Eilts über Werders Weg in der Krise „Kein Spieler ist mehr unverkäuflich“

Die Coronakrise hat Werder schwer getroffen, aktuell kämpft der Verein mit den wirtschaftlichen Folgen. Unser Experte Dieter Eilts rechnet damit, dass auch das Personal noch mehr auf dem Prüfstand stehen wird.
29.04.2020, 15:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts

In den vergangenen Tagen ist bei Werder einiges passiert. Einerseits hat Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung, von den Kreditplänen des Vereins berichtet, um den Negativentwicklungen der Coronakrise entgegenzuwirken. Andererseits wurde schon jetzt verkündet, dass die noch ausgeliehenen Talente Romano Schmid und Jean-Manuel Mbom in der kommenden Saison fest zu Werders Profikader gehören sollen. Beides dürfte nicht unwesentlich zusammenhängen

Schmid hat beim Wolfsberger AC in Österreich und in der Europa League regelmäßig gespielt, Mbom ist bei Drittligist KFC Uerdingen permanent im Einsatz gewesen. Werder bekommt also Personal zurück, für das keine Ablösesumme gezahlt werden muss, das in den vergangenen Monaten reichlich Spielpraxis gesammelt hat und gereift ist. Das ist nicht schlecht, wenn das Geld knapp ist. Dennoch: Es wird allein nicht reichen, wenn du nur auf solch junge Spieler setzt.

Die ganze Angelegenheit ist natürlich ein schmaler Grat. Junge Spieler sind wichtig, aber du brauchst in einem Profikader auch eine gewisse Erfahrung und Spieler, die eine gewisse Stabilität beziehungsweise Balance ins Team bringen. Die jungen Talente können während einer Saison absolut überraschen und Punkte bringen, in der Regel sind sie in ihren Leistungen aber noch nicht so stabil, um kontinuierlich wichtig zu sein. Die Schwankungen sind dann doch deutlich größer als bei den routinierteren Profis.

Die Krux mit den Verpflichtungen

Ohnehin bleibt aufgrund der Corona-Pandemie die Frage, was jetzt mit der Bundesliga passiert. Wird die Saison noch zu Ende gespielt? Zudem gilt: Wie entwickelt sich der Transfermarkt in diesem Sommer? Werder hat schon jetzt klare finanzielle Verpflichtungen, wenn man in der ersten Liga bleibt. Da sind Spieler wie Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt, die im Falle des Klassenerhalts für höhere Beträge fest nach Bremen geholt werden. Bei Stürmer Davie Selke würde sich die Leihe automatisch um ein weiteres Jahr verlängern, ehe dann im Sommer 2021 eventuell der feste, vertraglich abgesprochene Wechsel an die Weser folgt. Da stehen schon jetzt einige weitere Ausgaben im Raum.

Deshalb muss man womöglich ganz genau schauen, welche anderen Spieler Werder dafür abgeben will, möchte oder sogar muss. Und für welche Profis gibt es vielleicht sogar in dieser Krise noch marktgerechte Angebote, an denen man verdienen könnte? Klaus Filbry hat es sehr schön beschrieben, indem er auf die vielen zu jonglierenden Bälle in der Luft verwiesen hat, von denen man nicht genau wüsste, wann sie überhaupt herunterfallen.

Besorgniserregende Zahlen

Wenn man hört, welche Zahlen Filbry da zuletzt sehr offen präsentiert hat, dann ist das schon besorgniserregend. Werder scheint es demnach richtig schlecht zu gehen, bei anderen Vereinen in der Liga dürfte es ähnlich aussehen. Da muss man folglich sehr genau überlegen, welche Möglichkeiten unter dem Strich bleiben, um in die Liquidität zu kommen und dort zu bleiben. Das geht über einen Kredit, über externe Sponsoren oder eben Spielerverkäufe. Ob nachher mehrere Wege genommen werden müssen, ist aktuell noch schwierig zu sagen. Dafür ist die nähere Zukunft des Profifußballs schlichtweg zu ungewiss. Und rein sportlich hilft es natürlich auch nur bedingt, wenn man zwar fünf, sechs Spieler verkauft, um liquide zu sein, aber fußballerisch dann ein Team aufbietet, das den Ansprüchen und Zielen des Vereins nicht mehr genügt. Diese Gefahr ist in solch einer Situation sehr groß.

Auf der anderen Seite gilt aber mehr denn je auch das, was die Verantwortlichen bei Werder schon immer betont haben: Im Falle eines passenden Angebotes gibt es keinen Spieler, der unverkäuflich ist. Im Sommer dürfte daher ganz genau geschaut werden, welchen Profi man vielleicht schweren Herzens ziehen lassen muss, dafür aber wirtschaftlich einen großen Vorteil erzielt.

Sinnvoll - aber auch richtig?

Es ist wirklich eine ganz schwierige, weil ungewisse Situation für alle handelnden Personen. Mein Vertrauen in alle Beteiligten ist aber so groß, dass bei Werder – wie sonst auch – die Ruhe bewahrt wird und alle Möglichkeiten sorgfältig und wohl überlegt abgeklopft werden. So wird auch dieses Mal die für sie sinnvollste Lösung gefunden werden. Ob diese gewählte Option am Ende aber tatsächlich Erfolg hat, ist wieder eine komplett andere Geschichte. Dafür ist diese Krise zu außergewöhnlich.

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