Wer wird Werders Nummer 1?

Ein Torwart wird gehen

Hertha soll Interesse an Jiri Pavlenka haben, Freiburg an Stefanos Kapino. Bei Werder wird es Veränderungen auf der Position der Torhüter geben. Nur welche das sind, steht noch nicht fest.
22.07.2020, 13:17
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Ein Torwart wird gehen
Von Christoph Sonnenberg

Auch Ersatzspieler können wichtig sein, selbst wenn sie nicht zum Einsatz kommen. Als es auf der Zielgerade der Saison darum ging, ob Bremen weiter Teil der deutschen Fußballelite bleibt oder künftig nur noch zweitklassig ist, saß Stefanos Kapino während der Spiele als Ersatztorwart auf der Bank. Und doch hatte er seine Einsätze, in der Kabine, wo er die Mitspieler durch seine mitreißenden Ansprachen vor einigen Spielen motivieren sollte. Florian Kohfeldt hatte Kapino bestimmt um die richtigen Worte zu finden, den richtigen Ton zu treffen. Nicht jedem wird sich diese Wahl erschließen.

Jeder, der jemals Sport in einem Kollektiv betrieben hat, weiß, wie sich Hierarchien in einer Mannschaft bilden. Nicht wer die größte Klappe gibt den Ton an, sondern der, der die beste Leistung zeigt. Akzeptanz erfährt, wer liefert, wenn geliefert werden muss. Dass Kohfeldt seine Nummer zwei zum Einpeitscher gemacht hat, sagt also einiges über die Akzeptanz Kapions in der Mannschaft.

„Kapi weiß, was zu tun ist. Und ich weiß, was er kann“, sagte Kohfeldt, als er Kapino im März beim Spiel gegen Hertha BSC ins Tor stellen musste. Ein Satz, der vom Vertrauen des Trainers zeugt. Jiri Pavlenka war damals verletzt, ein Muskelfaserriss machte seinen Einsatz in Berlin unmöglich. Es könnte sein, dass Berlin nun wieder eine Rolle spielt in der Torwartfrage bei Werder.

Bisher kein Angebot aus Berlin

Hertha ist auf der Suche nach einem Torhüter. Die aktuelle Nummer eins, Rune Jarstein, wird im September 36 Jahre. In den Fokus geraten ist bei der Suche nach Informationen des WESER-KURIER auch Pavlenka. Frank Baumann hat davon gehört, jedoch „nichts Offizielles„. Die Berliner hätten offenbar mehrere Torhüter im Blick, „da wurden die letzten Tage einige Namen gespielt“, sagt Bremens Sportchef. Baumann stellt aber fest: „Mehr als ein Gerücht ist es nicht.„ Ein Angebot für Pavlenka aus Berlin liegt ihm jedenfalls nicht vor, auch von keinem anderen Klub. Zunächst hatte „Bild“ vom Interesse der Hertha berichtet.

Ob es am Ende einen Wechsel Pavlenkas zu Hertha geben wird oder nicht, wird sich vermutlich nicht in den nächsten Wochen klären. Der Transfermarkt wird erst langsam an Fahrt gewinnen. Der sich abzeichnende Wechsel von Freiburgs Torwart Alexander Schwolow zu Schalke könnte der erste Dominostein sein, der fällt, weitere werden folgen. Freiburg müsste einen Nachfolger finden, auch Hertha sucht. Es könnte Bewegung in den Torhütermarkt kommen, was wiederum Auswirkungen auf die Konstellation im Bremer Tor haben dürfte.

Fest steht, dass nur einer der beiden in Bremen bleibt, entweder Pavlenka oder Kapino. Mit Pavlenka besteht die Absprache, dass er bei einem Angebot, dass sowohl für ihn als auch Werder passt, wechseln darf. Kapino würde dann zur neuen Nummer eins aufsteigen. Bleibt Pavlenka ist besprochen, dass Kapino keine weitere Saison als Bankdrücker in Bremen bleiben muss. Es ist also klar, dass sich auf der Torhüterposition etwas verändert, davon gehen die Verantwortlichen aus – nur was, ist noch unklar.

Kapino ist die günstigere Variante

Da Bremen neben der sportlichen Zukunft auch die finanzielle im Blick haben muss, dürfte der Verkauf Pavlenkas die favorisierte Lösung sein. Talentierte Spieler zu entwickeln, um sie dann mit Gewinn weiter zu verkaufen, gehört seit Jahren zum Bremer Geschäftsprinzip. So war es bei Andreas Herzog, Diego, Mesut Özil und vielen anderen. Pavlenkas Ablöse könnte zur Konsolidierung beitragen, wenn denn ein attraktives Angebot hereinkommt.

Die Preisvorstellungen für einen Wechsel sollen sich zwischen sechs und sieben Millionen Euro bewegen. Laut Transfermarkt.de liegt Pavlenkas Marktwert bei 6,5 Millionen Euro. Im vergangenen Sommer war er noch knapp das Doppelte wert, 12 Millionen Euro. Zum Paket eines Wechsels gehört das Gehalt, dass bei Werder auf knapp zwei Millionen Euro im Jahr geschätzt wird. Zuzüglich der Provision des Beraters und je nach Vertragslaufzeit würde Pavlenka um die 15 Millionen Euro kosten. Viel Geld in Zeiten, in denen sehr viele Klubs in Folge der Corona-Krise wenig Geld zur Verfügung haben.

Die günstigere Variante wäre Kapino, sowohl was die Ablöse betrifft als auch das Gehaltsvolumen. Bei einer knappen Million liegt sein Marktwert, in ähnlicher Größenordnung dürfte das Gehalt liegen. Entsprechend mehr Klubs sind in der Lage, sich Kapino zu leisten. In Freiburg wird sein Name als Nachfolger Schwolows gehandelt, auch verschiedene Zweitligisten sollen interessiert sein.

Neue Nummer zwei soll kommen

Sportlich weiß Werder, was sie an Pavlenka haben. Nach Schwächen in der Hinrunde war er es, der in diesem Jahr konstant gute Leistungen zeigte. Es bleiben jedoch auch Schwächen, die Strafraumbeherrschung gehört dazu und das Spiel mit Ball. Mit 28 sind größere Entwicklungssprünge unwahrscheinlich. Kapino ist 26, kommt in den vergangenen beiden Jahren aber nur auf zwei Einsätze. Von seinem Potenzial sind alle bei Werder überzeugt, nachgewiesen hat er es jedoch noch nicht. Kapino im Tor wäre das größere Risiko, in ihm steckt aber auch mehr Entwicklungspotenzial.

Wer von beiden auch bleibt, sicher ist, dass Werder einen erfahrenen Torwart als neue Nummer zwei holen wird. Jung-Profi Luca Plogmann soll verliehen werden.

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