Weg frei für Strukturreform Hess-Grunewald verabschiedet sich aus der Werder-Geschäftsführung

Hubertus Hess-Grunewald scheidet zum Jahresende aus der Werder-Geschäftsführung aus. Anne-Kathrin Laufmann soll als erste Frau in der Vereinsgeschichte nachrücken.
31.08.2022, 17:50
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus

Seit acht Jahren ist Hubertus Hess-Grunewald inzwischen als Geschäftsführer der ausgegliederten Kapitalgesellschaft des SV Werder Bremen tätig – nun ist offiziell, dass kein weiteres Mitglied mehr hinzukommen wird. Wie der 61-Jährige am Mittwochnachmittag via Vereinsmitteilung verlauten ließ, wird er zum Jahresende aus der Geschäftsführung ausscheiden. Es ist eine Ankündigung, die den Weg freimacht für eine groß angelegte Strukturreform innerhalb des Bundesligisten, über die die Mitglieder im November entscheiden sollen.

„Ich fühle mich dem Verein und der notwendigen Modernisierung der Strukturen verpflichtet“, sagt Hess-Grunewald, um dessen Doppelfunktion es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen gegeben hatte. Als Präsident des SV Werder Bremen e.V. wurde Hess-Grunewald quasi automatisch in die Geschäftsführung der Kapitalgesellschaft entsandt – eine Regelung, die nicht mehr zeitgemäß ist und künftig nicht mehr gelten soll, um damit den Themen „Good Governance“ und „Compliance“ Rechnung zu tragen.

Lesen Sie auch

Bereits im Juni hatte das Werder-Präsidium seinen Mitgliedern offiziell empfohlen, bei der nächsten Versammlung am 20. November einer Satzungsänderung zuzustimmen. Diese beinhaltet, dass der Präsident künftig nicht mehr zeitgleich auch einer der Geschäftsführer in der Kapitalgesellschaft für die ausgegliederten Profiabteilungen sein darf – und auch kein anderes Mitglied des geschäftsführenden Präsidiums. Vielmehr soll der Präsident dem Aufsichtsrat vorsitzen. Ein halbes Jahr lang hatte eine Strukturkommission an der geplanten Satzungsänderung gearbeitet, für die Hess-Grunewald mit seinem Schritt nun ebenfalls wirbt. „Durch die Aufgabe der Doppelfunktion als Geschäftsführer in der Kapitalgesellschaft und als Präsident im e.V. möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass wir mit modernen Governance-Strukturen in die Zukunft gehen können“, betont er, verschweigt in einem Video-Interview mit dem Vereins-TV aber auch nicht, dass ihm der Schritt „enorm schwergefallen“ sei.

Werders Unternehmensstrukturen seien heute aber nun mal „nicht ganz optimal aufgestellt“, sagt Hess-Grunewald – und erklärt: „Wir haben eine Durchmischung von Rollen.“ Einen möglichen Investor, nach dem Werder seit Jahren fahndet, könnte das abschrecken.

Stimmen die Vereinsmitglieder am 20. November für die Satzungsänderung, hat der Präsident des SV Werder Bremen e.V. künftig also einen Platz im Aufsichtsrat sicher. Für das Präsidenten-Amt möchte sich Hess-Grunewald während der Versammlung zur Wiederwahl stellen.

Lesen Sie auch

Klar ist schon jetzt: Die Änderung zieht weitere personelle Konsequenzen nach sich. Offen ist beispielsweise die Frage, wer eigentlich für den Präsidenten im sechsköpfigen Gremium seinen Platz räumt. Infrage kommen dafür nur die vom Verein direkt entsandten Marco Fuchs und Axel Plaat. Die anderen vier Mitglieder Florian Weiß, Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller und Dirk Wintermann sind noch bis 2025 von den Mitgliedern gewählt. Es wird dem Vernehmen nach allerdings über eine vorübergehende Aufstockung des Aufsichtsrats nachgedacht.

Die nominelle Lücke, die Hess-Grunewald zum Jahresende in der Geschäftsführung hinterlässt, soll derweil nicht nur aufgefüllt, sondern das Gremium insgesamt um einen Posten auf vier Geschäftsführer erweitert werden. An die Seite von Klaus Filbry und Frank Baumann rückt bereits ab dem 1. September der Jurist Tarek Brauer, der bisher als Direktor Recht und Personal ein Teil von Werders Geschäftsleitung war. Der (noch zu schaffende) vierte Posten in der Geschäftsführung ist darüber hinaus für Anne-Kathrin Laufmann, Werders bisherige Direktorin CSR, vorgesehen. Zunächst wird sie ab dem 1. September in die Geschäftsleitung aufrücken und mit Prokura ausgestattet. Nach dem Ausscheiden von Hess-Grunewald soll sie ab dem 1. Januar 2023 dann in die Geschäftsführung aufrücken, worüber es grundsätzlich Diskussionen gab.

Lesen Sie auch

Innerhalb der Satzungskommission hatte es zuvor nämlich Bestrebungen gegeben, dass der Verein künftig gar nicht mehr in der Geschäftsführung der Kapitalgesellschaft vertreten sein darf. Hess-Grunewald setzte aber einen Kompromiss durch. So ist vorgesehen, dass das Vereinspräsidium dem Aufsichtsrat künftig eine Person für die Geschäftsführung vorschlagen darf. Als Favoritin dafür hatte schon seit einiger Zeit Laufmann gegolten, da beide Gremien von der Personalie überzeugt sind. Am Dienstagabend wurde Laufmann von Präsidium und Aufsichtsrat – vorbehaltlich des Mitgliedervotums am 20. November – für die Geschäftsführung nominiert. Sie könnte also bald als erste Frau überhaupt in Werders Geschäftsführung einziehen.

Insgesamt, auch das betont Hess-Grunewald, sieht er den Einfluss des Vereins als 100-prozentigem Anteilseigner der Kapitalgesellschaft durch die Satzungsänderung als „signifikant gestärkt“ an, „obwohl wir einen zentralen Punkt, die Personenidentität von Vereinspräsident und Geschäftsführer, eliminiert haben“. Schließlich sei der Verein perspektivisch mit drei Repräsentanten im sechsköpfigen Aufsichtsrat vertreten, stellt dazu dessen Vorsitzenden, der bei Stimmengleichheit über ein doppeltes Stimmrecht verfügt. Zudem bestimme der Verein weiterhin bei der Besetzung der

Geschäftsführer-Posten mit. Hess-Grunewald: „Ohne Zustimmung des Präsidiums kann diese Position weder ausgewählt noch besetzt werden. Das sind ganz wesentliche Aspekte und in der Gesamtschau ist das eine Stärkung der Einflussmöglichkeiten des Vereins.“

++ Dieser Artikel wurde am 31. August um 19:08 Uhr aktualisiert. ++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+