Fanklub „Nordholzer Eichen“

Werder im Kopf, die Gemeinschaft im Herzen

Im Norden, im Süden, im Osten und Westen: Überall in Deutschland gibt es Werder-Fanklubs. Die Mein-Werder-Redaktion stellt einige von ihnen vor. Diesmal: der Fanklub „Nordholzer Eichen“.
03.01.2019, 11:21
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Werder im Kopf, die Gemeinschaft im Herzen
Von Malte Bürger
Werder im Kopf, die Gemeinschaft im Herzen
privat/"Nordholzer Eichen"

Man kennt das ja. Irgendwer hat eine fixe Idee, alle finden sie toll und am Ende passiert…nichts. So hätte es Horst Sesterhenn, Eckhard Linnenkohl, Siegfried Meyer und Ronald Wilksen auch ergehen können. Die vier Werder-Dauerkartenbesitzer waren sich nämlich ziemlich schnell einig, dass man einen Fanklub gründen müsse. Der Unterschied: Der durch alkoholische Substanzen befeuerte Plan wurde mit ein wenig Anlauf tatsächlich in die Tat umgesetzt. Eckhard Linnenkohl war es, der nach einer 2:3-Niederlage gegen Nürnberg im Herbst 2010 quasi im Alleingang Nägel mit Köpfen machte und seine Mitstreiter vor vollendete Tatsachen stellte. Wehren konnten sie sich nicht – wollten sie aber auch gar nicht.

Knapp acht Jahre später ist aus dem Fanklub-Baby eine stattliche Gemeinschaft geworden. In Windeseile. „Wir haben zu viert begonnen und viel in die Wege geleitet“, erinnert sich Ronald Wilksen, der inzwischen als Präsident agiert. „Wir waren durch den Sportverein hier vor Ort ohnehin schon bekannt und haben dann ordentlich die Werbetrommel gerührt. Anscheinend haben viele in der Region auf uns gewartet; da hatte sich eine Lücke aufgetan, in die wir schlüpfen konnten.“ Mittlerweile gibt es 100 Mitglieder. „Wir haben Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und zudem einen riesengroßen Frauenanteil“, sagt Wilksen nicht ohne Stolz.

Klar, dass sich der Alltag da nicht nur um Fußball dreht. Die Geselligkeit soll schließlich nicht zu kurz kommen, gemeinsame Ausflüge sind ebenso fest im Kalender verankert wie größere Feierlichkeiten. Werder bildet bei allem die Grundlage, doch längst ist der Fanklub zu einem wertvollen Treffpunkt für alle Beteiligten geworden. Hier wird Zusammenhalt gelebt, das Miteinander gepflegt.

Lediglich der Name des Fanklubs – „Nordholzer Eichen“ – sorgt mitunter für unangenehme Bemerkungen. „Wir sind schon gefragt worden, ob wir etwas mit der rechten Ecke zu tun haben“, sagt Wilksen, der Vorwürfe dieser Art aber komplett abbügelt. „Damit haben wir überhaupt nichts am Hut, auch bei uns gilt der Werder-Kodex. Fremdenfeindlichkeit und Gewalt haben bei uns keinen Platz.“ Woher kommt er denn dann nun, dieser diskutable Name? „Wir sind zu einer Zeit entstanden, als es Werder nicht so gut ging“, sagt der Klub-Präsident, „da wollten wir etwas Wehrhaftes gegensetzen“. Die sprichwörtlich sturmfeste Eiche kam da gerade recht.

Und an Beständigkeit mangelt es den Fans von der Nordseeküste nun wahrlich nicht. 20 Dauerkarteninhaber machen sich regelmäßig auf den Weg zu den Heimspielen, die meisten ihrer übrigen Kollegen treffen sich im eigens angefertigten Klubraum zum gemeinsamen Fußballschauen. „Wir sind insgesamt sehr umtriebig“, sagt Ronald Wilksen, „wir waren in Lübeck beim Pokalspiel gegen Flensburg dabei, im Sommer fahren wir wieder mit ins Zillertal.“ Die Nordholzer sind dabei echte Wiederholungstäter, der Urlaub in Österreich gefällt nicht nur wegen, aber vor allem dank Werder. „Das ist richtig super, weil man direkt an die Mannschaft herankommt“, sagt der 59-Jährige. „Auch der Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald schnackt dort ja mit jedem und ist enorm offen. Das kann man in dieser Form bei anderen Vereinen sicherlich nicht erwarten.“

Wenn es richtig gut läuft, dann wird in der kommenden Saison – zumindest theoretisch – nicht nur Österreich unsicher gemacht, es bietet sich vielleicht auch die eine oder andere weitere Option in Europa an. Werder muss also nur die Teilnahme am internationalen Geschäft eintüten. Aber was heißt eigentlich „nur“? „Ich glaube noch nicht so recht daran“, meint Ronald Wilksen. „Wenn wir am Ende Zehnter werden und eine ruhige Saison hatten, dann bin ich schon zufrieden.“ Als großen Pessimismus will er diese Einschätzung jedoch nicht verstanden wissen. „Wenn man die finanzkräftigeren Klubs in der Bundesliga sieht, dann haben diese in langfristiger Hinsicht doch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.“

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