Außenstürmer Eljero Elia und Marko Arnautovic Werder fehlen die Alternativen

Belek. Mit Eljero Elia und Marko Arnautovic hat Werder zwei Außenstürmer, die praktisch über eine Startelf-Garantie verfügen. Denn außer Niclas Füllkrug gibt es praktisch keinen adäquaten Ersatz für sie. Das ist ein Problem.
09.01.2013, 05:00
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Werder fehlen die Alternativen
Von Thorsten Waterkamp

Belek. Mit Eljero Elia und Marko Arnautovic hat Werder zwei Außenstürmer, die praktisch über eine Startelf-Garantie verfügen. Denn außer Niclas Füllkrug gibt es praktisch keinen adäquaten Ersatz für sie. Und das ist eines der wesentlichen Probleme im Bremer Kader.

Eljero Elia hat ein großes Herz, und einen Platz darin hat Klaus Allofs gefunden. So groß ist die Dankbarkeit des Niederländers für Werders ehemaligen Chef, weil der ihm im vergangenen Sommer doch einen beruflichen Neuanfang in der Bundesliga ermöglicht hat, nur ein Jahr nach dem Ende in Hamburg. Dort hatten sie in ihm zunächst das Genie und zum Schluss nur noch den Wahnsinn gesehen. Man mag das kaum glauben, wenn man jetzt mit Eljero Elia spricht, diesem jungen, ernsthaft wirkenden Mann dort auf dem Polsterstuhl im Werder-Mannschaftshotel in Belek. "Klaus Allofs bleibt in meinem Herzen", sagt Elia also bestimmt, "er hat mir wieder eine Chance in der Bundesliga gegeben."

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Es ist erfreulich für Elia, dass es zu dieser neuen Bundesliga-Beziehung gekommen ist. Allein der Erfolg ist – auch nach einem halben Jahr in Bremen – weitgehend ausgeblieben. Elia ist bisher torlos in der Liga und manchmal gar derart blass geblieben, dass die Zuschauer irgendwann überrascht registrierten: Huch, der spielt ja auch noch mit.

Dieser Eljero Elia sitzt also auf dem Polsterstuhl, er lehnt sich zurück und sagt leise: "Ich muss noch viel härter arbeiten. Alle helfen mir hier. Wenn ich noch viel härter arbeite, dann klappt es." Er arbeitet hart, das scheint schon mal sicher, wenn er von seinem Trainingspensum erzählt. Er habe ein eigenes Kraftprogramm, für die Bauchmuskulatur, für den Rücken, zur Mobilisierung, all das zählt er auf. Er habe einen Privattrainer aus dem Sektor des Ultra-Kampfsports, der Mixed Martial Arts. Werder hat ein Auge auf seine Extra-Schichten: Das Zusatzprogramm, das Elia wahlweise vor oder nach den Trainingseinheiten in Bremen im Kraftraum hinter sich bringt, wird eigens genehmigt, sagt Athletiktrainer Reinhard Schnittker: "Er kann ja nicht einfach so was machen. Es muss auch passen. Wir hören uns das an und segnen es dann ab."

Eine nachlässige Einstellung zum Beruf kann man Eljero Elia also nicht vorwerfen. Aber woran liegt es dann, dass der 5,5-Millionen-Euro-Einkauf die Investition nicht im erhofften Maß zurückgezahlt hat? Marko Arnautovic, sein Kollege von der anderen Außenbahn, hat dazu seine eigene Theorie. "Elli hat ein Jahr nicht gespielt – das hat ihm nicht gut getan." Tatsächlich ist der Niederländer in Italien bei Juventus Turin, wo er nach seinem unrühmlichen Abgang in Hamburg landete, kaum zum Einsatz gekommen. Vier Liga-Einsätze mit insgesamt kläglichen 97 Minuten Spielzeit gönnte ihm Juve-Trainer Antonio Conte.

In Bremen ist es bereits mehr als das Zwölffache, Elia hat immer in der Startelf gestanden. Er wurde, das steht auf der anderen Seite seiner Einsatzstatistik, aber auch in 14 jener bisher 17 Spiele ausgewechselt. "Dann habe ich sseiße gespielt", sagt er mit einem scharfen S im holländischen Zungenschlag.

Thomas Schaaf hat dennoch immer wieder auf seinen stürmischen Linksaußen zurückgegriffen. Was aber wäre, wenn Werders Trainer mehr Alternativen hätte? Wenn nicht nur ein Niclas Füllkrug zur Verfügung stünde als Nachrücker für die beiden Außenpositionen? Es kennzeichnet das wesentliche Problem im Bremer Kader: Hier in der Offensive sind die Grün-Weißen schwachbrüstig besetzt; die Flügelpositionen sind Werders personelle Achillesferse. Alternativen fehlen für Schaaf beinahe völlig, so dass er zu Notlösungen genötigt ist, sobald auch nur ein Akteur ausfällt.

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Gut zu sehen war das auch im Test am Montagabend: Da verzichtete Schaaf auf Arnautovic, um den Ernstfall für den Bundesliga-Start gegen Dortmund zu proben. Denn der Österreicher wird dann wegen einer Gelb-Sperre fehlen. Den Ausfall kompensierte Schaaf aus den üppig gefüllten Pool an Mittelfeldspielern – hier ist jede Position mindestens doppelt, wenn nicht sogar drei- oder vierfach besetzt – und schickte den Ballverteiler Kevin De Bruyne im Wechsel mit der eigentlichen Sturmspitze Nils Petersen auf die Außenbahn. "Die Außenbahnen sind vielleicht nicht so besetzt wie das Mittelfeld oder die Innenverteidigung", übt denn auch Aaron Hunt leise Kritik an der Personalausstattung, Spieler wie Marko Arnautovic ("Bei uns auf Außen, denke ich, ist nur Niclas als Ersatz da") pflichten ihm bei.

Bislang ist Werder glimpflich davongekommen. Es gab kaum verletzungsbedingte Ausfälle in der Hinrunde, die gesamte Sturmreihe mit Elia, Petersen und Arnautovic konnte nahezu konstant durchspielen. Doch Handlungsbedarf besteht allemal. Ein Kandidat für eine personelle Entlastung könnte Christian Clemens vom 1. FC Köln sein. Der Außenstürmer des Zweitligisten würde perfekt ins Bremer Raster passen: Er ist mit 21 Jahren jung und entwicklungsfähig, er gilt als talentiert (Clemens hat sämtliche Junioren-Nationalteams durchlaufen) und er wäre vermutlich bezahlbar. Frank Baumann, Werders Direktor Profifußball, kassierte die Spekulation gestern allerdings gleich wieder ein: An dem Thema sei nichts dran.

Eljero Elia glaubt ohnehin nicht, dass Ersatz Not tut. Vielleicht weil er weiß, dass er es wäre, dem das Nachsehen droht – auch wenn Thomas Schaaf weiterhin große Stücke auf ihn hält. Nein, wenn es immer noch nicht reicht, "dann muss ich noch härter trainieren: Noch mehr laufen ohne Ball, noch mehr laufen mit Ball, noch mehr improvisieren". Vielleicht ist alles aber auch noch viel, viel einfacher. "Wenn ich einmal treffe", sagt Eljero Elia auf seinem Polsterstuhl leise und ernsthaft, "dann kommen die anderen Tore auch. Ich weiß, dass ich für jeden Gegner gefährlich sein kann. Meine Zeit kommt."

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