Werder Bremen Werder gibt mal wieder Rätsel auf

Bremen. Die Blamage von Mönchengladbach hat Werder in einer Art und Weise geerdet, mit der vorher nicht einmal die ärgsten Pessimisten gerechnet hatten. Die Mannschaft ist offenbar noch längst nicht so gefestigt, wie zunächst erhofft.
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Werder gibt mal wieder Rätsel auf
Von Oliver Matiszick

Bremen. Klaus Allofs hatte genug gesehen. Die Werder-Profis, die sich am Tag zuvor in Bremen mit 0:5 blamiert hatten, ließen die Ersatzspieler auf dem Trainingsplatz zurück und trotteten Richtung Kabine, da schlug der Sport- und Klubchef der Bremer am Sonntagvormittag den entgegensetzten Weg ein.

Es zog ihn zu einem der Nebenplätze in der Pauliner Marsch, auf dem Werders U19 gegen den Nachwuchs von Hertha BSC Berlin kickte. "Ich starte den Versuch, an diesem Wochenende noch ein vernünftiges Spiel zu sehen", sagte Allofs süffisant. Werders erste Mannschaft war bei diesem Vorhaben schließlich nicht nur irgendwie gescheitert. Sondern auf ganz Linie.

Wenn man denn irgendwie noch irgendetwas Positives an dieser Niederlage hervorheben wollte, dann wohl das: Sie ließ keine Ausreden zu. Es hatte keine Schiedsrichterentscheidungen gegeben die die Bremer benachteiligt hätten. Es hatte zuvor keinen Rückschlag in der Liga gegeben, der der Mannschaft das Selbstvertrauen hätte rauben können, sondern ein 3:2 gegen Köln. Es gab keine Verletztenmisere zu beklagen, die die Mannschaft aus der Bahn geworfen hätte. Auch nicht der Ausfall von Naldo, dem nach langer Verletzungspause wiedererstarkten Innenverteidiger. "Sein Fehlen ist keine Entschuldigung für die anderen", sagte Allofs. Unter dem Strich blieb den Bremern also nur, das eigene Scheitern und die Leistung des Gegners anzuerkennen. "Glückwunsch, mein Lieber", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf nach Spielende dann auch zum Gladbacher Kollegen Lucien Favre auf dem Weg zur Pressekonferenz, "da hast du mir 'ne schöne Klatsche gegeben."

Die Frage, wieso, weshalb, warum es zu solch einer Klatsche kommen konnte, die in ihrer Machart (mangelndes Zweikampfverhalten, keinerlei Unterstützung der Mitspieler, null Moral) arg an die Serie von 0:4- bis 0:6-Erlebnissen der Vorsaison erinnerte, ließ sich indes nicht klären. "Hätten wir eine Lösung, hätten wir ja nicht so gespielt", sagte Torwart Tim Wiese in überzeugender Logik. Auch die Frage danach, weshalb Werder immer wieder - nun schon zum zehnten Mal in 13 Spielen - in Rückstand gerät, obwohl jede Woche erneut Stein und Bein geschworen wird, dass man genau daran arbeite, mochte niemand mehr hören. Was nach dem Erlebnis von Mönchengladbach blieb, war eine ganz andere Frage: Ja, wo stehen sie denn nun eigentlich in der Liga?

Denn Werder, das ja, zählt zu den Mannschaften im oberen Tabellendrittel. Aber nein, Werder hat inzwischen den Nachweis erbracht, gegen eben jene Mannschaften aus diesem Umfeld nicht bestehen zu können. Und das ist eine Zwischenbilanz, die auf dem Weg zurück ins internationale Geschäft, dem Saisonziel, dann doch sehr beunruhigend ist. Werder, das dürfte nun feststehen, ist noch lange wieder keine keine Spitzenmannschaft. Das, sagt Klaus Allofs, sind "ganz klar die Bayern und die Dortmunder - und dafür reicht es bei uns nicht". Wohl aber reiche es für das, "was sich dahinter tummelt". Doch das auch nur an einem guten Tag. Und in Mönchengladbach erwischte Werder einen "schwarzen Tag", wie Kapitän Clemens Fritz feststellen musste.

An solchen schwarzen Tagen ist Werder viel näher am Tabellen-13. der Vorsaison als am Champions-League-Teilnehmer von einst (oder der Zukunft). "Wenn wir uns so anstellen wie die Gladbacher", sagt Allofs mit Blick auf die Demonstration von Einsatzwillen und Freude am Spiel, "dann können wir tatsächlich da oben mitspielen. Wenn nicht, dann sind wir eine Durchschnittsmannschaft." Und Durchschnittsmannschaften, das weiß man, schauen aus Gewohnheit Jahr für Jahr zu, wenn die überdurchschnittlichen Mannschaften unter der Woche international spielen.

Von daher war Allofs mit der Abreibung von Gladbach dann sogar einverstanden - indem er sie als eine Art Wecksignal verstand, das keine Interpretationsmöglichkeiten ließ. "Das hilft uns zu sehen, wo wir wirklich stehen", sagte er, "wir haben ein deutliches Zeichen bekommen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben."

Werders U19, die er dann am Sonntag noch besuchte, verlor übrigens 1:2 gegen Hertha. Allofs war gegangen, als es zwischenzeitlich 1:1 stand. "Immerhin habe ich dieses Wochenende noch ein Werder-Tor gesehen...", sagte er da. Reichen sollte auch das nicht.

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