Am liebsten nur noch Pokal Werder dank Belfodil im Achtelfinale

In der Liga noch sieglos, im Pokal ungeschlagen: Werder hat dank eines Tores von Ishak Belfodil und einer starken Defensivleistung Hoffenheim aus dem DFB-Pokal geworfen.
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Werder dank Belfodil im Achtelfinale
Von Marc Hagedorn

Die Fans in der Ostkurve hatten die Losung ausgegeben und drei Banner aufgezogen, auf denen stand: „Wir kämpfen für Werder. Wir schreiten voran. Cupfighters“. Tatsächlich entpuppten sich die Werder-Profis als „Cupfighter“, als Pokalkämpfer. Im DFB-Pokal klappt’s, da nahm Werder eine Auszeit vom fristen Alltag in der Bundesliga und feierte nach dem 3:0-Sieg in der ersten Runde gegen Würzburg nun den zweiten Pflichtspielsieg dieser Saison: Ishak Belfodil sorgte mit seinem ersten Tor für Werder für den 1:0 (1:0)-Sieg über 1899 Hoffenheim. Werder steht damit im Achtelfinale, das am Sonntag von Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg ausgelost wird. Ganz nebenbei hat Werder mit dem 36. Heimspielsieg in Folge seine schier unglaubliche Pokalserie fortgesetzt, die seit 1988 besteht.

Als das Spiel begann, war vom aus der Kurve geforderten „Voranschreiten“ auf dem Platz zunächst allerdings nicht viel zu sehen. Eher alle Mann „hinten rein“ lautete anfangs das Motto. Alexander Nouri hatte überrascht und sechs gelernte Abwehrspieler in die Startelf gestellt und eine 4-5-1-Grundordnung gewählt. War das nun ein Zeichen von Angst vor dem Gegner? Oder steckte dahinter ein höherer Plan? Der Trainer, dessen Aufstellungen in dieser Saison vielen Fans immer wieder Anlass gegeben haben, leidenschaftlich über Sinn oder Unsinn der Personalentscheidungen zu diskutieren, gab seinen Kritikern also auch am Mittwoch wieder Futter.

Nouri baut um

Werders Cheftrainer hatte die Abwehr total umgebaut. Ulisses Garcia (hinten links), Robert Bauer (hinten rechts) sowie Milos Veljkovic (innen) rückten im Vergleich zum Köln-Spiel vom Sonntag neu in die Viererkette, nur Niklas Moisander behielt seinen Platz. Im Mittelfeld erhielt nach einem Spiel Pause Philipp Bargfrede wieder den Vorzug vor Maximilian Eggestein. Einzige Spitze war Ishak Belfodil, direkt dahinter agierte Kapitän Zlatko Junuzovic. Ludwig Augustinsson und Theo Gebre Selassie, von Haus aus Außenverteidiger, spielten im Mittelfeld.

Werders Taktik führte dazu, dass zumeist die Hoffenheimer den Ball hatten. 70 Prozent Ballbesitz wies die Statistik nach gut einer halben Stunde aus. Aber es stand noch 0:0, und außer ein paar Distanzschüssen, allen voran vom Ex-Bremer Florian Grillitsch, war den Hoffenheimern nicht viel eingefallen. Gefährlich wurde es immer dann, wenn Kerem Demirbay den Ball hatte. Der Nationalspieler hatte auch die beste Chance der Gäste, aber Milos Veljkovic blockte Demirbays Schuss aus acht Metern ab (25.). Glück hatte Werder kurz zuvor gehabt, dass Schiedsrichter Tobias Stieler ein hartes Einsteigen von Garcia gegen Demirbay nicht mit einem Elfmeter bestraft hatte.

Werder wiederum kam auch nur sehr vereinzelt zum Abschluss. Zlatko Junuzovic aus spitzem Winkel (6.) und Thomas Delaney (25.) per Kopf hatten jeweils so eine Art Torchance. Der Hoffenheimer Druck wurde Mitte der ersten Halbzeit immer größer, doch dann passierte etwas, das es in Werder-Pflichtspielen bis dahin seit sieben Stunden nicht gegeben hatte: ein Tor für Werder. Eine Eckballhereingabe von Junuzovic verlängerte Delaney in den Fünfmeterraum zu Belfodil, und der Last-Minute-Einkauf des Sommers erzielte aus vier Metern das 1:0 (30.).

Kramaric an die Latte

Jetzt war Werder im Spiel. Den Hoffenheimern fiel weiterhin nicht viel ein, und dass die Werder-Profis gewillt waren, sich an diesem Abend nichts gefallen zu lassen, zeigte sich kurz vor der Pause. Da war das Pokalspiel endgültig ein Pokalspiel voller Emotion geworden. TSG-Kapitän Kevin Vogt hatte Belfodil bei einem Bremer Konterversuch im Mittelfeld gefoult, es folgten Bremer Beschwerden, Hoffenheimer Drohgebärden, es wurde geschubst und gestritten, irgendwann schubste Delaney den Hoffenheimer Wortführer Benjamin Hübner einfach weg. Am Ende der unübersichtlichen Aktion gab es Gelb für Hübner und Belfodil, der zu vehement eine Gelbe Karte für den Gegner gefordert hatte.

Nach dem Wechsel bestimmte wieder Hoffenheim das Geschehen – und hätte nach 51 Minuten fast ausgeglichen. Nach einem Foul von Milos Veljkovic an Lukas Rupp setzte Andrej Kramaric den folgenden Freistoß aus gut 22 Metern ans Lattenkreuz. Glück gehabt, aufatmen. So auch in der 75. Minute, als Mark Uth, hart bedrängt von Moisander, aus sechs Metern nicht zum Abschluss kam. Werder gelang es nun kaum noch, für Entlastung zu sorgen. Der Hoffenheimer Ballbesitz lag wieder bei 70 Prozent, aber gegen Werders Zehn-Mann-Riegel vor dem Tor war nur selten ein Durchkommen. Mit einer Ausnahme: Einen Hübner-Kopfball lenkte Pavlenka in der Nachspielzeit artistisch an die Latte. Noch einmal aufatmen. Und dann stand fest: Nouris Defensivplan war aufgegangen.

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