Die Probleme, den Kader zu verkleinern

Werder muss abspecken

41 Profis steht bei Werder im Kader. Auch aus Kostengründen soll er verkleinert werden. Aber das ist in Zeiten der Corona-Krise gar nicht einfach. Frank Baumann erklärt, weshalb das so ist.
18.08.2020, 11:41
Lesedauer: 2 Min
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Werder muss abspecken
Von Christoph Sonnenberg
Werder muss abspecken
Nordphoto

Wer durchzählen will, wer so alles bei Werder zum aktuellen Profi-Kader gehört, sollte ein wenig Zeit mitbringen. Imposante 41 Spieler sind es, die diesen Status innehaben. Wobei Profi nicht gleich Profi ist, wie Frank Baumann erklärt, da gibt es deutliche Unterschiede. „Ein Profi-Vertrag heißt nicht automatisch, dass ein Spieler der ProfiMannschaft zugeordnet ist.“ Einige genießen also den Status, spielen und trainieren aber regelmäßig in der U 23.

Weil der Wettbewerb um die besten Talente hart geführt wird und sich häufig über Geld und Status reguliert, werden schon mal junge Talente mit Profi-Verträgen ausgestattet, nur um sie nicht an einen anderen Verein zu verlieren. Da geht es Werder nicht anders, Prestige spielt für Eltern, Berater und nicht zuletzt den jungen Spieler selbst eine wichtige Rolle.

In der Summe entstehen auch dadurch Kadergrößen, die anschließend über Leihgeschäfte reduziert werden müssen. Wie bei Luc Ihorst gerade geschehen, einem Sturmtalent, der nun für den VfL Osnabrück in der 2. Liga auf Torejagd geht. Auflegen soll die Niklas Schmidt, der ebenfalls Werder gehört und an Osnabrück verliehen wurde.

In der Summe machen sich die Gehälter bemerkbar

Ihorst sollen weitere Spieler folgen, die Werder in diesem Sommer verlassen. Zum einen auf Leihbasis, einige sollen aber auch verkauft werden. Thore Jacobsen, Ole Käuper, Jonah Osabutey oder Boubacar Barry, die zuletzt verliehen waren, dürfen sich trotz laufender Verträge einen neuen Klub suchen. Sie hatten ihre Chance und sind durchgefallen. Andere wie Philipp Straudi, Luca Plogmann oder Julian Rieckmann, die vergangene Saison dauerhaft oder punktuell mit der Bundesligamannschaft trainierten, sollen nur verliehen werden.

„Wir sind dabei, Lösungen zu suchen“, sagt Baumann. „Den einen oder anderen haben wir schon untergebracht.“ Neben Ihorst wurde Jan-Niklas Beste an Jahn Regensburg verliehen, Benjamin Goller an den Karlsruher SC. Weitere sollen folgen.

Denn auch wenn es zum großen Teil keine üppig dotierten Verträge sind, in der Summe macht sich das Gehalt der vielen Profis bemerkbar und wird zur Belastung. „Finanziell ist eher ein kleinerer Kader angebracht“, sagt Baumann. „Aber wenn man ihn nach hinten mit jungen Spielern auffüllt, ist es überschaubar.“ Mit Martin Harnik, der ausgemustert aber eben noch bis 2021 unter Vertrag steht, ist jedoch ein Großverdiener dabei. Harnik soll natürlich auch möglichst transferiert werden.

Es gibt keine Bonusspieler mehr im Kader

Werder will abspecken und den Kader verkleinern, ganz so einfach ist das aber nicht. Das Problem in diesem Bereich sei zumeist nicht das Finanzielle, erklärt Baumann, sondern in der aktuellen Situation eher, dass auf dem Niveau extrem viele Spieler auf dem Markt sind. „Häufig entscheiden sich Klubs derzeit für ältere, erfahrenere Spieler, anstatt für einen jungen.“ Deswegen dauere es etwas länger, Spieler abzugeben.

Wie groß der Kader am Ende sein soll, ergibt sich auch aus der Anzahl der verliehenen Spieler. Plogmann, Rieckmann und Straudi sind im Trainingslager dabei, könnten beziehungsweise sollen aber bei anderen Vereinen Spielpraxis bekommen. „Mir gefällt die Größe, bei der wir aktuell sind“, sagt Florin Kohfeldt über den Kader. Die liegt bei etwa 24, 25 Feldspielern und vier Torhütern. „Damit kann ich leben.“

Vergangene Saison haben sie den Kader bewusst etwas größer gehalten. Es gab sogenannte Bonusspieler, also Profis, die aufgrund ihrer Verletzungsanfälligkeit nicht dauerhaft eingeplant werden konnten. Doch die – Claudio Pizarro, Philipp Bargfrede und Fin Bartels – sind ja nicht mehr dabei.

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