Leipzigs Kampl im Interview „Werder wird nichts mit dem Abstieg zu tun haben“

Kevin Kampl hält viel vom SV Werder Bremen und dessen Trainer Ole Werner, der für einen „modernen Fußball“ stehe. „Werder wird nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, betont der Leipziger im Interview.
11.11.2022, 20:44
Lesedauer: 5 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Als am Montag bei der Auslosung der Champions-League-Achtelfinals Manchester City als Gegner für Leipzig gezogen worden war, kommentierte ein User auf Twitter trocken: „Das Aus“. Was entgegnen Sie diesem Pessimisten, Kevin Kampl?

Wir alle wissen, dass es ein extrem schweres Los ist. Diese Mannschaft gehört momentan zu den zwei, drei besten auf der Welt. Ein Kader mit einer unglaublichen Qualität. Doch ich sehe diese Partie auch als eine Chance für uns. Die wenigsten trauen uns zu, etwas gegen City zu holen. Aber an guten Tagen können wir jeden Gegner schlagen. Das sollte uns Mut geben für die zwei Duelle, auf die wir mit Vorfreude blicken.

Der Europacup geht erst im neuen Jahr weiter. In der Bundesliga steht am Samstag das letzte Spiel vor der WM-Pause an. Wie bewerten Sie die Aufgabe auswärts gegen Werder?

Wir freuen uns auf diese Partie. Nach dem Sieg gegen Freiburg bietet sich uns die Chance, unseren momentanen Lauf fortzusetzen. Mit einem Sieg möchten wir mit einem guten Gefühl in die Pause gehen. Derzeit sind wir gut im Flow, alle sind gut drauf.

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Auf fremden Plätzen hat RB erst sechs Punkte geholt. Nach anfänglicher Heimschwäche hat Bremen zuletzt zweimal zu Hause gewonnen.

Werder ist eine sehr intensive Mannschaft, extrem bissig, vor allem im Spiel gegen den Ball. Sie besitzen eine gute Mischung und einige Spieler, die spielerische Lösungen zu finden imstande sind. Doch wir müssen uns nicht so sehr auf den Gegner konzentrieren, sondern fokussieren uns auf unsere Stärken und unser Spiel. Mit unserer Art, Fußball zu spielen, können wir den Bremern das Leben sehr schwer machen. Zudem glaube ich, dass der Sieg in Hoffenheim uns bewiesen hat, was wir auswärts leisten können. An Bremen habe ich nur gute Erinnerungen. Wir haben dort häufig gute Leistungen abrufen können.

Wird Werder im Laufe der Saison noch in den Abstiegskampf verwickelt?

Meiner Meinung nach wird Werder in dieser Spielzeit nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Dann andersrum gefragt: Werder hat sich aktuell oben festgesetzt. Hat die Mannschaft das Zeug dazu, bis zum Ende um einen internationalen Tabellenplatz zu kämpfen?

Es ist noch zu früh, um das zu beurteilen. Wichtig für Werder war, einen guten Start hinzulegen. Diese Aufgabe ist für einen Aufsteiger nicht immer leicht zu meistern. Werder hat es geschafft – auch dank eines guten Trainers, der eine optimale Spielphilosophie entwickelt hat. Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaft es schafft, es weiter so durchzuziehen wie bisher. Ich bin überzeugt davon, dass sie am Ende auf einem recht ansprechenden Tabellenplatz einlaufen werden.

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Ein Spieler, der 2018 gewissermaßen einer Ihrer Nachfolger bei Bayer Leverkusen geworden ist, lässt nun wieder aufhorchen. Was halten Sie von Mitchell Weiser?

Ich kenne ihn nicht persönlich, weil ich schon aus Leverkusen weg war, als er gekommen ist. Er ist ein guter Rechtsverteidiger mit viel Zug nach vorn, sehr wendig, gut im Eins-gegen-eins, und er schlägt gute Flanken. Der Wechsel von Leverkusen nach Bremen hat ihm gutgetan, weil er dort viel Spielpraxis bekommt. Man merkt, dass er sich in Bremen pudelwohl fühlt.

Welcher Akteur imponiert Ihnen noch beim kommenden Gegner?

Natürlich das Duo Ducksch und Füllkrug, die beiden machen es vorn schon recht gut. Sie harmonieren bestens, legen sich gegenseitig Tore auf und treffen beide sehr sicher. Diese Stürmer haben maßgeblichen Anteil daran, dass Werder so gut dasteht. Daher müssen diese beiden Spieler hervorgehoben werden.

