Spieler sollen nicht nur Kohfeldt retten

Die elf Geschworenen bestimmen Werders Zukunft

Womöglich hat auch der Teamwille dazu geführt, dass Florian Kohfeldt noch Werder-Trainer ist. Nun sind die Spieler aber vor allem auf dem Platz gefordert, um die angespannte Lage des Vereins zu verbessern.
27.04.2021, 16:19
Lesedauer: 2 Min
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Von Carsten Sander
Die elf Geschworenen bestimmen Werders Zukunft

Werder braucht mehr als elf Freunde, Werder braucht elf Kämpfer und Retter.

Andreas Gumz

Etwas mehr als zwei Stunden hatten sie im Inneren des Weserstadions verbracht, dann kamen sie wieder hinaus. Einer nach dem anderen. Erst Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie, der Kapitän und sein Stellvertreter, Seite an Seite. Dann Ömer Toprak und Niclas Füllkrug, kurz darauf auch Jiri Pavlenka und Maximilian Eggestein. Gemeinsam waren sie am frühen Montagabend ins Weserstadion bestellt worden, um die Entscheidung der Vereinsspitze in der Trainerfrage mitgeteilt zu bekommen – und der Inhalt ist bekannt: Florian Kohfeldt bleibt Trainer.

Jedenfalls noch für das DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig, das nur dann für ihn nicht zur persönlichen Endstation wird, wenn die Mannschaft ihn am Freitagabend rettet. Die Frage ist: Kann sie das überhaupt noch? Oder sind in den vergangenen Wochen nicht nur sieben Spiele, sondern auch alle Rezepte, wie das fußballerisch fraglos limitierte Team doch irgendwie bestehen kann, verloren gegangen?

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Es war der Mix aus Leidenschaft, Wille und einer Portion Glück, der Werder in 24 Spielen zu 30 Punkten in der Liga und damit der Aussicht auf den von Kohfeldt angepeilten „stabilen Klassenerhalt“ verholfen hatte. In den sieben Partien danach ging alles Gute jedoch nach und nach verloren, bis beim 1:3 gegen Union Berlin gar nichts mehr übrig war und in und um Werder herum die Kohfeldt-Frage entbrannte.

Dass die Mannschaft weiter mit dem Trainer arbeiten will, habe bei der Entscheidungsfindung der Club-Oberen eine große Rolle gespielt, erklärte Sportchef Frank Baumann am Montag. Vielleicht war es sogar der Teamwille, der den Ausschlag gab, Kohfeldt eine letzte Chance zu gewähren. Vielleicht fehlte aber auch einfach nur die Trainer-Alternative.

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Letztlich ist es am Freitag, 20.30 Uhr, aber auch völlig egal, wer oder was der Grund war. Kohfeldt sitzt auf der Bank, und Baumann will von der Mannschaft „ein komplett anderes Gesicht“ sehen als zuletzt in Berlin: „Wir müssen eine Mannschaft erleben, die mit Überzeugung auftritt, die Geschlossenheit an den Tag legt und Zuversicht dokumentiert auf dem Platz. Aber natürlich ist es auch wichtig, dass wir das nicht nur im Pokal-Halbfinale sehen, sondern dass wir auch in der Bundesliga die Trendwende schaffen. Da ist die Mannschaft gefordert, sich darauf zu fokussieren.“ Oder anders gesagt: Nachdem die Clubchefs über den Trainer zu Gericht gesessen haben, sind jetzt die elf Geschworenen dran, um auf dem Platz mit ihren Füßen das Urteil zu fällen.

Man mag darin eine Verschiebung der Verantwortung sehen, aber sind es letztlich nicht immer die Spieler, die einen Trainer gut oder schlecht aussehen lassen? Im aktuellen Fall wird diese Abhängigkeit von Werder Bremen nur auf die Spitze getrieben.

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Dass der Mannschaftsrat auch darüber am Montag diskutiert hat, ist mehr als nur anzunehmen. Auch auf dem Weg zu ihren Autos wurde noch intensiv beraten, minutenlang standen Moisander, Gebre Selassie und Pavlenka an dem einen sowie Toprak, Füllkrug und Eggestein am anderen Ende des Parkplatzes zusammen und redeten miteinander. Dass sie verstanden haben, was jetzt von ihnen gefordert ist, hatte Füllkrug schon am Tag vor dem großen Kohfeldt-Tribunal in einem Vereinstalk erklärt: „Jeder muss jetzt den Mut und die Eier haben, sich dem Ganzen zu stellen, die Situation selbst anzupacken und nicht die Verantwortung abzugeben. Wir brauchen elf Männer auf dem Platz.“

Eine aktuelle Reaktion aus der Mannschaft auf die Entscheidung des Vereins war nicht zu bekommen, der Club ließ keine Nachfragen an Spieler zu. Zudem schirmten sich Team und Trainer am Dienstag ab, trainierten geheim im Weserstadion.

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