Mbom und die Gelbe Gefahr

Im Eiltempo auf dem Weg zur ersten Sperre

Binnen kürzester Zeit hat Jean-Manuel Mbom viermal die Gelbe Karte gesehen. Es droht früh eine Sperre, die Verantwortlichen bei Werder denken dennoch nicht daran, die Spielweise des 20-Jährigen zu kritisieren.
12.11.2020, 12:02
Lesedauer: 3 Min
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Im Eiltempo auf dem Weg zur ersten Sperre
Von Malte Bürger
Im Eiltempo auf dem Weg zur ersten Sperre

Jean-Manuel Mbom hat sich in kürzester Zeit einen Platz in Werders Mittelfeld gesichert - allerdings auch schon vier Gelbe Karten gesehen.

nordphoto

Die Saison 2019/2020 bog mitten in der Corona-Pandemie auf die Zielgerade ein, als es plötzlich ligaweit eine ganz spannende Frage gab. Und dabei ging es ausnahmsweise mal nicht um den tobenden Abstiegskampf und Werders Überlebenschancen. Auch auf die Meisterschaft wurde im Frühjahr nicht derart gebannt geblickt. Nein, es drehte sich seinerzeit viel um Klaus Gjasula. Wöchentlich wurde landauf, landab gerätselt, ob der damalige Verteidiger des SC Paderborn einen jahrealten Rekord knacken würde – nämlich den der meisten Gelben Karten innerhalb einer Spielzeit. Und tatsächlich, am 31. Spieltag wurde er zum 17. Mal verwarnt und hatte Tomasz Hajto als bisherigen Spitzenreiter des unrühmlichen Rankings abgelöst. Was das alles mit Werder zu tun hat? Noch nicht viel. Die Gelbe-Karten-Spielerei beginnt aber wieder aufs Neue, und Jean-Manuel Mbom hat nach nur sieben Spieltagen bereits viermal ein farbiges Signal des Schiedsrichters erhalten. Der wird doch wohl nicht etwa...?

„Klaus Gjasula muss sich da sicherlich keine Sorgen um seinen Rekord machen, das wird Manu nicht schaffen“, beruhigte Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, augenzwinkernd den erstplatzierten Defensivakteur, der inzwischen beim Bremer Nordrivalen Hamburger SV unter Vertrag steht. Und weil Fritz an diesem Tag besonders gut gelaunt war, schob er noch scherzhaft hinterher: „Das stelle ich jetzt mal so verfrüht für die nächsten zwölf Jahre in den Raum.“

Fritz von Leistungsexplosion überrascht

Nun wohnt bekanntlich jedem Witz auch immer eine gewisse Ernsthaftigkeit inne. Folglich kann auch der amüsante Umgang mit der Bestmarke nicht verdecken, dass die bisherigen vier Gelben Karten von Jean-Manuel Mbom durchaus ein bemerkenswertes Zeichen sind. Zum einen zeigen sie, dass sich der 20-Jährige in seiner allerersten Bundesliga-Saison nicht davor scheut, auch mal den körperbetonten Problemlöser zu geben. Andererseits beweist diese Statistik, dass Mbom sich vielleicht nicht immer richtig zu helfen weiß, wenn er unter Druck gerät. „In der einen oder anderen Situation fehlt es da sicherlich an Erfahrung, aber er ist wirklich auf einem sehr guten Weg“, verteidigt Clemens Fritz das Eigengewächs. „Das ist Mentalität.“

Und auf dieses zusätzliche Feuer wollen sie bei Werder am liebsten gar nicht mehr verzichten. „Man muss schon sagen, dass Manu von seiner Athletik und seiner Physis lebt. Das ist ein Element, das uns unheimlich guttut in unserem Spiel“, sagt Fritz. „Er ist jemand, der auch mal ein Zeichen setzt und dazwischenhaut.“ Auch dank Mbom ist es in dieser Spielzeit jedenfalls bislang kein Thema, ob die Bremer Mannschaft möglicherweise zu brav ist. Nicht schlecht für einen Debütanten. „Mit dieser Entwicklung hätte wohl wirklich keiner sofort gerechnet. Wir wussten, dass er ein großes Potenzial hat, aber bislang können wir wirklich sehr zufrieden sein“, sagt Fritz. „Und er wird ganz sicher noch ein Gefühl dafür entwickeln, wann es nötig ist hinzugehen und in welchen Situationen man einfach auch mal wegbleiben muss.“

Kein warnender Finger

Clemens Fritz setzt also auf den Lerneffekt – und findet es in diesem Zusammenhang überhaupt nicht schlimm, dass Jean-Manuel Mbom noch lernen muss. „Ja, muss er“, gibt der 39-Jährige unumwunden zu. „Und nicht nur er. Das müssen wir alle. Wenn man aufhört zu lernen, kehrt automatisch ein Stillstand ein. Also muss auch Manu lernen – und das wird er auch definitiv. Je mehr Spiele er macht, desto mehr Erfahrungen wird er sammeln.“ Genau deshalb wird es auch keine Kritik seitens der Bremer Verantwortlichen an einer vermeintlich unpassenden Spielweise geben. „Das Entscheidende ist, dass es keine Foulspiele waren, die überhart waren“, sagt Fritz. „Mitunter waren es ja auch Situationen, in denen es nötig war, dass er so hingegangen ist wie er es gemacht hat. Solange es fair zugeht, gibt es für uns keinen Grund, da warnend den Finger zu heben.“

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