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Ihr Mannschaftskollege Christopher Nkunku trifft am laufenden Band, der Bremer Niclas Füllkrug ebenfalls. Wer ist der bessere Stürmer?

Natürlich hat Christopher Fähigkeiten, die nicht viele Spieler auf der Welt besitzen. Er bringt alles mit, was man braucht, um ein ganz Großer zu werden. Abschluss mit links und rechts, extrem schnell und wendig, gutes Dribbling, dazu körperlich stark und ein guter Freistoßschütze. Er ist ein kompletter Stürmer, der sich noch steigern kann. Ich hoffe, dass er noch lange bei uns spielt. Doch auch Füllkrug ist ein hervorragender Stürmer, der eine gute Saison spielt. Seine Berufung in den WM-Kader von Hansi Flick hat mich nicht sonderlich überrascht.

Sie haben einst unter Roger Schmidt trainiert, der zu Zeiten von Thomas Schaaf mal bei Werder hospitiert hat. Schmidt entstammt der Red-Bull-Schule ebenso wie ihr aktueller Coach Marco Rose. Was zeichnet die beiden Fußballlehrer aus?

Sie haben eine ähnliche Idee im Kopf, wie Fußball gespielt werden soll. Die Grundlage dafür ist die Arbeit in Salzburg, wo alles mit diesem Spielstil angefangen hat. Stichworte sind da Gegenpressing und frühe Balleroberung. Ich kenne Roger Schmidt schon recht lange und bin weiter mit ihm in Kontakt. Wir verstehen uns gut. Er war der Trainer, bei dem ich aufgeblüht bin. Die aktuelle Zusammenarbeit mit Marco Rose erinnert mich nun ständig daran und gestaltet sich bestens. Viele unserer jetzigen Spieler kennen den RB-Fußball. Es ist halt unser Gen, unsere Identität. Daher passt es so gut. Wir benötigten keine lange Anlaufzeit in der Kooperation mit Marco Rose. 

Werder-Trainer Ole Werner kennen Sie nicht persönlich, sondern nur aus der Ferne. Wie nehmen Sie ihn war?

Er ist ein Trainer, der einen modernen Fußball spielen lassen möchte. Aktiv gegen den Ball, dann auch mutig bei eigenem Ballbesitz. Meinem Eindruck nach passt er gut zum Verein und zur Mannschaft. Ich habe das Gefühl, dass er noch hungrig ist und sich selbst hohe Ziele steckt. Ich bin gespannt, wie sein Weg weitergeht und glaube, dass sich Ole Werner in der Bundesliga auf Dauer etablieren kann. 

Mit Max Eberl kommt demnächst ein renommierter Manager nach Leipzig. Freuen Sie sich auf ihn?

Zunächst einmal freue ich mich, dass es ihm gesundheitlich wieder gut geht und er wieder Bock auf Fußball hat. Max Eberl passt sehr gut nach Leipzig. Er wird für alle hier, für die Spieler und die anderen Mitarbeiter, eine große Bereicherung sein, weil er auch menschlich ein super Typ ist.

Slowenien hat die WM verpasst. Sie sind 2018 nach nur 28 Länderspielen im Alter von gerade einmal 28 Jahren aus der Nationalelf zurückgetreten. Was waren die Beweggründe?

Ich habe lange in der Nationalelf gespielt, dann wurden binnen zwölf Monaten meine beiden Kinder geboren. Zudem bekam ich Probleme mit dem Sprunggelenk. So habe ich entscheiden, mich voll und ganz auf den Verein zu konzentrieren. Die Länderspielpausen machen Sinn für mich, einerseits um meinen Körper zu pflegen und andererseits, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Es reichte, ein Jahrzehnt lang diese Dreifachbelastung zu haben. Eine ganze Anzahl Gründe also. Daher habe ich diesen Schritt gemacht.

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Werden Sie sich viele WM-Partien anschauen?

Ich weiß es noch nicht. Was ich weiß: Ich werde vorher nichts planen. Wahrscheinlich werde ich nicht jede Partie gucken, weil ich auch etwas mit meiner Familie unternehmen werde. Ich halte es auch für richtig, mal Abstand vom Fußball zu bekommen.

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