Chong wird ausgeliehen, fehlt aber bei Abflug

Werder bekommt seinen Wunschspieler

Die offizielle Bestätigung steht noch aus, doch nach WESER-KURIER-Informationen ist alles klar. Werder leiht Tahith Chong von Manchester United aus. Beim Abflug ins Zillertal fehlte der Niederländer aber noch.
14.08.2020, 20:37
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Werder bekommt seinen Wunschspieler
Von Malte Bürger
Werder bekommt seinen Wunschspieler

Tahith Chong wird für ein Jahr von Manchester United ausgeliehen.

dpa

So schnell kann es gehen. Noch vor wenigen Tagen hatte Frank Baumann die Wahrscheinlichkeit auf einen Transfer im Vorfeld des Trainingslagers auf schnell dahingesagte „37,84 Prozent“ beziffert. Werders Sportchef wollte damit scherzhaft verdeutlichen, wie schwierig eine derartige Prognose zu treffen sei. In den vergangenen Tagen ist der spontan genannte Wert trotzdem deutlich gestiegen. Und seit Freitag ist nach WESER-KURIER-Informationen klar: Nun liegt er bei 100 Prozent – weil die einjährige Leihe von Tahith Chong perfekt ist.

Es war eine ganz schöne Tüftelei. Wie so häufig ging es natürlich auch dieses Mal ums liebe Geld. Chongs Klub Manchester United hatte sich eigentlich erhofft, dass die Bremer das komplette Gehalt des Niederländers in den kommenden Monaten zahlen würden, doch bei einer kolportierten Summe von über 2,5 Millionen Euro stieß das am Osterdeich nicht gerade auf Gegenliebe. Und so wurde verhandelt und verhandelt. Bis feststand: Der Premier-League-Klub übernimmt auch weiterhin den Großteil des Lohns. Ein Erfolg für Werder, das obendrein für die bald beginnende Saison einen Spieler erhält, der die Fantasie beflügelt.

Nur ein Jahr statt zwei

Allerdings eben auch nur für eine Saison. Wäre es nach den Bremern gegangen, hätten sie Chong für zwei Jahre ausgeliehen, doch in dieser Hinsicht waren es die Engländer, die das letzte Wort hatten. Und sie entschieden sich für die kürzere Variante – wenngleich schon die Vergangenheit gezeigt hat, dass Leihen auch später gern noch mal verlängert werden. Ob es so kommt, dürfte elementar damit zusammenhängen, wie sich der U21-Nationalspieler in der Bundesliga schlägt. Erst im vergangenen März verlängerte Chong, dessen Marktwert laut der Internetseite transfermarkt.de bei 6,3 Millionen Euro liegt, seinen Kontrakt in Manchester bis zum Jahr 2022 mit der Option auf ein weiteres Jahr. Ein Zeichen, das der britische Traditionsverein auf den 20-Jährigen mit der auffälligen Frisur setzt – aufgrund der großen Konkurrenz in der Offensive mangelt es allerdings an der nötigen Spielpraxis. Die soll er sich jetzt in Deutschland holen.

Damit das so schnell wie möglich klappt, ist es nicht ganz so unwichtig, dass sich das Leihgeschäft nicht noch weiter nach hinten verzögerte. Manchester ist schließlich noch immer beim Final-Turnier der Europa League dabei – und auch wenn Tahith Chong bei Manchester United in der Regel auf der Bank sitzt, hätte es nicht verwundert, wenn zur Sicherheit erst nach einem möglichen Aus oder dem Titelgewinn eine endgültige Entscheidung über die sportliche Zukunft des Spielers gefallen wäre. Doch es kam anders.

Chong und Baumann reisen nach

Werder spielt der jetzige Zeitpunkt der Verpflichtung komplett in die Karten. Noch am Freitag verließ Chong nach WESER-KURIER-Informationen das Trainingscamp seines bisherigen Vereins, absolvierte einige Zeit später bei Werder den obligatorischen Medizincheck. Als die Mannschaft dann am Abend vom Bremer Flughafen in Richtung Alpen abflog, war Chong jedoch noch nicht mit an Bord. Ebenso wie Sportchef Frank Baumann, der eigentlich hätte dabei sein sollen. Beide werden dem Tross mit leichter Verspätung hinterherreisen. Auch deshalb steht die offizielle Bestätigung des Vereins bisher noch aus.

Trotzdem: Florian Kohfeldt kann so nun schon im Zillertal-Trainingslager mit dem schnellen Außenstürmer arbeiten, ihn ganz gemächlich auf die Spielweise seiner Mannschaft vorbereiten. Tahith Chong passt dabei voll ins das Beuteschema des Chefcoaches. Bereits vor einigen Tagen lobte Kohfeldt die Tatsache, dass der bei Feyenoord Rotterdam ausgebildete Youngster „über Geschwindigkeit verfügt, über ein gutes Dribbling.“ Spieler mit derartigen Qualitäten seien sehr beliebt im internationalen Fußball, hatte er noch angefügt – umso bemerkenswerter, dass sich ausgerechnet Werder jetzt einen Spieler dieser Kategorie sichern konnte.

Für Rashica-Abgang vorgesorgt

In der Theorie klingt alles also nach einem hervorragenden Geschäft für die Grün-Weißen, nun müssen die Ideen aus dem Kopf auf den Platz übertragen werden. Und dafür ist Florian Kohfeldt da. Um Fitnessrückstände muss er sich bei Tahith Chong keinerlei Gedanken machen, es kann in den Übungseinheiten sofort in die Detailarbeit gehen. Knapp vier Wochen bleiben bis zum ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal, eine weitere Woche später folgt der Auftakt in der Bundesliga gegen Hertha BSC. Im Fußball ist das in der Vorbereitung eine kleine Ewigkeit.

Es half den Bremern ungemein, dass es ein langfristiges Projekt war, an dem sie bastelten. Werder verfolgt den Weg von Tahith Chong nicht erst seit Kurzem, klopfte deshalb früh genug auf der Insel an. Zuletzt konkretisierte sich der Wechsel rapide, weil Chong selbst ebenso wie seine Berater Bremen für die richtige Adresse zur Weiterentwicklung hielten. Auch United-Trainer Ole Gunnar Solskjaer hatte keine Einwände und die Freigabe bereits erteilt.

Durch die Leihe hat Werder für alle Eventualitäten vorgesorgt. Sollte Milot Rashica den Klub in den kommenden Wochen verlassen, stünde ein potenzieller Ersatz also schon bereit. Tahith Chong ist auf beiden Außenbahnen einsetzbar, wenngleich die rechte Seite seine bevorzugte ist. Im Zillertal wird das Duo nun erst einmal gemeinsam trainieren, Rashica kann sich also hautnah anschauen, wer da möglicherweise bald sein Nachfolger wird. Bei Werder haben sie jedenfalls die Hoffnung, dass sich Tahith Chong ähnlich gut entwickelt wie es einst der kosovarische Nationalspieler getan hat. Und Manchester United hätte sicherlich auch nichts dagegen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+