Ivan Kasnic über den Umgang mit Corona

„Jeder sollte nachdenken, was ein Leben wert ist"

Aufgrund seiner Nierentransplantationen gehört Ivan Kasnic zur Hochrisikogruppe. Im Interview ruft der ehemalige Werder-Stürmer die Menschen dazu auf, in der Corona-Krise unbedingt die Regeln zu befolgen.
23.03.2020, 15:04
Lesedauer: 2 Min
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„Jeder sollte nachdenken, was ein Leben wert ist
Von Christoph Sonnenberg
„Jeder sollte nachdenken, was ein Leben wert ist"
CARMEN JASPERSEN

Herr Klasnic, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?

Ivan Klasnic: Mir geht es gut. Wir haben einen großen Garten, da bin ich derzeit häufig und gerne. Aufgrund der Technologie ist kein Problem, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben und sich dabei sogar zu sehen. Das heißt, meine Eltern haben nur ein Festnetztelefon, da wird dann halt nur telefoniert. Das Wichtigste ist ohnehin, dass es ihnen gut geht. Sie sind aus Kroatien gekommen. Mein Bruder und ich haben für sie eingekauft, damit sie nicht rausgehen müssen.

Sie haben bei Instagram ein Foto samt Text gepostet, in dem Sie sich als zur Hochrisikogruppe zugehörig bezeichnen und dazu aufrufen, dass die Menschen die Regeln beherzigen und Zuhause bleiben sollen. Was hat Sie dazu bewegt?

Die Menschen sollen sehen, dass es kranke Menschen auf der Welt gibt. Und sie sollen sich die Frage stellen, was wäre, wenn sie krank wären. Jeder soll die Regeln achten und befolgen. Spazierengehen ist eine gute Sache, aber bitte nicht in Gruppen. Natürlich ist es schwierig, wenn man in einer kleinen Wohnung ohne Garten lebt, das verstehe ich. Aber die Technologie ist so weit, dass soziale Kontakte problemlos zu halten sind. Per Videoanruf oder Skype kann man sich dabei sogar sehen.

Beobachten Sie in Ihrer Heimat Hamburg, dass sich viele Menschen nicht an die Regeln halten?

Ja, das ist so. Viele Menschen unterschätzen das Virus noch immer. Und das ist nicht gut. Die Menschen sollten Zuhause bleiben, Ruhe bewahren und die Zeit genießen. Es kursieren ja schon Witze, dass im Dezember sehr viele Babys kommen. Das wäre doch schön.

Haben Sie einen Tipp gegen Lagerkoller?

Haare schneiden, das habe ich gestern bei mir auch gemacht. Schön kurz!

Wie waren die Rückmeldungen auf Ihren Post?

Viele Freunde und Bekannte haben sich Sorgen gemacht, weil sie dachten, das Foto ist neu und steht im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Sie haben mir gute Besserung gewünscht, weil sie den Text nicht gelesen haben. Das Foto ist aus dem Jahr 2017. Ich habe sie beruhigt, alles ist in Ordnung. Und ihnen gesagt, dass sie einen Augenblick innehalten und nachdenken sollen, was für ein privilegiertes Leben wir führen. Und was ein Leben wert ist.

Wie meinen Sie das?

Es ist wie beim Thema Organspende. Ein Mensch kann mit seinen Organen mehreren Menschen das Leben retten. In Bezug auf Corona muss ich als Patient - auch wenn es mir sehr gut geht und ich die Möglichkeit habe, Medikamente zu nehmen - höllisch aufpassen. Das müssen viele andere Patienten auch.

Was könnte Ihnen passieren, wenn Sie sich mit dem Corona-Virus infizieren?

Das kann ich ganz genau nicht sagen. Ich nehme Immunsuppressiva, was die Funktion des Immunsystems mindert. Ich sollte deshalb generell vermeiden, krank zu werden. Als ich zu Mainz gewechselt bin, habe ich mir eine Fischvergiftung zugezogen. Da lag ich fünf Tage flach und das war nicht schön.

Sie selbst gehören, wie Sie sagen, zur Hochrisikogruppe. Inwiefern verändert die Gefahr einer Infektion derzeit Ihr Leben?

Ich bleibe Zuhause und halte mich an die Regeln. Ich kann nicht ganz so, wie ich gerne würde. Aber das ist jetzt eben so und absolut in Ordnung. Wie gesagt, ich bin häufig im Garten. Einkaufen gehe ich nicht, das macht meine Frau. Wenn ich das tun müsste, würde ich einen Mundschutz tragen.

Das Gespräch führte Christoph Sonnenberg.

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