Kohfeldt legt verbal noch einmal nach

Werder feuert weiter gegen die Super League: „Gegen den Sinn des Spiels“

Nachdem Werder die Super-League-Pläne bereits am Montagabend „aufs Schärfste“ verurteilt hatte, legten Sportchef Frank Baumann und Cheftrainer Florian Kohfeldt verbal noch einmal ordentlich nach.
20.04.2021, 17:04
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Von Daniel Cottäus
Werder feuert weiter gegen die Super League: „Gegen den Sinn des Spiels“

Florian Kohfeldt (l.) und Frank Baumann bekräftigten ihre Kritik an der Super League.

nordphoto / gumzmedia

Sie ist seit Montag das alles bestimmende Thema innerhalb der Fußballwelt: die von zwölf Top-Clubs gegründete Super League, die – sollte sie tatsächlich umgesetzt werden – nicht weniger als eine Revolution für die gesamte Branche bedeuten würde. Auch bei Werder Bremen hat die Nachricht deshalb wenig überraschend sofort für Betriebsamkeit gesorgt. Und für mächtig Ärger, wie während der Pressekonferenz vor dem wichtigen Heimspiel gegen Mainz 05 (Mittwoch, 20.30 Uhr) mehr als deutlich wurde. Nachdem der Verein die Super-League-Pläne bereits am Montagabend in einer offiziellen Mitteilung „aufs Schärfste“ verurteilt hatte, legten Sportchef Frank Baumann und Cheftrainer Florian Kohfeldt verbal noch einmal ordentlich nach.

„Ich war entsetzt“, sagte Baumann über den Moment, als er von der geplanten Gründung der Super League erfahren hatte und sprach von „einigen Herren, die das Spiel nicht verstanden haben“. Diese Herren, sie sitzen unter anderem in den Führungsgremien der zwölf Super-League-Gründer-Vereine (Arsenal London, FC Chelsea, FC Liverpool, Manchester City, Manchester United, Tottenham Hotspur, Atletico Madrid, FC Barcelona, Real Madrid, Inter Mailand, AC Mailand, Juventus Turin) – und sie wollen den bestehenden europäischen Fußball mithilfe von Investoren komplett umkrempeln. Die Idee dahinter, grob umrissen: Die Besten der Besten sollen künftig unter sich bleiben, denn Absteiger sind in der Super League nicht vorgesehen. Deren Mitglieder wollen sich selbst vermarkten, mutmaßlich vor allem in Asien und Amerika, was ihnen deutlich mehr wirtschaftlichen Gewinn verspricht, als es bis dato in der Champions League möglich ist.

Es ist ein sogenanntes „Closed-Shop-System“, eine geschlossene Gesellschaft, wie sie beispielsweise im US-Sport gängig ist. „Jetzt sieht man, dass immer mehr Investoren aus anderen Sport-Kulturen in den europäischen Fußball kommen. In Amerika und Asien ist es vielleicht normal, dass man geschlossene Systeme hat, aber in den europäischen Fußball passt es nicht, da gehört es nicht hin“, betonte Baumann und nannte die traditionelle Auf- und Abstiegsregelung, „eine der Grundfeste, wie der Sport, wie der Fußball in Europa funktionieren sollte“.

Dass es einige der ganz großen (und zum Teil hoch verschuldeten) Vereine plötzlich anders sehen, kann sich der Bremer Sportchef nur mit „wirtschaftlichen Gründen und einer gewissen Gier“ erklären. Mit Werder Bremens Philosophie lässt es sich jedenfalls nicht vereinbaren. „Insofern lehnen wir die Entstehung einer Super League mit allem, was wir haben, ab“, sagte Baumann, der für seinen Verein ausschloss, jemals Teil eines vergleichbaren Systems zu werden: „Ich kann für Werder Bremen versprechen, dass wir an keinem Wettbewerb teilnehmen werden, der nicht von den Verbänden organisiert worden ist, aber eine ähnliche Ausrichtung hat.“

Trainer Florian Kohfeldt pflichtete dem Sportchef in allen Punkten bei und sagte über die Super League: „Für mich hat das nichts mehr damit zu tun, warum Fußball so groß geworden ist.“ Als Sportler sei er „gegen jegliche Form von Teilnahme an Wettbewerben und Generierung von Geld, die nicht über einen sportlichen Weg entstanden sind. Das ist komplett gegen den Sinn dieses Spiels.“ Das Problem: In der Champions League geht es ab 2024 ebenfalls in diese Richtung.

Die am Montag beschlossene Reform des Wettbewerbs sieht unter anderem vor, dass Vereine, die die Qualifikation für die Königsklasse während der regulären Saison verpasst haben, über eine Wild Card nachrücken können, die sich wiederum am Fünf-Jahres-Koeffizienten der UEFA orientiert. Letztlich ist das nichts anderes als ein Zugeständnis an die Top-Clubs, die ohnehin immer oben stehen und künftig für den Fall, dass sie überraschender Weise doch einmal in der nationalen Liga abrutschen, einen Rettungsanker haben, der sie doch wieder in die Champions League führt. „Die Drohkulisse einer Super League hat dazu beigetragen, dass dieser Wettbewerb wieder verändert wird. Es steht eben nicht mehr die sportliche Qualifikation in der abgelaufenen Saison im Vordergrund, sondern die Verdienste aus der Vergangenheit“, ärgerte sich Baumann.

Nun ist Werder Bremen vom Konzert der ganz Großen freilich meilenweit entfernt. Und da Bayern München und Borussia Dortmund als einzige angefragte Clubs aus Deutschland ihre Teilnahme an der Super League abgelehnt haben, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die geplante Revolution eigentlich auf Deutschland und speziell auf Bremen hat? „Die Super League hat extreme Auswirkungen auf die gesamte Fußballfamilie“, antwortet Baumann, der die Bundesliga und Werder zunächst jedoch „vielleicht nur indirekt“ betroffen sieht, sich aber trotzdem große Sorgen macht. Und die Rechnung ist ja auch denkbar einfach: Zieht eine Super League künftig zahlungswillige TV-Partner, Sponsoren und Investoren, sprich jede Menge Geld, aus dem Markt, kommt es an anderer Stelle eben nicht mehr an.

Für Vereine wie Werder ist es eine Art Schreckensszenario, von dem Baumann allerdings nicht glaubt, dass es eintreten wird. Durch die Champions-League-Reform habe „der eine oder andere durch die Hintertür vielleicht schon sein Ziel erreicht“, sagte Baumann – und hielt fest: „Ich persönlich glaube nicht, dass die Super League kommen wird, aber es steht fest, dass die Diskussion darum dem Fußball geschadet hat.“

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