Werder gegen Dortmund Marius Wolf: "Es ist gut, dass Werder sich nicht hinten reinstellt"

Marius Wolf von Borussia Dortmund will Werder Bremen am Samstag mit Respekt und Hochachtung begegnen. Im Interview mit unserer Deichstube spricht der Allrounder dem Bremer Chefcoach außerdem ein Kompliment aus.
19.08.2022, 12:52
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Herr Wolf, kennen Sie den Spruch „Dreimal ist Bremer Recht“?

Marius Wolf: Nein, was soll er bedeuten?

Unter anderem, dass jeder Person eine dritte Chance zugestanden wird. Trifft das nicht auch auf Ihre Geschichte bei Borussia Dortmund zu? Im dritten Anlauf scheinen Sie nun endlich Fuß zu fassen. Haben Sie den Durchbruch endlich geschafft?

Ich bin ja schon fünf Jahre bei der Borussia, war zunächst zu Hertha BSC Berlin und dann zum 1. FC Köln ausgeliehen. Richtig angekommen in Dortmund bin ich schon in der letzten Spielzeit, als ich 37 Pflichtspiele absolviert habe, davon 17 von Anfang an. Eine sehr ordentliche Saison nach meiner Auffassung. Damit konnte ich sehr zufrieden sein.

Auf der rechten Abwehrseite haben Sie in dem Belgier Thomas Meunier einen prominenten Rivalen. Können Sie diesen Konkurrenten auf Sicht verdrängen?

Die rechte Seite ist ja nicht unbedingt meine angestammte Position. Im Spiel davor gegen Leverkusen kam ich rein und spielte auf der linken offensiven Außenbahn. Das ist, so glaube ich, auch meine Stärke, dass ich flexibel einsetzbar bin. Also, ich bin nicht so fokussiert auf eine Rolle. Ich will da spielen, wo der Trainer mich einsetzt.

Momentan trumpfen die Joker bei der Borussia auf. Am vergangenen Spieltag haben Jamie Bynoe-Gittens, Youssoufa Moukoko und der Ex-Bremer Julian Brandt gemeinschaftlich das Tor zum 2:1 produziert, darüber hinaus erzielten Sie und Bynoe-Gittens ebenfalls je ein Tor.

Das stimmt. Es ist enorm wichtig, dass das Team manchmal entscheidende Impulse durch Leute von der Bank erhält.

Sie wollen doch aber sicher mehr als ein Joker sein, oder?

Natürlich. Ich denke, es liegt in der Natur jedes Profis, dass er von Beginn an spielen und somit der Mannschaft helfen möchte.

Edin Terzic ist zurück auf der Trainerbank. Beschreiben Sie bitte mal den Coach. Was zeichnet ihn aus?

Er ist extrem engagiert und erfolgsorientiert. Er ist ein junger und dynamischer Coach, der sehr gut zu unserer Mannschaft passt, weil Edin Terzic in allen Belangen so tickt wie unsere Mannschaft und in jeder Phase Gas gibt wie wir alle. In den ersten beiden Spielen hat es Edin sehr gut gemacht.

Was unterscheidet Terzic vom Vorgänger Marco Rose?

Das ist immer schwer zu beantworten. Jeder Trainer hat eine andere Auffassung. Vergleiche zu ziehen, das gehört sich einfach nicht. Und daran halte ich mich. 

Dortmund ist mit zwei Siegen gestartet. Ein großes Thema bleibt: die berühmte Frage nach der Mentalität. Glauben Sie, dass sich in dieser Hinsicht einiges geändert hat?

Ich habe da auch schon im letzten Jahr nicht so ein Problem gesehen wie manch anderer. Wir sind schon gut beraten, dass wir auf uns schauen. Wir müssen in jedem Spiel unsere Leistung abrufen. Positiv in Freiburg am ersten Spieltag war die Tatsache, dass wir in der Lage waren, einen Rückstand zu drehen. Das hat uns Kraft gegeben und unsere Moral gestärkt.

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Nun kommt der Aufsteiger Werder Bremen. Beobachter behaupten, dass Dortmunder Partien gegen solche Gegner in den letzten Jahren meistens nicht so gut gelungen sind. Denken Sie daran?

Nein, wir wollen dieses Spiel unter allen Umständen gewinnen. Das ist unser erklärtes Ziel für das Wochenende. Und überhaupt: Wir wollen jedes Spiel gewinnen – egal, ob es gegen Bremen oder gegen Bayern geht.

Wie sehen Sie Werder?

Werder ist ein Traditionsverein, der in die Bundesliga gehört. Ein Club mit einem geilen Stadion, mit einer famosen Anhängerschaft. Ich jedenfalls freue mich, dass Bremen sich sofort wieder zurückgemeldet hat.

Werder hat zum Auftakt zwei Unentschieden verbucht. Wie beurteilen Sie diesen Saisonstart?

Die Partie gegen Stuttgart habe ich in der TV-Konferenz verfolgt. Werder hat dieses Spiel überlegen gestaltet. Ich habe gespürt, wie Werder von der Euphorie des direkten Wiederaufstiegs lebt. Das macht unsere Aufgabe am Samstag nicht einfach. Doch wir spielen zu Hause und müssen uns dem stellen.

Sind beide Remis der Beweis dafür, dass Werder in der Bundesliga konkurrenzfähig ist?

Absolut, die zwei Unentschieden haben bewiesen, dass Werder schon auf Augenhöhe ist, dass die Mannschaft gut kicken kann. Die Bremer hätten sogar eine oder gar beide Partien gewinnen können.  

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Worin sehen Sie die besondere Stärke der Truppe? Ist es die Offensive mit Füllkrug und Ducksch?

Das große Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Werder tritt gut als Team auf, das macht es gefährlich. Diese Harmonie, dieses Auftreten als Einheit. Das hat mich schon in der Zweitliga-Saison beeindruckt. Zudem gibt es viele gute Einzelspieler, wie Sie richtig angemerkt haben.

Auffällig ist die Spielweise der Bremer, sie spielen mutig nach vorn. Ist diese Gangart wirklich erfolgversprechend?

Sie tun sich einen Gefallen damit, wenn sie offensiv auftreten. Ich habe Trainer Ole Werner schon in Kiel verfolgt. Dieser Trainer steht für Offensivfußball und hat damit Erfolg. Die Bremer sollten diese Handschrift beibehalten und ausbauen. Es ist gut, dass sie sich nicht hinten reinstellen und verstecken wollen.

Eine Frage, über die ganz Fußball-Deutschland diskutiert: Kann Dortmund in dieser Saison  das Meisterrennen ausgeglichener und spannender gestalten?

Es ist auf jeden Fall unser Ziel. Was am Ende dabei herausspringt, werden wir sehen. Unsere Devise muss sein: Wir müssen auf uns schauen. 

Letzte Frage: Was trauen Sie den Bremern zu?

Wenn Sie Ihre Spielweise beibehalten und auf Dauer durchbringen und dann noch glückliche Momente hinzukommen, ist viel drin. Der Start ist schon mal gelungen. Im Weserstadion mit den tollen Fans im Rücken können sie zu einer Heimmacht werden. Gelingt das, haben sie mehr als gute Aussichten, den Klassenerhalt zu schaffen oder gar mehr zu erreichen. 

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Das Gespräch führte Hans-Günter Klemm.

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