VfL Wolfsburg - Werder Bremen Werder ist zu naiv für die Europa League

Wolfsburg. Gefühlte zehn Mal, so Aaron Hunt etwa, wäre seine Mannschaft nach eigenen Standards in die Konter des Gegners, des VfL Wolfsburg, gelaufen. "Amateurhaft", hat der Werder-Mittelfeldspieler das kopfschüttelnd genannt.
29.04.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Oliver Matiszick

Wolfsburg. Sieben Spiele hatte Werder zuvor nicht mehr gewonnen – die letzten beiden Partien dieser Saison sollten endlich die Wende, sechs Punkte und vielleicht noch die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb bringen. Stattdessen wurde das Spiel am Sonnabend beim VfL Wolfsburg die nächste Enttäuschung. Ein 1:3 setzte die desaströse Bilanz dieser Rückrunde fort.

Als es endlich vorbei war, war viel von gefühlten Werten die Rede. Gefühlte zehn Mal, sagte Werders Mittelfeldspieler Aaron Hunt etwa, wäre seine Mannschaft nach eigenen Standards in die Konter des Gegners, des VfL Wolfsburg, gelaufen. "Amateurhaft", nannte Hunt das kopfschüttelnd. Torwart Tim Wiese, der Mann, auf den eben diese Konter zugelaufen waren, sprach vom "gefühlten 200. Gegentor" seiner sieben Jahre bei Werder nach diesem Muster. Alles in allem fühlte sich das extrem schlecht an. Denn in nackten Zahlen hatte Werder in Wolfsburg 1:3 (1:1) verloren. Es war die dritte Niederlage in Folge – und das Ende der Träume von der Europa League. Selbst wenn weiterhin noch eine rechnerische Minimalchance besteht.

Dass Werder, nunmehr nur noch Tabellen-9., am kommenden Sonnabend durch eine Reihe von verrückten Umständen vielleicht doch noch auf Platz sieben vorrücken könnte – nach gestern Nachmittag mag daran niemand mehr so recht glauben. Denn sie hatten sich "in vielen Situationen einfach zu dumm angestellt", wie Kapitän Clemens Fritz urteilte. Das Spiel war ganze sieben Sekunden alt, als seine These einer ersten Beweisprobe unterzogen wurde. Quasi mit dem Anpfiff leistete sich Lukas Schmitz den ersten Bremer Fehler des Tages, Wolfsburg kam blitzschnell vor Wieses Tor, dessen Reaktion gegen Mario Mandzukic verhinderte den blitzartigen Rückstand. Es wäre der schnellste Treffer dieser Bundesliga-Saison gewesen.

Werder erholte sich vom Schrecken der Anfangsminute besser als erwartet. Nun war es auf der Gegenseite an Diego Benaglio, seine Mannschaft vor dem Tiefschlag eines schnellen Gegentreffers zu bewahren. Claudio Pizarro hätte ihn für Werder erzielen können (6.), Markus Rosenberg ebenfalls (10.). Beide Stürmer schossen, frei vor dem Wolfsburger Torwart, zu schwach – und gaben Benaglio die schöne Gelegenheit, seine Vertragsverlängerung bis 2017, die vor Anpfiff durchgesagt und bejubelt worden war, noch einmal vor den Augen von 30 000 zu rechtfertigen.

Das Spiel rechtfertigte indes keine allerhöchsten Erwartungen, zeigte aber eine Bremer Elf, die einigermaßen im Geschehen drin war. Wenn sie nicht gerade eine eigene Standardsituation ausführte. Denn schon nach 17 Minuten zeigte sich gestern Werders Unvermögen, schnell wieder auf Defensive umzuschalten. Nach einem Bremer Eckball hatte Vieirinha gekontert und Clemens Fritz soeben noch geklärt. Werder musste gewarnt sein.

Der Rückstand ging indes auf einen Standard der Wolfsburger zurück. Nach einem Freistoß von der Mittellinie aus legte Patrick Helmes aus dem Strafraum zurück auf Hasan Salihamidzic – und der schoss unten links zum 1:0 für den VfL ein (39.). Werder reagierte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, indem Zlatko Junuzovic ebenfalls einen langen Freistoß aus dem Mittelfeld vor das Wolfsburger Tor trat. Tom Trybull stieg hoch, legte per Kopf auf Rosenberg quer, der nickte aus kurzer Distanz zum 1:1 ein (45.). Und Werders Spiel kollabierte.

Wieso, weshalb, warum – niemand konnte es sich hinterher erklären. "Es stand 1:1, wir hatten das Spiel halbwegs kontrolliert – da darf man sich nicht so entblößen", ärgerte sich Klubchef Klaus Allofs über den erstaunlichen Weg zum 1:3. Denn nur Sekunden, nachdem Naldo mit einem zu schwach geschossenen Freistoß vor dem Wolfsburger Tor gescheitert war, lag der Ball auch schon im Netz der Bremer. Helmes hatte einen Konter mit dem 2:1 abgeschlossen, ohne sich allzu großer Bedrängnis erwehren zu müssen (67.). Und weil es so schön war, wiederholte der VfL-Angreifer das Ganze noch einmal. Etwas mehr als 20 Minuten später, dieses Mal nach einem Bremer Eckball.

Dass es vor seinem 3:1 (89.) noch eine Reihe weiterer guter Wolfsburger Angriffe, aber keinen der Bremer gegeben hatte – es fügte sich ins Bild einer desaströsen zweiten Halbzeit der Gäste. "Wenn man so naiv agiert", fasste Werder-Trainer Thomas Schaaf zusammen, "darf man sich nicht beschweren." Es beschwerte sich niemand.

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