Dieter Eilts über die kurze Vorbereitung

Fußball lässt sich nicht im Wald simulieren

Die Klubs der Bundesliga haben nur wenig Zeit, sich auf den Re-Start vorzubereiten. Dieter Eilts sieht darin ein Problem für die Spieler. Für Werder gibt es aber auch einen Vorteil.
13.05.2020, 10:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Dieter Eilts
Fußball lässt sich nicht im Wald simulieren
WESER-KURIER

Ich bin sehr gespannt, wie sich fast zwei Monate ohne richtiges Mannschaftstraining auswirken, wenn es am Sonnabend wieder los geht in der Bundesliga. Den größten Teil der Unterbrechung sind Werders Spieler gelaufen und haben ein bisschen Krafttraining gemacht, jeder für sich. Danach durften sie in Vierergruppen auf den Platz, in erster Linie ging es da um Positionsübungen ohne Spielformen. Erst eine gute Woche vor dem Spiel gegen Leverkusen mit richtigem Training zu beginnen, stelle ich mir sehr schwierig vor. Das richtige Gefühl für den Raum, die Abstände zwischen den Spielern hinzubekommen, das richtige Timing in den Bewegungen, all das ist nicht so einfach und braucht wieder etwas Zeit.

Es ist auch sehr schwer einzuschätzen, wie sich die fehlende Spielpraxis auswirkt. Selbst bei Spielern, die während einer Saison längere Phasen auf der Bank sitzen, wird bei Fehlern, oftmals auf die fehlenden Einsätze verwiesen. Weil dadurch das Gefühl für den Raum, für die Situation fehlt.

Alle Klubs haben die gleichen Probleme

Auch die Frage der richtigen Fitness wird erst in den Spielen beantwortet. Nehmen wir das Lauftraining. Ausdauer lässt sich alleine problemlos trainieren, fußballspezifische Bewegungen – abstoppen, antreten, Richtungswechsel, aus dem Sprung laufen, nach einem Rempler in Tritt kommen – lassen sich weder im Wald noch auf dem Laufband simulieren. Die Laufwerte, die im Training gemessen werden, mögen gut sein. Vielleicht sogar besser als vor der Unterbrechung. Im Spiel geht es um andere Läufe. Dies wird auch durch lange verletzte Spieler deutlich, die sich die letzten, aber wichtigsten Prozent immer über Spieleinsätze holen. Zumindest zu meiner Zeit als Spieler war das so.

Die Vorbereitung auf den Neustart lässt sich also nicht mit einer Vorbereitung auf die Saison vergleichen. Testspiele, die enorm wichtig sind, um den Rhythmus zu finden, Formationen zu testen, Laufwege abzustimmen, gibt es gar nicht. Aber das gilt für alle Klubs, alle werden die gleichen Probleme haben. Deshalb erwarte ich nicht, dass diese Defizite auffallen, eben weil alle darunter leiden.

Einen Vorteil hat die Pause für Werder

Dass nun in sechs Wochen die Saison beendet werden muss, ist sicherlich eine außergewöhnliche Situation, mental aber nicht so belastend. Denn Spiele sind den Fußballern lieber als Training. Vereine, die im Europacup spielen oder viele Nationalspieler haben, sind es ohnehin gewohnt, damit umzugehen Die Belastung sehe ich eher im körperlichen Bereich. Im Spiel gibt es keine Ruhepausen, die man im Training vielleicht mal einlegen kann, wenn man ein wenig durchschnaufen muss. Zeit, kleinere Verletzungen auszukurieren, gibt es nicht. Die Spieler kommen trotz kleinerer Blessuren zum Einsatz, was wiederum Folgen haben könnte. Auch die kurze Zeit der Vorbereitung spielt hier eine Rolle. Es ist sinnvoller, aber in der derzeitigen Situation nicht machbar, den Körper langfristiger auf die bevorstehenden Belastungen vorzubereiten. Da durchzukommen, könnte eventuell für den ein oder anderen problematisch werden.

Einen Vorteil hat die Pause für Werder. Aus der negativen Spirale, die sich immer wiederholenden negativen Erlebnissen, sind sie raus. Das gilt natürlich für die anderen Mannschaften, die in einer ähnlichen Lage sind wie Werder, auch, aber Werder ist mit deutlich anderen Vorstellungen in die Saison gestartet als einige andere Teams. Sie haben jetzt einen Neustart, das ist kein Nachteil, es ist etwas Positives. Enorm wichtig ist es für Werder natürlich, gegen Leverkusen gleich drei Punkte zu holen, um sich ein Erfolgserlebnis zu verschaffen und mit weiteren Erfolgen den Klassenerhalt zu sichern.

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