DFB-Pokal: Werder - Köln 1:0

Werder feiert Ujah

Starke Leistung, entscheidender Treffer - und doch kein Jubel: Mit seinem ersten Heimtor im Trikot von Werder Bremen hat Anthony Ujah seinen Ex-Klub 1. FC Köln aus dem DFB-Pokal geworfen.
28.10.2015, 22:15
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Von Olaf Dorow und Thorsten Waterkamp

Starke Leistung, entscheidender Treffer - und doch kein Jubel: Mit seinem ersten Heimtor im Trikot von Werder Bremen hat Anthony Ujah seinen Ex-Klub 1. FC Köln aus dem DFB-Pokal geworfen.

Fünfeinhalb Jahre nach dem letzten Heimsieg im DFB-Pokal hat Werder wieder zu Hause gespielt – und die Geschichte von damals wiederholt.

Mit einem knappen 1:0 (1:0) setzten sich die Bremer verdient gegen den 1. FC Köln durch, es war, wie Statistiker herausgefunden hatten, der 35. Pokal-Heimsieg der Grün-Weißen in Serie. Statistik, mehr nicht. Wichtiger war die Erkenntnis, die diesem Sieg anhaftete. Felix Wiedwald beschrieb sie unmittelbar mit wenigen Worten: „Wir stehen hinten und nutzen eiskalt unsere Chancen.“ Werders Schlussmann brachte damit auf den Punkt, was die Bremer an diesem Pokalabend ausgezeichnet hatte.

Spielentscheidende war neben Wiedwald, der im zweiten Abschnitt den knappen Vorsprung mit zwei wichtigen Paraden sichern half, ausgerechnet Anthony Ujah. Der Ex-Kölner im Bremer Sturmzentrum erzielte nicht nur das 1:0 (23.) – er war ständig unterwegs, holte Bälle und Freistöße, war ständig anspielbereit. Das Duell mit seinem Nachfolger im Kölner Dress, Anthony Modeste, gewann der Werderaner um Längen, auch wenn Modeste in der zweiten Halbzeit mehrmals den Ausgleich auf dem Fuß hatte.

Damals, im März 2010, ging es um den Einzug ins Finale, dieses Mal ging es nur um den Einzug ins Achtelfinale. Aber was heißt „nur“? Der 1:0-Sieg, den Werder über den 1. FC Köln feierte, ist eminent wichtig für die Bremer – sportlich wie wirtschaftlich. Denn sportlich haben die Grün-Weißen den Hauch eines Aufwärtstrends mit dem 1:0, dem zweiten Sieg in Folge, bestätigt. Wirtschaftlich steht eine Zahl im Fokus: 527 000. Exakt so viele Euro ist das Erreichen des Achtelfinals wert. Insgesamt haben die wirtschaftlich angeschlagenen Bremer, deren Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr wieder ein kapitales Millionen-Minus ausweist, im laufenden DFB-Pokal damit bereits 935 000 Euro Prämie eingespielt.

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Viktor Skripnik verzichtete gegen den 1. FC Köln auf taktische Experimente und setzte wieder auf das 4-1-4-1, durch das seine Mannschaft gegen die Bayern und beim 3:1-Sieg in Mainz deutlich mehr Stabilität gewonnen hatte. Das Rezept ging auch gegen Köln auf: Werder ließ in der ersten Halbzeit wenig zu, spielte diszipliniert, geduldig und mit Herz. „Wir haben“, urteilte der starke Florian Grillitsch, „unsere Tugenden wiedergefunden: laufen, kämpfen. Das haben wir während der Niederlagenserie vermissen lassen.“

Und Werder nutzte wie schon in Mainz gleich seine erste große Chance. Fin Bartels fand mit seiner Hereingabe Ujah – der Angreifer drehte sich einmal kurz um Frederik Sörensen, hatte aus sechs Metern von rechts freie Schussbahn und traf.

Die Kölner dagegen kamen im ersten Abschnitt kaum gefährlich vor das Tor von Felix Wiedwald, lediglich kurz nach der Bremer Führung baute der Bundesliga-Neunte für wenige Minuten mehr Druck auf. In Verlegenheit gerieten die Gastgeber allerdings nur, wenn die Kölner über Werders linke Außenbahn kamen: Dort setzte sich Marcel Risse mehrfach leicht gegen Janek Sternberg durch, der anstelle des verletzten Santiago Garcia in der Startelf stand.

Dass kurz nach dem Pausenpfiff Anthony Ujah trotz der 1:0-Führung kopfschüttelnd vom Platz schlich, hatte seinen Grund. Der Nigerianer ahnte wohl, was auf Werder nach der Pause zukommen würde – und trauerte umso mehr seiner zweiten Großchance des Spiels nach (44.). Glänzend von Grillitsch in Szene gesetzt, war Ujah wieder allein vor Kölns Schlussmann Timo Horn aufgetaucht, dieses Mal auf der linken Seite. Allerdings blieb nun Horn Sieger: Werder ging mit 1:0 statt mit 2:0 in die Kabine.

Werder im Glück

Tatsächlich schien sich Ujahs mutmaßliche Befürchtung nach der Pause zunächst zu bestätigen. Die Kölner kamen deutlich aggressiver aus der Kabine und setzten die Bremer gehörig unter Druck. Die Einschläge kamen näher – und das beinahe im Minutentakt: Erst rettete Felix Wiedwald gegen Modeste (49.), dann fälschte Jannik Vestergaard einen Schuss von Jonas Hector knapp neben das Bremer Gehäuse ab (53.), danach stand Modeste statt eines Bremer Spielers nur noch der Außenpfosten im Weg (57.). Werder im Glück.

Das allerdings war es auch schon mit der Kölner Herrlichkeit. Die Gäste blieben zwar aktiver als in der ersten Halbzeit, aber Werder stand stabil. Im Gegenteil: Werder befreite sich nach und nach und kam selbst zu Gelegenheiten. Die größte hatte Florian Grillitsch: Der junge Österreicher, dessen Ruhe und Technik Trainer Viktor Skripnik schätzt, setzte er zu einem Drehschuss an, den Kölns Schlussmann Horn mit einem Hechtsprung ins lange Eck so gerade entschärfen konnte.

Wiedwald rettet gegen Modeste

Köln drückte in der Schlussphase zwar noch einmal, blieb aber ohne zwingende Gelegenheiten. Erst in der Nachspielzeit stockte den Zuschauern noch einmal der Atem. Modeste bekam noch seine dritte große Möglichkeit: Aus acht Metern scheiterte er jedoch an Wiedwald, der stark parierte (90.+2) – und anschließend seine Genugtuung herausschrie. Denn das 1:0 hatte für Werders Schlussmann eine besondere Bedeutung über das Mannschaftsergebnis hinaus: Es war sein erstes Pflichtspiel für Werder gegen einen Bundesligisten ohne Gegentor. Bisher war ihm das nur einmal gelungen: im Pokal in der ersten Runde beim 2:0 nach Verlängerung gegen den Drittligisten Würzburg. Wie es für Werder im Achtelfinale am 15./16. Dezember weitergeht, wird jetzt am Sonntag ausgelost.

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