Heimpleite gegen Paderborn Werder-Drama in der Nachspielzeit

Werder wollte unbedingt den zweiten Sieg in Folge einfahren, doch am Ende war die Enttäuschung riesengroß. Gegen Aufsteiger Paderborn setzte es eine 0:1-Heimniederlage durch ein umstrittenes Gegentor.
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Werder-Drama in der Nachspielzeit
Von Christoph Bähr

Galten die Pfiffe nach dem Spielende nun der Werder-Mannschaft oder dem Schiedsrichter? Oder vielleicht auch beiden? Ganz klar war das nicht, in jedem Fall aber war die allgemeine Stimmung im Weserstadion am Sonntagabend so richtig mies. Als Tabellenletzter ohne Auswärtssieg war der SC Paderborn angereist – und durfte am Ende einen 1:0-Erfolg in Bremen bejubeln. Eine Woche zuvor hatte Werder nach acht sieglosen Ligaspielen mal wieder gewonnen und wollte unbedingt nachlegen, doch daraus wurde nichts. „Der Sieg in Wolfsburg war somit nicht viel wert“, hielt Trainer Florian Kohfeldt fest.

Es passte ins Bild eines völlig missglückten Werder-Abends, dass der Paderborner Siegtreffer durch Sven Michel erst in der Schlussminute fiel und auch erst nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten zählte. „Das war natürlich unglücklich, aber wir haben auch nicht gut genug gespielt“, sagte Linksverteidiger Ludwig Augustinsson dazu. Ähnlich äußerte sich Kohfeldt: „Wir haben nicht genug getan, um das Spiel zu gewinnen. Ich bin schon sauer.“

Dabei hatte es vor der Partie so gut ausgesehen für Werder. Mit dem Sieg in Wolfsburg im Rücken gab es auch noch eine positive Personalie zu vermelden: Kapitän Niklas Moisander stand nach seinem Muskelfaserriss in der Wade erstmals wieder in der Startelf, es war sein erster Einsatz seit dem 1. September. Kohfeldt freute sich darüber, „dass unser wichtigster Aufbauspieler zurück ist“. Moisander bildete zusammen mit Milos Veljkovic die Innenverteidigung und bot eine ordentliche Leistung mit manch einem guten Pass im Spiel nach vorne. Ansonsten ließ Kohfeldt die Mannschaft spielen, die Wolfsburg mit 3:2 geschlagen hatte. Statt wie angekündigt auf Nuri Sahin setzte der Werder-Coach also im defensiven Mittelfeld erneut auf Philipp Bargfrede, der die gefährlichen Paderborner Konter ausbremsen sollte.

Wie schnell es gehen kann beim Aufsteiger, erlebten die Bremer erstmals in der achten Minute. Davy Klaassen verlor den Ball, und sofort kam Christopher Antwi-Adjei zum Abschluss, scheiterte aber an Werder-Torwart Jiri Pavlenka. Überraschenderweise hatten die Gäste in der Anfangsphase mehr Ballbesitz, die Bremer fanden nicht richtig in die Partie und leisteten sich zu viele Ungenauigkeiten im Passspiel. „Wir waren zu schlampig in den Ballbesitzphasen. Es war mangelnde Qualität im Passspiel“, sagte Leo Bittencourt.

Eggestein zielt vorbei

Die beste Phase der Gastgeber in der ersten Halbzeit begann mit einer Großchance. Nach einer Hereingabe von Theo Gebre Selassie scheiterte erst Bittencourt und im Nachschuss dann auch Klaassen an Keeper Leopold Zingerle (14.). Werder presste nun mutiger, ging mehr ins Risiko und übte dadurch mehr Druck auf das gegnerische Tor aus. In der 25. Minute spitzelte Yuya Osako den Ball weiter zu Maximilian Eggestein, der Jamilu Colins stehen ließ und am Gehäuse vorbei schoss.

Danach war die Bremer Drangphase aber schon wieder vorbei, zu viele Fehlpässe und Ballverluste erschwerten das Kombinationsspiel. Die Paderborner gingen kompromisslos, mitunter überhart, in die Zweikämpfe und spielten schnell nach vorne, wenn sich eine Gelegenheit bot. Einen Weitschuss von Sebastian Vasiliades wehrte Pavlenka spektakulär ab (29.). Seine Galavorstellung in Wolfsburg hatte Werders Torwart offensichtlich Rückenwind verliehen. Nach der folgenden Ecke wurde ein Kopfball von Klaus Gjasula abgefälscht, und Pavlenka kratzte den Ball mit einem überragenden Reflex von der Linie (30.). Somit ging es torlos in die Pause, das Ergebnis war zu diesem Zeitpunkt durchaus leistungsgerecht.

In die zweite Halbzeit startete Werder ohne personelle Veränderungen, doch die Mannschaft wirkte nun engagierter und übernahm sofort die Spielkontrolle. Die erste Chance nach dem Seitenwechsel hatte trotzdem Paderborn: Gjasula köpfte im Anschluss an eine Ecke über das Tor (57.). Sekunden später brandete Jubel auf im Weserstadion: Claudio Pizarro kam in die Partie für Yuya Osako (58.), der einen schlechten Tag erwischt hatte. Auch der zuletzt überragende Milot Rashica konnte sein Potenzial an diesem Abend kaum einmal abrufen. In der 62. Minute verzettelte sich der schnelle Flügelstürmer etwa nach einem schönen Klaassen-Pass im Zweikampf anstatt abzuschließen. Kurz darauf parierte Zingerle einen Weitschuss von Eggestein (64.).

Bittencourt schießt ans Außennetz

In der 67. Minute gab Kohfeldt endgültig das Signal für volle Offensive, indem er den Stürmer Benjamin Goller für den defensiven Bargfrede einwechselte. Eggestein zog sich nun von der Achter- auf die Sechser-Position zurück, und Goller orientierte sich in den Angriff. Werder drückte auf das Siegtor, kam aber trotzdem kaum zu Chancen und machte aus insgesamt 13 Eckbällen zu wenig. Einmal wuselte sich Rashica durch und schoss aus 20 Metern über das Tor (75.). Die beste Chance der Schlussphase bot sich aber Bittencourt, der von Rashica schön freigespielt wurde und nur das Außennetz traf (85.).

Ansonsten erzeugte Werders Schlussoffensive zu wenig Gefahr, und plötzlich lag der Ball im Bremer Tor. Streli Mamba hatte einen verunglückten Schuss von Gerrit Holtmann in die Mitte gelegt, wo der eingewechselte Sven Michel zum 1:0 abstaubte (90.). Schiedsrichter Sascha Stegemann entschied zunächst auf Abseits von Mamba, doch nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten gab er den Treffer. Ludwig Augustinsson hatte das Abseits aufgelöst, die Entscheidung war wohl korrekt.

Fassungslos standen die Bremer danach auf dem Rasen, in den letzten Minuten der Nachspielzeit konnten sie nichts mehr bewegen. Paderborn verließ somit durch den Sieg den letzten Platz, während Werder auf Rang 14 abrutschte und mitten im Abstiegskampf steckt. Dieses böse Wort wollte Trainer Kohfeldt aber selbst nach der Pleite gegen den Aufsteiger nicht in den Mund nehmen. „Wir sind in einer schwierigen Situation", sagte er stattdessen. „Wir müssen jetzt mit unseren Qualitäten da rauskommen. Wir müssen an unserem Fußball arbeiten.“

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