Testspiel in China

Werder gewinnt in Changchun

Bremen. Werder Bremen hat das erste Testspiel in China gegen Changchun Yatai mit 1:0 (0:0) gewonnen. Auch in diesem Vorbereitungsspiel hat Werder-Trainer Robin Dutt auf eine ungewohnte taktische Variante gesetzt.
02.07.2014, 12:40
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Werder gewinnt in Changchun
Von Thorsten Waterkamp
Werder gewinnt in Changchun

Der Pokal, den Werder für den Testspielsieg bekam, hat doch ziemlich Ähnlichkeit mit der Champions-League-Trophähe.

nordphoto

Changchun. Am Ende gab’s sogar einen Pokal, wenn der auch wie eine Kopie aussah. Als Clemens Fritz das Ding in Champions-League-Sieger-Manier schweißüberströmt in den chinesischen Nachthimmel hob, hatte Werder sein erstes Testspiel mit 1:0 (0:0) beim chinesischen Erstligisten Changchun Yatai gewonnen.

Mehr aber als über den Staubfänger, den Werder ein Kopfballtor von Santiago Garcia bescherte (65.), freute sich Sportchef Thomas Eichin über ein durchaus gelungenes Experiment.

Eigentlich ist die ganze China-Reise ein großes Experiment, bei dem die Bremer kaum etwas dem Zufall überlassen. Eigene China-Tour-Trikots mit Schriftzeichen-Beflockung gibt es, ein eigenes Logo, eigene Bandenwerbung, ein eigens angefertigtes Dankeschön-Banner – alles, was die Werkzeugkiste des Marketings so hergibt. Und sportlich wartete Werder mit einem taktischen Experiment auf: einer Dreierkette. Trainer Robin Dutt versucht sie in dieser Saisonvorbereitung als, wie er sagt, „Alternativsystem“ zur Raute einzuführen. „Anfangs haben sich die Spieler noch schwergetan“, urteilte Eichin – danach aber war der Sportchef zufrieden.

„Es war ein richtig guter Test“, befand Eichin, und einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatte der chinesische Gegner. „In der ersten Halbzeit habe ich gedacht, die Chinesen laufen uns in Grund und Boden“, staunte Trainer Robin Dutt nicht schlecht. Die Sorgen musste er sich allerdings nicht allzu lang machen: Nach 20 Minuten schaltete Changchun Yatai, der Elfte der Chinese Super League und nach Einschätzung von Clemens Fritz ein Team auf mittlerem deutschen Zweitliga-Niveau, zwei Gänge herunter.

Die hohen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit machten Werder in der intensiv geführten Partie zusehends zu schaffen.

Die hohen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit machten Werder in der intensiv geführten Partie zusehends zu schaffen.

Foto: nordphoto

Das kam auch der Dreierkette mit Assani Lukimya, Sebastian Prödl und Oliver Hüsing zugute. „Es ist zu Anfang immer schwierig: Wie groß macht man die Abstände, wann stößt man in die Lücken?“ Nach einer Stunde ersetzte Alejandro Gálvez den jungen Hüsing, der das Konstrukt stärkte. „Er kapiert das System ganz gut“, sagte Eichin über den spanischen Neuzugang, „er kennt das schon.“

Die durchaus gefährlichen Chinesen ließen ihrerseits einige Gelegenheiten zu – allein: Werder wusste sie nicht zu nutzen, weil die Konsequenz fehlte. „Da haben wir die eine oder andere Möglichkeit liegen lassen“, kritisierte Fritz die Offensivabteilung. Der Unterstützung im Stadion tat das keinen Abbruch. Tatsächlich gab es zwei Gruppen Werder-Fans auf den Tribünen der Arena in Changchun: eine chinesische und eine aus Bremen.

Rund 25 Fans haben die Reise von der Weser ins Reich der Mitte auf sich genommen, sie sind seit Freitag im Land und eine bunte Mischung aus nahezu allen Ultra-Gruppierungen. Auch sie haben kaum etwas dem Zufall überlassen und brachten eine Zaunfahne mit, die der Name einer Ultra-Gruppe zierte: „Wanderers“ – in chinesischen Schriftzeichen gut lesbar für Einheimische.

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Überhaupt sind zahlreiche einheimische Werder-Fans vor Ort, wenn auch beim Spiel die Gesamtkulisse von 3500 Zuschauern eher dürftig war. Schon am Flughafen Peking hatten am Montag die ersten grün-weißen Chinesen gewartet, die nächsten begrüßten die Bremer bei der Ankunft in Changchun. Noch mehr dürften es am Sonnabend beim zweiten Testspiel in Tianjin werden, wohinWerder heute Mittag reist. Tianjin liegt gut 100 Kilometer vor den Toren Pekings – und in der chinesischen Hauptstadt gibt es den größten ausländischen Fanclub weltweit.

Der WFC China, gegründet 2010 von dem seit 30 Jahren in Peking lebenden Exil-Bremer Hartmut Heine, ist in kürzester Zeit auf 500 Mitglieder angewachsen – Deutsche, aber auch Chinesen lassen Werder 7500 Kilometer vom Weserstadion entfernt hochleben. Bei der Anreise nach Tianjin können sie sich noch etwas mehr Zeit lassen als geplant. Die Partie, die bei Werder-TV im Internet zu sehen ist, wurde um eine halbe Stunde nach hinten verlegt und beginnt um 20 Uhr.

Changchun Yatai: Song – He, Wang, Ismailov, Zhang (60. Yan) – Pei – Lu (90. Mou), Iglesias (70. Jiang), Coelho (46. Sun), Cao (60. Pan) – Beciraj

Werder Bremen: Wolf – Hüsing (60. Gálvez), Prödl, Lukimya – Fritz (75. Gebre Selassie), Bartels (75. Ekici), Kroos (60. Junuzovic), Obraniak (46. Aycicek), Garcia – Di Santo (60. Selke), Elia (70. Kobylanski)

Zuschauer: 3500

Tor: 0:1 Garcia (65.)

Gelbe Karten: Obraniak, Prödl, Ekici / -

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