Werder-Stürmer Melvyn Lorenzen Werder erhofft sich entscheidende Impulse

Melvyn Lorenzen soll Werder im Saison-Endspurt entscheidende Impulse geben. Wenn Lorenzen jetzt verletzungsfrei bleibe, glaubt Sportchef Thomas Eichin, „dann wird er eine richtig gute Rolle spielen“.
26.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Werder erhofft sich entscheidende Impulse
Von Andreas Lesch

Manchmal, erzählt Melvyn Lorenzen, sitzt er zu Hause nicht vor dem Fernseher. Sondern er liegt vor dem Fernseher. Auf dem Boden. Er guckt dann nicht nur, er tut auch was. Er macht Übungen, die seinen Körper stabilisieren. Der Angreifer Lorenzen ist gerade mal 20 Jahre alt, seine Karriere beginnt erst, aber er weiß schon genau, wie wichtig sein Körper für ihn ist.

Erst ist Lorenzen ein Jahr lang ausgefallen, wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie. Als er zurückkehrte, verzauberte er mal eben seinen Verein – mit einem sensationellen Solo und einem traumhaften Tor in Werders Bundesligaspiel gegen Hannover 96, im Dezember vergangenen Jahres. Im Januar dann verletzte Lorenzen sich erneut, wieder im rechten Knie. Er wurde operiert, ein Teil des Außenmeniskus wurde entfernt. Am Mittwoch hat er nun erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert. Das war ein besonderer Moment für ihn. „Man ist dann erst mal zwei Wochen in so einer Euphorie“, sagt er.

Die Geschichte von Melvyn Lorenzen ist eine besondere. Sie steckt voller Wendungen und Wirrungen, voller Anfänge und Abbrüche, aber sie hört nicht auf. Sie geht weiter – weil Lorenzen will, dass sie weitergeht. „Wenn man will, kann man immer besser zurückkommen als vorher“, sagt er. „Ich glaube wirklich, dass man das schaffen kann.“ Lorenzen spricht sehr abgeklärt, sehr entspannt über seine Verletzungsgeschichte. Er begreift sie nicht als Problem, sondern als Chance. Mit dieser Einstellung und mit seiner Klasse könnte er noch wichtig werden für Werder. Er könnte exakt der Impulsgeber sein, den seine Mannschaft braucht, um im Endspurt dieser Saison tatsächlich noch die Qualifikation für die Europa League zu schaffen.

Lesen Sie auch

Um zu erahnen, wie sehr Lorenzens Talent im Verein geschätzt wird, braucht man nur mit Thomas Eichin zu sprechen. „Wir sind alle große Fans von Melvyn Lorenzen“, sagt Werders Geschäftsführer. „Er ist unheimlich schnell, er hat einen Abschluss und ist einfach körperlich ein sehr präsenter Spieler.“ Für jede Abwehr sei Lorenzen „unglaublich schwer auszurechnen“, so Eichin. „Ich verspreche mir von ihm unglaublich viel.“ Wenn Lorenzen jetzt verletzungsfrei bleibe, glaubt der Sportchef, „dann wird er eine richtig gute Rolle spielen“.

Zumindest wird der Angreifer die Bremer Offensive noch gefährlicher machen, als sie ohnehin schon ist. Werder hat, das wird bei allen Debatten über die ewige Gegentorflut oft vergessen, in dieser Saison die fünftmeisten Treffer in der Bundesliga erzielt. Zuletzt hat die Torproduktion jedoch ein wenig gestockt: In den vier Partien gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal sowie gegen den FC Bayern, den SC Freiburg und den 1. FC Köln in der Liga hat Werder nur drei Mal getroffen. Der schnelle Lorenzen könnte dem Bremer Spiel nun wieder den Schwung, den Drang und die Zuspitzung bringen, die es braucht. Er wird, als Nebenmann des überragenden Franco Di Santo, eine erstklassige Alternative zu Davie Selke sein. „Ein bisschen Konkurrenzkampf tut uns, glaube ich, ganz gut“, sagt Lorenzen. „Man weiß dann, man kann nicht abschalten. Man weiß, es gibt keine Ruhepausen.“

Vielleicht, so hofft Lorenzen, kann er schon im nächsten Bundesligaspiel am Sonnabend kommender Woche gegen den FSV Mainz 05 wieder mitwirken. Aber er setzt sich nicht unter Druck. Er hat durch seine Verletzungen gelernt, geduldig zu sein. Als er ein Jahr lang ausfiel, da wollte er manchmal noch zu schnell zu viel. Er wollte etwas, was sein Knie noch nicht konnte. „Da gab’s einige Rückschläge, nach denen ich dann die Belastung wieder runterfahren musste“, sagt Lorenzen. Jetzt achtet er genauer darauf, ob’s im Knie noch mal zwickt. Aber es zwickt nicht mehr – noch nicht mal bei einbeinigen Sprüngen, bei raschen Richtungswechseln, bei Bewegungen, die belasten.

"Gegen ein Jahr sind acht Wochen doch gar nichts“

Acht Wochen hat Lorenzen nun pausiert. Natürlich hat ihn die Reha-Routine manchmal gelangweilt, und natürlich ist es nicht schön für ihn gewesen, bei der Siegesserie seiner Bremer nach der Winterpause nur zuschauen zu können. Trotzdem fand Lorenzen die Zeit nicht tragisch. Er sagt: „Ich war vorher ein Jahr verletzt. Da steckt man acht Wochen ziemlich locker weg. Gegen ein Jahr sind acht Wochen doch gar nichts.“

Im Dezember ist Lorenzens Geschichte ein Beispiel dafür gewesen, dass Viktor Skripniks Talente auf höchstem Niveau funktionieren können. Nun, dreieinhalb Monate später, kann Lorenzens Geschichte ein Beispiel dafür werden, dass Skripniks Talente auch den Willen haben, sich auf höchstem Niveau zu behaupten – egal welcher Rückschlag sie ereilt hat. „Ich glaube, ich bin nicht abgeschrieben beim Trainer“, sagt Melvyn Lorenzen. „Er wird mir genauso eine faire Chance geben wie vorher auch. Ich bin bereit.“ Diesen letzten Satz dürfen Werders Gegner gern als Drohung verstehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+