Interview vor dem Duell mit Werder Schalke-Legende Thon: "Mir gefällt Niclas Füllkrug sehr gut"

Olaf Thon ist eine lebende Legende auf Schalke. Der Weltmeister von 1990 warnt Werder Bremen vor dem ersten Zweitliga-Duell mit FC Schalke vor einer schwierigen Saison und das direkte Aufeinandertreffen.
19.11.2021, 18:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Marius Winkelmann

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Werder-Trainer Markus Anfang geführt

Herr Thon, müssen Sie sich immer noch kneifen, dass die Traditionsvereine Schalke und Werder in der 2. Liga sind?

Nein, durch die brutal schlechte letzte Saison des FC Schalke bin ich gedanklich sehr schnell in der 2. Liga angekommen. Aufgrund des Abstiegs ist man sehr hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Das war eine Katastrophe. Wir mussten uns der Realität stellen, um den freien Fall zu verhindern – das haben die Verantwortlichen gemacht. Bei Schalke gab es fast 50 Transfers in beide Richtungen. Rouven Schröder hat einen großen Kraftakt vollzogen. Es ist ein Vorteil, dass er die 2. Liga sehr gut kennt. Auch, dass wir im Gegensatz zu Werder rechtzeitig die Saison planen konnten, hat uns für den Neustart natürlich in die Karten gespielt.

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Nach 13 Spieltagen liegt Schalke dennoch gerade einmal drei Punkte vor Werder. Wer ist aus ihrer Sicht die bessere Mannschaft und warum?

Wenn man beide Clubs gegenüberstellt, stellt man fest, dass Werder kaum Zweitliga-Erfahrung in seinem Kader hat. Da hat Schalke natürlich viel mehr aufzuweisen. Dennoch hat Bremen mit Spielern wie Niclas Füllkrug, Marvin Ducksch, Leonardo Bittencourt und Ömer Toprak eine Mannschaft, die gleichwertig ist mit Schalke 04. Im direkten Duell muss man sehen, wie Schalke es angeht – und ob Simon Terodde wieder trifft.

Sie sprechen es an: Seit fünf Pflichtspielen ist Schalkes Torjäger Terodde nun ohne eigenen Treffer. Davon verlor Schalke die letzten drei Begegnungen. Ist S04 zu abhängig von Teroddes Toren?

Schalke ist abhängig von ihm. Das wusste man auch. Er hat ja zu Beginn der Saison mit einer beängstigend schönen Leichtigkeit getroffen. Aber es war klar, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem auch er mal nur die Latte oder den Pfosten trifft. Er hatte zuletzt auch seine Chancen, konnte sie aber nicht verwerten. Deshalb bin ich überzeugt, dass er bald wieder treffen wird – höchstwahrscheinlich auch gegen Werder Bremen.

Trainer Dimitrios Grammozis gerät in der Öffentlichkeit und bei den Fans zunehmend in die Kritik. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Grammozis hat es geschafft, eine Mannschaft zu bilden, die eine Achse hat. Er hat mit Martin Fraisl auf den richtigen Torwart gesetzt. Ko Itakura macht in der Dreierkette einen guten Job, was ich nicht unbedingt erwartet hätte. Im Zentrum spielt Kapitän Danny Latza, der lange verletzt war, aber auf dem Weg zu alter Stärke ist. Und vorne wirbeln Terodde und Marius Bülter. Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob die Dreierkette die richtige Wahl ist, ich persönlich bevorzuge eine Viererkette. Aber der Trainer hat einen klaren Plan, den er durchsetzen will. Ich finde es gut, dass er sich nicht von außen beirren lässt. Er ist davon überzeugt, dass das das Beste für die Mannschaft ist. Von daher müssen wir ihn dabei unterstützen.

Aber muss Schalkes Anspruch nicht höher sein?

Zunächst mal bin ich froh, dass wir sportlich und finanziell Boden unter den Füßen gefunden haben. Ich habe viele Spiele gesehen von Schalke, die waren alle sehr eng. Man hat nicht eine Mannschaft locker dominiert. Aber das hat schon der HSV in den letzten Jahren erfahren – die 2. Liga ist verdammt schwer. Und Schalke muss sich erstmal finden. Gleiches gilt übrigens auch für Werder.

Sie waren früher ein begnadeter Offensivfußballer. Schmerzt es Sie nicht zu sehen, wie Schalke als einer der Aufstiegsfavoriten in Liga zwei so defensiv orientierten Fußball spielt?

Das war schon so – gerade zu Beginn der Saison. Grammozis hat das aber auch erklärt und gesagt: „Wir müssen uns erstmal finden, müssen erst einmal stabil stehen“. Das war in den ersten fünf Spielen so. Danach hat er aber umgestellt und versucht, Forechecking zu spielen, mehr Ballbesitz zu haben. Das ist der richtige Weg. Wir haben step by step versucht, das Heft in die Hand zu nehmen und mehr Spielanteile zu haben als der Gegner. Das ist für mich die Grundvoraussetzung, um überhaupt in der 2. Liga oben mitzuspielen. Denn, wenn man sich sogar gegen die „No Names” der 2. Liga versteckt, wird man den Aufstieg nicht schaffen.

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Schalke hat in der Vergangenheit immer mal wieder namhafte Spieler aus Bremen nach Gelsenkirchen gelotst. Welchen Spieler aus der heutigen Werder-Mannschaft würden Sie gerne im königsblauen Trikot sehen?

Mir gefällt Niclas Füllkrug sehr gut. Er ist ein schwer zu bändigender Angreifer, bei dem immer alles passieren kann. Marvin Ducksch finde ich auch klasse. Werder hat viele gute Spieler, aber vor allem die Stürmer gefallen mir.

Die Bremer gehen am Samstag etwas ersatzgeschwächt in den Zweitliga-Kracher. In der Defensive fehlen Marco Friedl und Nicolai Rapp (Gelb-Sperre) sowie Milos Veljkovic (verletzt). Ein Vorteil für Schalke?

Die Frage ist, wer Werder in der Defensive zur Verfügung steht. Ein Einsatz von Ömer Toprak wäre für sie enorm wichtig. Bei Schalke wird es darauf ankommen, sich nicht zu verstecken. Sie müssen Werder in der eigenen Hälfte attackieren, denn da haben sie Probleme. Ich hoffe auf einen offenen Schlagabtausch – mit dem besseren Ende für Schalke 04.

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Und wer steigt am Ende auf: Werder, Schalke oder beide?

Von mir aus gerne beide. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es Werder und Schalke gelingt, halte ich für eher gering. Wenn wir den HSV auch noch mit ins Boot nehmen, wird es noch unwahrscheinlicher. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass eine der drei Mannschaften den direkten Aufstieg schaffen wird. Ich hoffe, Schalke ist dabei. 

Das Gespräch führte Marius Winkelmann

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