Viel gelobte Defensive wird zum Totalausfall „Es hat nirgends gepasst“

In den Vorwochen war die Werder-Defensive häufig gelobt worden, nun gab es gegen Hoffenheim einen herben Dämpfer. Die Bremer offenbarten große Schwächen und brauchen eine schnelle Kurswende.
22.02.2021, 09:22
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Von Daniel Cottäus

Kurz vor dem großen Jubel war Ihlas Bebou verunsichert. War er nun im richtigen Moment gestartet, oder hatte er doch im Abseits gestanden? Diese Frage schoss dem Hoffenheim-Stürmer durch den Kopf, als er in der 26. Minute plötzlich mutterseelenallein auf das Bremer Tor zulief. „Und ich hatte sehr viel Zeit, dann denkt man eben nach“, sagte Bebou später über die Szene, in der er völlig regelkonform zum 1:0 für seine Mannschaft getroffen und damit am Sonntagabend erstmals die eklatante Abwehrschwäche von Werder offengelegt hatte. Auch in der Folge sollten die Gäste um Trainer Florian Kohfeldt ihrem Gegner viel zu viel Zeit und/oder Platz vor dem Tor lassen, weshalb Kapitän Theodor Gebre Selassie nach der 0:4-Pleite nur der Satz „Die Niederlage ist deutlich und verdient“ als Fazit blieb. Und in Art und Weise überraschend – das war sie darüber hinaus auch.

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Schließlich hatte Werder vor dem 22. Spieltag gemeinsam mit dem VfL Wolfsburg die beste Defensive des noch jungen Kalenderjahres gestellt. Sechs Gegentore in sechs Spielen waren bis dato Beleg für die neue Bremer Abwehr-Stabilität gewesen. Damit ist es nach der Partie in Sinsheim nun vorbei. „Wir haben alles vermissen lassen, was wir in den vergangenen Wochen noch gut gemacht haben“, haderte Innenverteidiger Ömer Toprak, an dessen Auftritt sich das Bremer Dilemma ganz gut nachzeichnen lässt.

War der 31-Jährige in den vergangenen Partien noch der unumstrittene Abwehrchef gewesen, der sowohl in der Luft als auch am Boden überzeugte, erwischte auch er gegen Hoffenheim einen rabenschwarzen Tag. Das eingangs geschilderte 0:1 durch Bebou resultierte letztlich aus einem Abstimmungsfehler zwischen Toprak und Friedl, und auch vor dem 0:2 sah das Duo überhaupt nicht gut aus, ließ es Christoph Baumgartner doch locker und leicht durch sich hindurch spazieren und aufs Tor schießen (44.). Kohfeldt sagte hinterher über die beiden Abwehrspieler: „Sie waren wie alle anderen auch nicht gut heute.“ Werders Problem an diesem Tag: Was vor der Pause schon schlecht aussah, wurde danach nicht besser. Wahrlich nicht.

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„Die ersten beiden Gegentore haben unser Spiel komplett zerstört“, hielt Gebre Selassie fest, ehe er auch den dritten Hoffenheimer Treffer einordnete: „Danach war es extrem schwierig, ins Spiel zurückzukommen.“ Für Werder war es an diesem Tag gar unmöglich, sodass das 3:0 durch Munas Dabbur, erzielt in der 49. Minute, irgendwie schon mehr als nur eine Vorentscheidung war. Wieder hatte Toprak in der Szene keine glückliche Figur gemacht. Die Niederlage nur am Innenverteidiger festzumachen, wäre dabei aber viel zu einfach. „Es hat nirgends gepasst“, sagte er – und dem war nicht zu widersprechen. Schließlich hatte auch die Bremer Offensive wahrlich keine Bäume ausgerissen.

Hinten schwach, vorne blass – und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Einerseits, weil gegen Hoffenheim ein Sprung in der Tabelle möglich gewesen wäre. Und andererseits, weil nun die aktuell bärenstarken Frankfurter als nächster Gegner warten. „Am Freitag kommt die formstärkste Mannschaft der Liga zu uns“, sagte Toprak – und hielt mit besorgter Miene fest: „Da müssen wir wach sein, sonst noch wird es noch schlimmer als heute.“

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