Nach 2:2 gegen Darmstadt Werder hält an Skripnik fest

Der Trainer bleibt: Werder Bremens Manager Thomas Eichin hat nach dem 2:2 gegen Darmstadt 98 erklärt, weiter mit Viktor Skripnik zusammenarbeiten zu wollen - zumindest vorerst.
27.02.2016, 18:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Marc Hagedorn Andreas Lesch

Der Trainer bleibt: Werder Bremens Manager Thomas Eichin hat nach dem 2:2 gegen Darmstadt 98 erklärt, weiter mit Viktor Skripnik zusammenarbeiten zu wollen - zumindest vorerst.

Am Ende mündete dieser turbulente Tag in eine einzige Frage: Ist Viktor Skripnik am Mittwoch, beim Bundesligaspiel in Leverkusen, noch Werders Trainer? „Die Frage, die könnt ihr mir jetzt noch 50 Mal stellen, und ich beantworte sie nicht“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin. Dann beantwortete er sie doch. „Wir als Verein haben einen enormen Druck momentan“, stellte Eichin fest, und dann betonte er noch einmal: „Wir als Verein haben Druck – und nicht Viktor Skripnik.“ Es sei falsch, „alles abzuladen auf dem Trainer“. Skripnik bleibt also vorerst. Man werde „ja an meiner Art und Weise, wie ich spreche, hören, dass ich nicht vorhabe, den Trainer zu wechseln“, so Eichin.

Er berichtete, er werde handeln, „wenn ich mal erkennen sollte, dass da ein Bruch ist zwischen Mannschaft und Trainer, dass irgendwas nicht mehr funktioniert“. Das sei aber bisher nicht der Fall. Bisher ist Werders Bilanz nur die schlechteste Bilanz der Vereinsgeschichte: 21 Punkte nach 23 Spieltagen – das gab es noch nie.

Lage der Bremer ist bedrohlich

Das 2:2 (1:1) im Heimspiel am Sonnabend gegen Darmstadt 98 hat die Lage der Bremer noch trister gemacht, als sie es schon war. Sie sei bedrohlich, bekannte Eichin: „Was soll ich denn für ein anderes Wort finden für diese Situation?“ Er prophezeite: „Wir werden sicherlich auch die nächsten Wochen da unten hängen. Es wird weiter unruhig bleiben.“ Aber er mühte sich auch, Mut zu machen. „Noch sind elf Spiele, genug Punkte zu vergeben. Noch sind wir nicht abgeschlagen. Sondern wir sind immer noch da, wo wir was machen können“, sagte er. „Und diese Mannschaft hat immer schon gezeigt, dass sie gegen jeden Gegner was holen kann. Deshalb glauben wir weiter an uns.“

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Das Unentschieden gegen den Aufsteiger allerdings war nicht dazu angetan, diesen Glauben zu stärken. Klar, die Bremer rannten, grätschten, kämpften, und sie gaben nie auf. Aber sie schafften es nicht, das Spiel zu dominieren, ihm eine Linie zu geben, klug zu kombinieren. Und sie machten in der Defensive wieder mal Fehler, die ein Klasseteam kaum gemacht hätte. So schafften sie es nicht, Anthony Ujahs 1:0 (33.) in die Pause zu retten. Torwart Felix Wiedwald holte Sandro Wagner im Strafraum von den Beinen, und der Darmstädter Stürmer verwandelte den folgenden Elfmeter ziemlich cool zum 1:1 (44.). In der zweiten Hälfte drängten die Bremer auf die erneute Führung – und kassierten durch Aytac Sulus Kopfball das 1:2 (82.). „Wir machen uns die Tore selber rein“, klagte Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic. „Die Tore waren alle zu verhindern.“

Eichin ärgert sich über zweiten Gegentreffer

Auch Eichin ärgerte sich sehr über den zweiten Gegentreffer. „Das war ein Nackenschlag. Das war tödlich. Das war fatal“, sagte er. „Da müssen wir anders agieren. Da haben wir einfach nicht die Lufthoheit, und wir haben große Spieler“, kritisierte Eichin. Die Bremer Verteidiger hätten Sulu nie so zum Kopfball kommen lassen dürfen: „Das ist ein Unding.“ Eigentlich hätte Sulu zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Nach einem Foul an Ujah hätte er Gelb-Rot sehen müssen. Doch Eichin mochte dem Schiedsrichter Robert Hartmann keine Schuld geben. Der habe „keine spielentscheidenden Dinge“ falsch gemacht, befand Werders Geschäftsführer. „Er hat nur keine klare Linie gehabt bei Luftduellen.“

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Claudio Pizarro ließ sich davon nicht beirren und glich aus der Luft, mit dem Kopf, noch zum 2:2 für Werder aus (89.). Ohne diesen Treffer wäre die Trainerdebatte nach dem Spiel wohl anders verlaufen. „Schön, dass wir wenigstens den absoluten Super-Gau verhindert haben“, sagte Junuzovic. Wer ihm zuhörte, der konnte erahnen, wie betrübt er und seine Kollegen trotzdem sind. „Das ist viel zu wenig“, sagte Junuzovic zu dem Resultat. „Die Situation ist heikel. Wir brauchen unbedingt Erfolgserlebnisse. Die Chancen werden leider nicht mehr.“ Er klang verzagter als Eichin. „Natürlich haben wir die Angst im Hinterkopf“, gestand Junuzovic. Mit dieser Angst spiele es sich nicht gerade leicht.

Skripnik spürt Unterstützung vom Verein

Ist der Trainer Skripnik stark genug, um in dieser angstbesetzten Situation zu bestehen? Hält er dem Druck stand? „Ich hab’ keine Erkenntnisse, dass es anders ist“, sagte Eichin. Er lobte, Skripnik habe es in den Tagen vor der Partie geschafft, die Mannschaft einerseits in die Pflicht zu nehmen, ihr andererseits aber auch die Freude am Spiel zu lassen. Nur das Ergebnis der Arbeit, das war wieder mau.

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„Jeder ist enttäuscht, jeder ist ans Limit gegangen“, sagte Skripnik. „Jeder hat gesehen, dass die Mannschaft lebt.“ Zurzeit reicht dieses Leben aber nur zu einem 2:2 gegen Darmstadt. Das ist das Problem. „Es wird bis zum 34. Spieltag mit fünf, sechs Mannschaften eine Krimi-Situation geben“, prophezeite Skripnik. Ob er dann noch Trainer ist? Am Sonnabend jedenfalls konnte er sagten: „Wir als Trainerteam spüren die Unterstützung vom Verein.“

Sein Darmstädter Kollege Dirk Schuster lobte zum Abschied: „Das macht richtig Spaß, euch zuzuschauen.“ Es war der freundlichste Satz an diesem Tag.

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