Die Taktikanalyse zum Pokalspiel Chaos, Standards und Konter

Pflichtaufgabe erfüllt! Werder schaltet Fürth aus und zieht ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein. Die Gäste zwangen den Bremern ein chaotisches Spiel auf, doch es gab die richtigen Lösungen.
03.02.2021, 14:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Escher

Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft eindringlich gewarnt. Auf dem Papier mag Greuther Fürth ein Zweitligist sein. Als Tabellenvierter sind sie allerdings ein heißer Kandidat auf den Aufstieg – und das ist keineswegs Zufall. Schon so mancher Gegner ließ sich von ihrer Mischung aus druckvollem Pressing und feinem Kombinationsfußball überraschen. Doch Werders Spieler haben die Worte ihres Trainers ernst genommen. Dank viel Kampfgeist und ein bisschen Cleverness wurden sie ihrer Favoritenrolle gerecht.

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Kohfeldt setzte auf die Formation der vergangenen Spiele. Er stellte seine Elf in einem 5-3-2 auf. Ömer Toprak fehlte angeschlagen, Niklas Moisander übernahm seinen Part in der Innenverteidigung. Milot Rashica begann im Sturm an der Seite von Joshua Sargent. Im Mittelfeld agierten Romano Schmid und Maximilian Eggestein vor Sechser Kevin Möhwald.

Aus taktischer Sicht war vor allem die Rolle von Rashica interessant. Der Kosovare agierte nicht durchgehend auf einer Höhe mit Sargent. Wenn die Fürther sich in die Bremer Hälfte vorarbeiteten, ließ sich Rashica auf eine Höhe mit Schmid fallen. Es entstand ein 5-4-1. In Phasen des hohen Pressings agierte er jedoch weit vorgeschoben. Zusammen mit Sargent störte er den Aufbau der Fürther.

Dieses Wechselspiel hatte einen Grund: Werder hatte die Schwachstelle der Fürther auf Rashicas halbrechter Seite ausgemacht. Fürths linke Hälfte der Viererkette sollte permanent unter Druck gesetzt werden. So rückte Rashica vor, um zusammen mit Sargent Fürths linken Innenverteidiger Maximilian Bauer zu attackieren. Der Rechtsfuß tat sich schwer, fand selten einen Abnehmer für seine Pässe im Aufbau. Seine unkontrollierten Pässe fing Werder ab.

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Doch nicht nur die Bremer spielten ein hohes Pressing. Auch Fürth wagte viel Risiko. Trainer Stefan Leitl ging gegen den Erstligisten keine Kompromisse ein. Sein Stil? Aggressiv, offensiv, nach vorne gerichtet. Wie auch in der zweiten Liga begann seine Elf in einer 4-1-3-2-Formation. Die drei vorderen Akteure der Mittelfeldraute agierten enorm offensiv. Immer wieder stießen sie vor, um Bremens Verteidiger unter Druck zu setzen. Gerade Zehner Sebastian Ernst rückte häufig nach vorne, um mit den beiden Stürmern Bremens Dreierkette anzulaufen. Fürth stellte eine Gleichzahl her, weit in der gegnerischen Hälfte.

Mit ihrem hohen Pressing neutralisierten sich beide Teams über weite Strecken der ersten Halbzeit. Atemlos attackierten sich beide Teams, es gab Zweikämpfe an allen Ecken und Enden des Feldes. Schiedsrichter Guido Winkmann musste häufig Gebrauch von seiner Pfeife machen.

Werder hatte einen Vorteil auf der Hand. Während sich die Fürther am kompakten Zentrum der Bremer festbissen, versprühten die Bremer mehr Gefahr nach Kontern. Auch hier visierte Bremen die schwache Seite der Fürther an: Sargent orientierte sich zu Bauer, auch Rashica startete häufig in die Tiefe. Fürths Abstimmung auf dieser Seite passte nicht. Linksverteidiger David Raum löste gleich mehrmals das Abseits auf.

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Die Führung erzielten die Bremer indes nicht nach einem Konter, sondern nach einer Standardsituation. Möhwald traf nach einem Eckball (12.). Mit der Führung im Rücken konnte Werder die eigene Konterstrategie noch effektiver anwenden. Sie überließen dem Zweitligisten die Mehrheit des Ballbesitzes.

In der Halbzeitpause stellte Fürth das taktische System um. Julian Green wechselte auf die Zehner-Position, die Fürther agierten nun aus einem 4-2-3-1-System. Defensiv stabilisierten sie sich dank ihrer neu formierten Doppelsechs. Die doppelte Absicherung vor der Abwehr half, Bremer Konter zu unterbinden.

Dennoch konnte Werder die Partie weiterhin über die starke Defensive kontrollieren. Fürths Außenverteidiger hielten sich zurück, sodass die Fürther zu häufig Angriffe über das Zentrum erzwingen mussten. Hier stand Werder aber bombenfest. Warum Fürths Außenverteidiger derart defensiv agierten, unterstrich das Bremer 2:0: Torschütze war der eingewechselte Linksverteidiger Felix Agu (73.). Fürths Außenverteidiger hatte es verpasst, ihn zu verfolgen. Zuvor hatten die Fürther Außenverteidiger durchgehend defensiv agiert, um das offensive Vorrücken der Bremer Außenverteidiger zu neutralisieren.

Es war der Schlusspunkt einer chaotischen Partie. Fürth biss sich zunächst mit einer Raute und später im 4-2-3-1 am Dreier-Mittelfeld der Bremer fest. Die Bremer hatten sich dank ihrer Stärke nach Standards und Kontern die besseren Chancen erarbeitet. Den Sieg verdankt Werder vor allem der eigenen Defensivstärke. Werder hat den Gegner ernst genommen – und kann damit weiter vom ersten DFB-Pokalsieg seit 2009 träumen.

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