Werder-Kolumne Die Causa Markus Anfang wird in den Köpfen bleiben

Werder hat bewegte Jahre hinter sich, doch all das reicht offenbar noch nicht: Wegen Causa Anfang brennt der Osterdeich. Kolumnist Rollo Fuhrmann ist genervt.
25.11.2021, 16:27
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Rollo Fuhrmann

Hallo hallo! Was war es doch mal beschaulich am Osterdeich: ein Hort der Ruhe und Gelassenheit. Leichtere Aufreger gab es nur, wenn das Trainerkarussell sich drehte. Vor Otto Rehhagel, vor Thomas Schaaf und auch nach ihnen. Okay, es gab zuletzt durchaus mal etwas wütendere Ausbrüche bei den Fans und im Werder-Umfeld, auch Intrigen und Attacken von hinten. So richtig revolutionär aber waren sie nie – eben norddeutsche Contenance. Selbst der Abstieg brachte die Verantwortlichen beim SV Werder kaum aus der Ruhe. Jetzt aber brennt der Osterdeich – und das hat fast gar nichts mit Fußball zu tun.

Na klar, nach den erfolgreichen Jahren national wie auch international rutschte Werder langsam aber sicher in die Grauzone der Bundesliga ab und dann sogar heraus – da gab es dann schon ein etwas größeres Gemurre und Gemeckere. Aber so schlecht ist Werder ja gar nicht in die 2. Liga gestartet. Noch immer ist die Option da, direkt wieder ins Oberhaus zu marschieren, auch wenn mir da manchmal der Glaube fehlt. So weit, so gut. Viele Experten meinten, dass Werder natürlich das Zeug zum Aufstieg habe, so auch Torsten Frings noch vor zwei Wochen, der in seiner Kolumne schrieb: „Markus Anfang wird auch mit dieser Mannschaft Erfolg haben“. Der Weg, das wussten alle, wird kein leichter sein. Und jetzt ist er schon wieder zu Ende.

Dabei haben die Fans doch schon mehr als genug zu verdauen. Reicht es nicht, dass das Team nur selten spielerisch überzeugte, dass die Abwehr bisweilen desolat agierte und dass sich die Stürmer schwer tun, das Tor zu treffen? Reicht es nicht, dass es laut Geschäftsführer Klaus Filbry die Existenz bedrohen könnte, falls es wieder Geisterspiele geben sollte? Nein, das alles reicht nicht! Es brauchte noch das i-Tüpfelchen: Ausgerechnet am Spieltag gegen Schalke gab es einen fürchterlichen Knall. Markus Anfang am Ende schon nach wenigen Monaten.

Lesen Sie auch

Auch wenn bei uns zum Glück bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt, so rieben sich doch nicht nur Bremer die Augen. Ehrlich gesagt, ich war entsetzt und maßlos enttäuscht, als ich den Grund des Rücktritts erfuhr. Erst recht, als die Deichstube die Indizien veröffentlichte, die wohl für die Demission ursächlich waren.

Und nicht nur ich fragte mich, wieso tritt jemand zurück, der steif und fest behauptete, dass an den Vorwürfen, einen gefälschten Impfausweis zu besitzen, gar nichts dran sei. Da geriet folglich auch das Spiel gegen Schalke in den Hintergrund. Zunächst jedenfalls. Genau genommen bis zur 99. Minute, als Niclas Füllkrug das 1:1 per Elfmeter sicherte. Ein Strafstoß, der niemals hätte gegeben werden dürfen und zurecht die Schalker und auch mich erboste. Schlimm, aber auch bald vergessen.

Die Causa Markus Anfang dagegen wird in den Köpfen bleiben. Unfassbar ist, was Stück für Stück ans Licht kommt: Karneval am 11.11. in Köln gefeiert ohne Maske, da 2G plus im Maritim angesagt war. Das Impfen im Impfzentrum Köln, welches nicht stattgefunden haben kann. Sollten sich die Vorwürfe am Ende als wahr herausstellen, ist nicht nur Anfangs Karriere nahezu am Ende, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Profifußballs schwer beschädigt. Das Prädikat „geimpft“ übrigens auch. Wem soll wer eigentlich noch glauben?

Ich jedenfalls bin geimpft, aber auch ziemlich genervt. Für mich geht es da nicht mehr um Meinung oder Haltung. Es geht möglicherweise um fahrlässige Gefährdung anderer, Betrug und Urkundenfälschung. Es brennt am Osterdeich! Das Feuer löschen wird so schnell auch ein neuer Trainer nicht, sofern er überhaupt bis zum ersten Advent am Sonntag gefunden ist.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+