Werder-Gegner

Trainer, Kader, Form: So startet Hannover 96 in die Saison

Der Gegner beim Start des SV Werder Bremen in die Zweitliga-Saison heißt Hannover 96. Wo liegen Stärken und Schwächen der Niedersachsen?
24.07.2021, 12:42
Lesedauer: 2 Min
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Von Hans-Günter Klemm
Trainer, Kader, Form: So startet Hannover 96 in die Saison

Jan Zimmermann ist der neue Trainer von Werder-Gegner Hannover 96.

Joachim Sielski

Ein Mann, ein Wort. „Ein Aufstieg ist aktuell kein Thema“, sagt Martin Kind – der Chef vom Ganzen bei Hannover 96. Realismus und Vernunft sind also eingekehrt bei den Niedersachsen. Unsere Deichstube hat den ersten Gegner des SV Werder Bremen in der 2. Liga unter die Lupe genommen.

Die Historie

In dieser Beziehung gleichen sich der „kleine HSV“ und der „größere HSV“. Eine Parallele zwischen Hannover und Hamburg, zwischen 96, mit diesem Beinamen belegt, und dem großen Bruder aus dem Norden, mit noch mehr Tradition befrachtet. Beide Clubs scheiterten am ambitionierten Vorhaben, den sofortigen Wiederaufstieg zu meistern. Die Hanseaten schon dreimal, die Niedersachsen, 2019 abgestiegen, bereits zweimal. Niederschmetterndes Resultat am Ende der letzten Saison: Platz 13, eine Katastrophe für den Meister von 1938 und 1954. Tristes Dasein in der Unterklassigkeit wie schon in der Spielzeit 2016/17.

Der Trainer

Ein neuer Mann auf dem Schleudersitz in der niedersächsischen Landeshauptstadt: Jan Zimmermann ist ein Novize im Profilager, aber immerhin ein Aufsteiger aus der Nachbarschaft. Der 41-Jährige soll zum Baumeister eines neuen 96-Gebildes werden. Mit dem Dorfclub Germania Egestorf/Langreder stieg er 2016 in die Regionalliga auf und in der vergangenen Saison mit dem TSV Havelse in die 3. Liga.

Dem Nachfolger des gescheiterten Kenan Kocak eilt ein guter Ruf voraus. Gemeinsam mit dem aus Hoffenheim verpflichteten Sportdirektor Marcus Mann soll er Hannover mittelfristig wieder nach oben bringen. Gleich beide Führungspositionen neu zu besetzen – und das auch noch in der Form –, ist mutig, aber auch riskant. Doch mit Wechseln kennen sie sich bei 96 aus. In Kinds 24-jähriger Amtszeit wurden die Spitzenpositionen häufig ausgetauscht – es gab 15 Trainer sowie zehn Manager.

Der Star

Ohne Frage steht der Star der Truppe im Tor: Ron-Robert Zieler, der Weltmeister von 2014. Eine kuriose Geschichte. Von 2010 bis 2016 hütete Zieler das 96-Tor, wechselte dann nach England zu Leicester City. 2019 holte Hannover nach Abstieg den inzwischen beim VfB Stuttgart spielenden Keeper zurück, um ihn ein Jahr später wieder wegzuschicken – auf Leihbasis zum 1. FC Köln. Nun ist der 32-Jährige zurück und von Zimmermann zur Nummer eins ernannt worden.

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Die Form

Ganz in der Nähe Bremens bereitete sich 96 auf die neue Saison vor. Im „Wachtelhof“ in Rotenburg, WM-Quartier 2006, wo die Exoten aus Trinidad und Tobago abgestiegen waren. Die Resultate der Tests: 0:2 gegen St. Pauli, 1:0 gegen Viktoria Berlin, 1:1 gegen Paderborn, 0:1 gegen Bielefeld, 4:4 gegen Hertha BSC Berlin, 2:4 gegen Magdeburg. Die verpatzte Generalprobe gegen den Drittligisten Magdeburg machte Coach Zimmermann wütend: „Das war ein Rückschritt!“ Personalsorgen kommen noch hinzu. Franck Evina fällt aus, Linton Maina, Niklas Hult und Mike Frantz sind angeschlagen.

Die Besonderheit

Alles dreht sich um Martin Kind. Der Hörgeräte-Unternehmer, der den einst darbenden Club von der Regionalliga in die Bundesliga führte, bleibt trotz seines Teil-Rückzugs der starke Mann. Ein Alleinherrscher, das rote Tuch bei den Roten, bekämpft von einer Opposition und angefeindet von den Ultras.

Ein kompliziertes Geflecht zwischen dem Verein und dem ausgegliederten Profifußball in Form einer GmbH & Co KgaA, wobei der 77-Jährige Multi-Millionär (geschätztes Vermögen 600 Millionen Euro) als Geschäftsführer einer 96 Management GmbH und einer Sales und Services GmbH&Co KG gemeinsam mit den Gesellschaftern Dirk Roßmann und Gregor Baum das Sagen hat. Bundesweit macht der oft recht eigenwillige „Mister 96“ seit Jahren Schlagzeilen bei seinem Kampf gegen die 50+1-Regel.     

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