und auch vieles gelernt. Jetzt wollte ich einfach raus aus dieser Komfortzone.“ In Bremen wird der Druck nun noch ein wenig größer sein, gut möglich, dass diese Station zu einem Sprungbrett in noch höhere Gefilde wird. „Er ist ein Fußballbesessener, bei dem sich nahezu alles um den Ball dreht. Das war der Grund, warum ich ihn unbedingt in Hartberg haben wollte“, sagte Markus Schopp einmal über Danijel Zenkovic. Doch Ambitionen hin oder her, Werders neuer Co-Trainer weiß, worauf es ankommt. Das hatte er bereits vor knapp einem Jahr während der Vorstellung in Hartberg betont: „Für mich ist das Wir ganz wichtig, wir können alles nur gemeinsam machen.“

Noch so eine Parallele zu seinem neuen Vorgesetzten. Auch Florian Kohfeldt wird schließlich nicht müde zu betonen, dass er individuelle Qualitäten zwar sehr schätzt, sich deren beste Entfaltung aber meist nur zeigt, wenn das ganze Gefüge geschlossen gut arbeitet. Das gilt in der neuen Saison vielleicht noch etwas mehr als sonst für die Profis auf dem Platz ebenso wie für das neu zusammengestellte Trio an der Seitenlinie. Und deshalb sagt Werders Chefcoach: „Ich bin mir sicher, dass wir ein sehr gutes Team beisammen haben, das in diesem Jahr den Entwicklungsschritt für den einzelnen Spieler, aber auch für die Mannschaft im Kopf hat.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+