Ex-Sportchef arbeitet nun in Leverkusen Eichins Sechser im Lotto

Einst arbeitete Thomas Eichin bei Werder als Sportchef, inzwischen ist er beim nächsten Gegner Bayer Leverkusen tätig. Der 54-Jährige schwärmt dabei in höchsten Tönen von seinem neuen „Traumjob“.
06.01.2021, 20:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Irgendwann fällt dieser Satz. „Ich fresse mich da voll rein“, sagt Thomas Eichin – und selbst durchs Telefon ist sein Tatendrang spürbar. Der ehemalige Sportchef des SV Werder Bremen hat seit Sommer einen neuen Job. Und der macht ihn am Sonnabend zum Werder-Gegner, denn Eichin arbeitet mittlerweile für Bayer Leverkusen. Allerdings nicht direkt für den Bereich Bundesliga, sondern als Leiter der Bereiche Nachwuchs & Frauen. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Position für einen wie ihn, der als Macher gilt und bei Werder ab 2013 ordentlich aufgeräumt hat, ehe er 2016 selbst gehen musste. Im Gespräch mit der DeichStube muss der 54-Jährige über sein Image schmunzeln und hält ein Plädoyer für seine neue Aufgabe, bei der er nicht nur auf seine eigene grün-weiße Vergangenheit setzt.

„Ich fühle mich hier pudelwohl, Bayer ist ein toller Verein. Das ist ein Traumjob – fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt Eichin über seine neue Aufgabe. Er sei schon immer ein großer Fan des Frauen-Fußballs gewesen. Und auch die Jugendarbeit habe ihn stets beschäftigt. „Es ist total spannend, mitzuerleben und mitzugestalten, wie sich die jungen Spieler entwickeln.“ Dabei präsentiert sich der Ex-Profi einmal mehr extrem ehrgeizig. „Wir wollen mehr Spieler in den Profi-Bereich bekommen“, sagt er und gibt die neue Linie vor: „Ich verlange noch mehr Power, mehr Intensität, mehr Härte, mehr Training. Ich bin da durchaus konträr zum DFB. Aber die Jungs müssen die Einheiten überstehen können, wenn sie mal oben bei den Profis mittrainieren dürfen.“ Nicht jeder sei ein Naturtalent wie Florian Wirtz, der mit 17 Jahren schon Stammspieler in der Bundesliga-Mannschaft ist.

Der Faktor Fitness

Eine optimale Fitness war Eichin schon immer wichtig. Bei Werder hat er sich intensiv um diesen Bereich gekümmert – und im PR-Trainingslager in China 2014 am Rande einer Einheit der Profis sogar die eine oder andere Runde auf der Laufbahn gedreht. Damit lief er selbst ins Rampenlicht, das er durchaus genießen konnte. Auch deshalb wirkte es etwas seltsam, dass er bei Bayer Leverkusen nun nicht an vorderster Front tätig ist. „Viele dachten immer, dass ich einer bin, der in der ersten Reihe stehen muss. Aber das ist nicht so“, betont Eichin: „Wenn es sein muss, dann gehe ich in die erste Reihe, dann mache ich das. Aber eigentlich brauche ich nur eine gute Aufgabe, und die habe ich hier. Wenn es nach mir geht, mache ich das die nächsten zehn Jahre.“

Dabei spielt auch Werder eine Rolle. Denn Bayer ist eine grün-weiße Filiale. Klar, da sind die Ex-Bremer Rudi Völler und Simon Rolfes im Management. Und im Scoutingbereich seit Sommer 2019 auch Werders ehemaliger Kaderplaner Tim Steidten. Aber Eichin hat zwei weitere ehemalige Werderaner dazugeholt: 2004-Double-Sieger Markus Daun und Ex-U23-Coach Sven Hübscher, der zuletzt bei Preußen Münster gearbeitet hat. Daun betreut nun die U15, Hübscher die U19. „Ganz schön viel Grün hier“, sagt Eichin und lacht.

Eichin fiebert noch mit Werder

Mit Werder ist er nach seinem Rauswurf 2016 längst wieder im Reinen. „Ich bin Werder ein Leben lang dankbar dafür, dass ich diesen Job machen durfte. Es war eine prägende Zeit, ich habe viel gelernt“, erinnert sich Eichin und gesteht: „Ich fiebere immer noch mit Werder.“ Im Endspurt der vergangenen Saison wäre es ganz extrem gewesen. Schließlich konnte er sich noch gut an den eigenen Abstiegskampf mit Werder 2016 erinnern, als die Liga erst am letzten Spieltag mit einem 1:0-Sieg gegen Frankfurt gehalten wurde. Die Angst vor dem Absturz sei in Bremen riesengroß gewesen. Das hätte er sich vorher nie so vorstellen können. Um sich selbst nicht verrückt zu machen, habe er sich immer gesagt: „Auch wenn wir absteigen, ist trotzdem niemand gestorben.“

Der Druck sei in diesen Momenten enorm. Umso bemerkenswerter sei es, wenn Vereine dennoch am Trainer festhalten würden. Er hat es damals so mit Viktor Skripnik gemacht, im vergangenen Jahr durfte Florian Kohfeldt bleiben. „Ich finde es sehr gut, dass Werder seiner Linie treu bleibt. Diese Werder-Familie ist ein Markenzeichen. Und ich hoffe, dass es gerade im Fall Florian Kohfeldt belohnt wird. Er ist ein guter Bundesliga-Trainer, der auch woanders funktionieren wird“, prophezeit Eichin, der Kohfeldt bestens kennt. Schließlich war dieser Skripniks Co-Trainer.

Mit Kohfeldt durfte Werder 2019 mal kurz wieder von Europa träumen, dann folgte der erneute Einbruch. „Man hat geglaubt, es geht wieder in andere Sphären. Aber es ist nicht so einfach, ein Team für die Europa League zu bekommen“, sagt Eichin. Er hatte zu seiner Zeit bei Werder intensiv gegen die große Erwartungshaltung beim einstigen Dauergast in der Champions League gekämpft und immer wieder gemahnt, dass die Grün-Weißen eben nicht mehr zu den Topclubs gehören. Auch finanziell gab es damals schon große Probleme. Bei einem Werksclub wie Bayer Leverkusen ist das natürlich anders. Aber jetzt auch nicht mehr Eichins Thema, denn er ist schließlich für die Frauen und den Nachwuchs zuständig. Bei den Profis ist er am Samstag nur Zuschauer, aber ein besonderer: „Ich freue mich richtig auf dieses Spiel.“ Auf dem Platz wird er allerdings nur wenige Bekannte sehen, aus seiner Zeit gehören nur noch Maximilian Eggestein, Theodor Gebre Selassie und Davie Selke zum Werder-Kader.

Eichins Karrieren

Als Profi: 180 Bundesliga-Spiele für Borussia Mönchengladbach (1986 bis 1999) und zehn Zweitliga-Spiele für den 1. FC Nürnberg (1995).

Von 1996 bis 1998: Assistenztrainer und Marketing-Mitarbeiter bei Borussia Mönchengladbach.

Von 1999 bis 2013: erst Marketingleiter, dann Geschäftsführer beim Eishockeys-Club Kölner Haie.

Von 2013 bis 2016: Sportchef beim SV Werder Bremen.

2016: Geschäftsführer Sport beim TSV 1860 München.

Von 2017 bis 2020: Geschäftsführer der Sportlermanagement-Agentur SAM.

Seit 2020: Leiter Nachwuchs & Frauen bei Bayer Leverkusen.

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