Kohfeldt von Fan-Rückkehr begeistert

Mehr Spaß als in der Bundesliga

Es ist kurioserweise ein mittlerweile recht ungewohntes Erlebnis für alle Beteiligten: In Österreich sind Zuschauer bei den Werder-Testspielen erlaubt – trotz der gefährlichen Nähe genießt das Florian Kohfeldt.
21.08.2020, 10:27
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Mehr Spaß als in der Bundesliga
Von Christoph Sonnenberg
Mehr Spaß als in der Bundesliga

Immerhin 520 Zuschauer waren beim Testspiel gegen den Linzer ASK dabei. Werder-Trainer Florian Kohfeldt hat das Ambiente genossen.

nordphoto

Vor ein paar Tagen fuhr im Zillertal ein Polizeiauto am Trainingsplatz der Bremer vorbei. Über den Lautsprecher wurden die Menschen an etwas erinnert, das es ohne Aufforderung offenbar nicht mehr richtig ins Bewusstsein schafft: bitte Abstand halten oder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Einige zuckten zusammen, die Ansage kam überraschend und war ziemlich laut. Kurz kam auch etwas Bewegung in die Menge, die sich am Platz eingefunden hatte, aber bald war es wie zuvor.

Die Leute wollen Fußball sehen, das ist im österreichischen Trainingslager ziemlich deutlich zu beobachten. Hier sind Menschenansammlungen bis 1250 Personen erlaubt, und auch wenn es natürlich nicht so viele sind, die sich einfinden, kommt Tag für Tag doch eine erstaunlich große Anzahl von Werderfans und Neugierigen, die zufällig in der Nähe sind nach einer Radtour oder Wanderung. Während Werder die Trainingszeiten in Bremen geheim hält, um Menschenansammlungen zu vermeiden, steht in Zell am Ziller das Fanmobil direkt am Platz und verkauft Devotionalien.

Nach 165 Tagen Abstinenz

Im Trainingslager passierte auch das, worauf Werder 165 Tage hat warten müssen: ein Spiel vor Zuschauern. Am 7. März, beim 2:2 in Berlin, gab es den letzten Auftritt vor einer Kulisse. 58 000 Zuschauer waren es im Olympiastadion, im Parkstadion zu Zell waren es immerhin 520, die das Spiel gegen den Linzer ASK verfolgten. Tickets gab es nur im Internet zu bestellen, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde. Die Partie war ausverkauft.

Wie es denn war, wieder vor Zuschauern zu spielen, wurde Florian Kohfeldt anschließend von einem Reporter des ORF gefragt. Als Antwort war der Gesichtsausdruck des Trainers eigentlich ausreichend, Worte hätte es nicht bedurft. Die kamen natürlich trotzdem: „Ich habe das sehr genossen und habe mich auch sehr darauf gefreut. Es hört sich blöd an, aber das hat vom Ambiente her mehr Spaß gemacht, als Bundesliga zu spielen.“

Ein schmaler Grat

Ein Testspiel macht mehr Spaß als die Bundesliga, das bringt das emotionale Gefälle zwischen Geisterspielen und Fußball mit Fans ganz gut auf den Punkt. Natürlich sagte Kohfeldt, dass er hoffe, dass alle Abstände eingehalten wurden. Weil nur dann möglich wird, was er sich so sehr wünscht: „Dass wir so etwas wieder häufiger erleben dürfen.“ Es bleibt ein schmaler Grat zwischen dem Wunsch nach Zuschauern in den Stadien und der Sorge vor immer mehr Neuinfektionen. Kohfeldt sagte: „Wir müssen all das befolgen, was die Politik sagt.“ Aber als ein Mensch, der sehr viel über Emotionen transportiert und das auch vorlebt, fehlt ihm genau das als Rückkopplung vor, während und nach einem Spiel. „Als Fußballtrainer und Fußballfan kann ich nur sagen: Bitte so schnell wie möglich alle zurück! Es ist ein anderes Spiel und macht für alle Beteiligten deutlich mehr Spaß.“

Das Team und das Team um das Team befinden sich auch in Österreich in Quarantäne. Was leichter fällt, da das Posthotel ausschließlich Werder zur Verfügung steht. „In der Corona-Zeit hat das eine erhöhte Bedeutung“, wie Kohfeldt betonte. Selbst für die Geschäftsführung – mit Ausnahme von Sportchef Frank Baumann – ist dort der Zutritt verboten. Auch der Aufsichtsrat bezieht ein anderes Hotel und kann die Unterkunft der Spieler allenfalls aus dem Fenster beobachten.

Auf der anderen Seite gibt es häufiger Szenen, wie beim Testspiel gegen Linz, wo die Zuschauer fast direkt hinter der Auswechselbank stehen. Ohne Maske und ohne Abstand. „Ich habe nicht das Gefühl, mich hier in gefährliche Situationen zu begeben“, sagte dazu Kohfeldt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+