Die Jungs aus der zweiten Reihe Werder hat eine Stammelf gefunden

Bremen. Wenn Werder jetzt am Sonntag (17.30 Uhr) im Weserstadion den VfB empfängt, wird sich eine Stammelf gebildet haben. Zum Leidwesen der Ersatzspieler.
22.09.2012, 05:00
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Werder hat eine Stammelf gefunden
Von Marc Hagedorn

Bremen. Als Werder im April beim VfB Stuttgart spielte, standen Lukas Schmitz und Aleksandar Ignjovski in der Startelf, Niclas Füllkrug wurde beim 1:4 eingewechselt. Philipp Bargfrede fehlte seinerzeit nur deshalb, weil er verletzt war.Wenn Werder jetzt am Sonntag (17.30 Uhr) im Weserstadion den VfB empfängt, ist Bargfrede gesund. Schmitz, Füllkrug und Ignjovski sind dann zwar auch im Kader, ihre Einsatzchancen fallen diesmal aber längst nicht so groß aus wie noch im April.

Philipp Bargfrede hat in dieser Woche keine einzige Trainingseinheit versäumt. Er hat gut gearbeitet, sagt sein Trainer. Joseph Akpala war auch jeden Tag am Ball, und in den täglichen Trainingsspielen hat er ein paar Mal ins Tor getroffen.

Bargfrede und Akpala, aber auch Assani Lukimya, Niclas Füllkrug, Lukas Schmitz und Aleksandar Ignjovski eint in diesen Tagen eines: Sie können sich im Training noch so sehr anstrengen, ihre Chance auf einen Platz in der ersten Elf ist überschaubar, weil diejenigen, die in den vergangenen Wochen in der Regel die Startformation gebildet haben, gut als Einheit funktionieren.

Die drei zentralen Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic (defensiv), Aaron Hunt und Kevin De Bruyne (offensiv) verstehen sich immer besser. Auf den Flügeln sind Marko Arnautovic (rechts) und Eljero Elia (links) eine permanente Gefahr für die gegnerischen Verteidiger.

Im Sturmzentrum hat jedes Mal Nils Petersen gespielt, wenn er gesund war. Ausschließlich gesundheitliche Gründe hatten auch die Umstellungen in der Abwehr: An der Viererkette Clemens Fritz, Sebastian Prödl, Sokratis und Theodor Gebre Selassie gibt es für Thomas Schaaf im Moment kein Vorbeikommen.

Das kann frustrierend sein für diejenigen, die deshalb auf der Bank sitzen müssen und zugucken. Genervte Spieler hat der Werder-Trainer indes noch nicht geortet, er spricht stattdessen von einer "guten Konkurrenz", die alle Spieler auf ein höheres Niveau bringe. "Und das ist der Zustand, den wir wollen", sagt Schaaf. Konkurrenzkampf also, den der Kader im Vorjahr – auch aufgrund von Verletzungen – zu selten hergab.

Miesepeter im Werder-Kader sind in der Tat noch nicht auffällig geworden. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Spielern, deren Anspruch es ist, eigentlich eine wichtige Rolle zu spielen. Joseph Akpala zum Beispiel, erst spät im Sommer für immerhin 1,5 Millionen Euro vom FC Brügge verpflichtet, ist bisher über die Rolle des Kurzarbeiters nicht hinausgekommen.

"Er wusste, dass es nach seiner Verpflichtung nicht automatisch heißen würde: Jetzt ist Akpala da, jetzt wird alles anders", sagt Werder-Boss Klaus Allofs. Knapp 30 Minuten Spielzeit, verteilt auf zwei Einwechselungen, weist die Statistik für Bundesliga-Neuling Akpala aus. "Natürlich sitzt niemand gerne auf der Bank", sagt der 26-jährige Nationalspieler aus Nigeria, "aber ich werde nicht drängeln, sondern auf meine Chance warten."

Nichts anderes als zu warten, bleibt auch Niclas Füllkrug übrig. Nach einer starken Vorbereitung, in der er ein Tor nach dem anderen geschossen hatte, ist der 19-jährige Junioren-Nationalspieler im Moment nur dritte Kraft im Sturm. "Es gibt aber keine Anzeichen, dass er sich hängen lässt", hat Allofs festgestellt, der in dieser Woche Trainingsgast war.

Trotzdem ist dies keine leichte Situation für den Nachwuchsmann, der in der Rückrunde der vergangenen Saison noch zu den Hoffnungsträgern gehörte, die Werder ein neues Gesicht geben sollten. Gemeinsam mit Florian Hartherz und Tom Trybull hatte es Füllkrug, ein Bundesligator, vor ein paar Monaten erst auf das Titelbild des Werder-Magazins gebracht. Immerhin ist er näher an der ersten Mannschaft als seine beiden Mitstreiter. Trybull und Hartherz warfen Verletzungen in der Vorbereitung zurück.

Lukas Schmitz und Aleksandar Ignjovski hatten in den Vorwochen wenigstens ihren Platz im 18er Kader gefunden, an Mannschaftskapitän Clemens Fritz als Linksverteidiger kamen die beiden, obwohl gelernte Linksverteidiger, aber nicht vorbei. In dieser Zeit blockierte Junuzovic den Platz im defensiven Mittelfeld für Bargfrede. Junuzovic, soeben von Werder-Legende Andreas Herzog als "perfekter Sechser für Werder" geadelt, sorgt dafür, dass Bargfrede, der in 65 seiner 76 Bundesligaspiele in der Startelf gestanden hatte, morgen wahrscheinlich höchstens als Einwechselspieler zum Zuge kommen wird.

"Sie alle sind volle Mitglieder der Mannschaft", sagt Schaaf, "wie schnell sich die Situation ändern kann, haben wir doch gerade vergangenes Wochenende erst erlebt." Quasi über Nacht waren da Junuzovic und Sebastian Prödl ausgefallen, Bargfrede und Lukimya hatten sich überraschend in der Startelf wiedergefunden. Schaaf sagt: "Das ist doch der beste Beweis dafür, dass wir jeden Spieler brauchen werden in dieser Saison."

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