Andreas Lesch über Spielboykott

Werder-Fans: Zeigt euch!

Werders Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ist eines der wichtigsten Spiele in der jüngeren Geschichte des Vereins. Nun wollen aber Werder-Ultragruppierungen das Spiel boykottieren - zum falschen Zeitpunkt.
25.04.2016, 00:00
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Werder-Fans: Zeigt euch!
Von Andreas Lesch

Werders Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ist eines der wichtigsten Spiele in der jüngeren Geschichte des Vereins. Nun wollen aber Werder-Ultragruppierungen das Spiel boykottieren - zum falschen Zeitpunkt.

Werders nächstes Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ist eines der wichtigsten Spiele in der jüngeren Geschichte des Vereins. Es bietet den Bremern die vielleicht letzte Chance, noch vom wackeligen Relegationsplatz 16 auf den rettenden Rang 15 zu klettern. Durch Werders 1:2 beim Hamburger SV hat sich die Bedeutung dieses Spiels noch einmal erheblich erhöht. Werders Fußballer werden im Duell gegen Stuttgart die Unterstützung ihrer Fans mehr denn je brauchen – so bedrückt, wie sie seit ihrer Niederlage im Nordderby sind.

Der Tag des jüngsten Bremer Heimspiels, der Tag des umjubelten 3:2 gegen den VfL Wolfsburg, hat gezeigt, welch ein fantastischer Faktor die Fans für Werder sein können, wenn sie ihr Team enthusiastisch unterstützen. Sie haben die ganze Welt rund ums Weserstadion grün-weiß gefärbt, schon lange vor dem Anpfiff, und die Spieler haben nachher begeistert berichtet, wie sehr ihnen das geholfen hat.

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Nun wollen aber Werder-Ultragruppierungen das Stuttgart-Spiel boykottieren, aus Protest gegen die immer krassere Kommerzialisierung des Fußballs, gegen die zunehmende Zerfledderung der Spieltage und dagegen, dass diese Partie als Symbol jener Zerfledderung auf einen Montagabend gelegt worden ist. Ihr Anliegen ist richtig, aber der Zeitpunkt, an dem sie es vorbringen, könnte falscher nicht sein.

Wer das Stuttgart-Spiel boykottiert, der vergrößert die Gefahr, dass Werder absteigt – und muss sich fragen lassen, ob er in erster Linie als glühender Fußballfan oder als prinzipienreitender Kommerzkritiker ins Stadion geht. Den Kommerz und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) werden die, die diesem Spiel fernbleiben, nicht treffen; um das zu schaffen, bräuchte es eine breite, bundesweit und dauerhaft agierende Bewegung.

Am Montag kommender Woche sind die Bremer Ultras nicht als Hüter der Tradition gefragt, sondern in der Rolle, auf die sie so stolz sind: als Stimmungsmacher. In diesen 90 Minuten sollte es nicht um das große Ganze gehen, um den globalen Kapitalismus, sondern um den Sport vor Ort. Da müssen sie sich zeigen.

Die Ultras haben ja recht, wenn sie sagen, dass sie ein unverzichtbarer Teil des Spiels sind und dass der Fußball auch deshalb wirtschaftlich so erfolgreich ist, weil sie die Kulisse bilden, die jeder Partie einen bunten, emotionsgeladenen Rahmen schenkt. Aber im Stuttgart-Spiel müssen sie erst mal beweisen, dass sie auch sportlich unverzichtbar sind. Schon aus eigenem Interesse: In der zweiten Liga würde ihre Kritik kaum mehr gehört.

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