Minus noch größer als befürchtet Werder macht 9,8 Millionen Euro Verlust

Das nächste dicke Minus für Werder: Mit -9,8 Millionen Euro bleibt die Werder Bremen GmbH & Co. KG aA für das letzte Geschäftsjahr nur knapp unter einem zweistelligen Millionenverlust.
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Werder macht 9,8 Millionen Euro Verlust
Von Thorsten Waterkamp

Das dritte Millionen-Minus in Folge setzt Werder wirtschaftlich unter Zugzwang. Denn die Rücklagen von einst fast 40 Millionen Euro sind fast aufgebraucht. 9,8 Millionen Euro verlor Werder allein im Geschäftsjahr 2013/14 – mehr als erwartet.

Sieben Millionen Euro Verlust im günstigsten Fall, neun Millionen Euro im ungünstigsten Fall. So hatten in den vergangenen Monaten die Schätzungen zu Werders neuem Minus ausgesehen. Doch als Werder-Chef Klaus Filbry gestern Abend während der Mitgliederversammlung die tatsächlichen Zahlen nannte, dürfte zahlreichen der gut 400 Zuhörer der Schreck in die Glieder gefahren sein. Denn die schlimmsten Erwartungen sind noch einmal übertroffen worden.

Mit 9,8 Millionen Euro, die als Minus dick und rot in der Bilanz 2013/14 stehen, blieb die Werder GmbH nur hauchdünn unter einem zweistelligen Millionenverlust. Ein Trost ist das nicht – zumal die Summe der Verluste aus den vergangenen drei Geschäftsjahren eine Größe erreicht hat, die regelrecht schockiert: Binnen 36 Monaten haben sich bei Werder 31,6 Millionen Euro in Luft ausgelöst – 13,9 Millionen Euro in 2011/12, 7,9 Millionen Euro in 2012/13 und nun eben 9,8 Millionen Euro.

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Die Ursache für die aktuelle bittere Pille sieht Filbry in Abschreibungen für vergangene Transfers. Insgesamt 11,5 Millionen Euro mache das im Geschäftsabschluss 2012/13 aus, erklärte der Werder-Chef, und verwies namentlich auf die Ex-Profis Arnautovic, Sokratis und Avdic. Beispielhaft sei der Fall des Griechen Sokratis, der aus seinem Vierjahresvertrag bei Werder im Sommer 2013 nach nur einem Jahr an Borussia Dortmund verkauft wurde. Die rund 4,5 Millionen Euro Ablöse, die Werder zuvor für den Verteidiger bezahlt hatte, wäre auf vier Jahre verteilt in die Bilanz eingeflossen – durch den frühzeitigen Weiterverkauf jedoch mussten die Kosten nun mit einem Schlag abgeschrieben werden.

Die Eigenkapitalquote sinkt weiter

Das neuerliche Minus deckt Werder erneut mit (noch) vorhandenem Eigenkapital. Doch im Sparstrumpf herrscht Schwindsucht: Einst mit fast 39 Millionen Euro satt gefüllt, bleiben Werder nun nur noch 6,7 Millionen Euro. Vor zwei Jahren hatte Filbry in diesem Zusammenhang noch von einer „sehr guten Eigenkapitalquote“ gesprochen, sie lag laut Konzernabschluss für 2011/12 bei 49 Prozent der Bilanzsumme. Gestern war ihm die Eigenkapitalquote nur noch das Adjektiv „positiv“ wert – sie ist auf 19 Prozent gesunken.

In der verbliebenen Eigenkapitalausstattung versteckt sich das eigentliche Bremer Drama, das weiß auch Filbry. Ein neuerliches Minus in dieser Größenordnung „ist etwas, das wir nicht fortsetzen dürfen“. Genau davor war schon im Konzernabschluss 2012/13 gewarnt worden: „Mit dem noch vorhandenen Eigenkapital wird es nicht mehr möglich sein, dauerhaft größere Fehlbeträge auszugleichen.“ Aber Werder kalkuliert offenbar mit einem weiteren Minus für das laufende Geschäftsjahr 2014/15.

Klaus-Dieter Fischer hat darauf – wenn auch indirekt – unlängst hingewiesen. In einem Interview im Oktober sprach der neue Ehrenpräsident davon, dass „nach dem jetzigen Stand unser Eigenkapital am Ende der Saison aufgebraucht sein“ werde. Handlungsspielraum beispielsweise für Transfers, folgt daraus, gibt es über das Budget hinaus nur bei Verschuldung.

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Positiv immerhin stellte sich die Entwicklung des Umsatzes dar, der zuvor drei Jahre lang nur eine Richtung gekannt hatte: abwärts. Der Spitzenwert aus der Saison 2009/10 (126,4 Millionen) erodierte bis auf 87,9 Millionen Euro in 2012/13 – nun stieg der Umsatz erstmals wieder, wenn auch zaghaft, auf 91,3 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren ausschließlich die Erlöse aus den Medienrechten, die von 26 Millionen auf 30 Millionen Euro wuchsen. Die Einnahmen aus Spielbetrieb (23 Millionen Euro) und Werbung (22 Millionen Euro) blieben gegenüber dem Vorjahr unverändert, die Transfererlöse sanken um eine Million auf zwölf Millionen Euro.

Werder braucht strategische Partner

Der Patient Werder lebt also, seine Vitalfunktionen haben sich bei allem Aderlass sogar leicht verbessert. Filbry nutzte die Gelegenheit, Werders wirtschaftliche Grundkonstitution als weiterhin gut zu beschreiben: „Wir sind nicht arm und nicht reich. Wir sind gesund und liquide.“ Es handelt sich um eine aktuelle Zustandsbeschreibung, aber keinesfalls um eine Prognose.

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Damit Werder auch weiterhin gesund und liquide bleibt, wird es weiterer Einsparungen, vor allem aber verbesserter Erlöse bedürfen. Fischer forderte deshalb in seiner Abschiedsrede die Geschäftsführung auf: „Denkt über einen strategischen Partner oder Investor nach, ohne die Seele von Werder Bremen zu verkaufen.“

Dies wäre ein möglicher Schritt, der dem Bundesligisten neue Handlungsspielräume und eine neue wirtschaftliche Basis versprechen könnte. Denn die zusätzlichen Einnahmen in dieser Saison reichen noch nicht. Immerhin: Werder steht bei den Erlösen aus dem Spielbetrieb durch das Erreichen der dritten Pokalrunde besser da als in den drei Vorjahren. Dazu kommt die Vertragsverlängerung mit Ausrüster Nike aus dem Jahr 2013, deren verbesserte Konditionen jetzt greifen. Und: Die Einmal-Finanzspritze des Vermarkters Infront über acht Millionen Euro, von denen etwa fünf Millionen Euro in Werders Kasse hängenbleiben, verschafft der Geschäftsführung zumindest etwas Luft auf dem Weg zu schwarzen Zahlen. Sie hat ein Jahr mehr Zeit, die Konsolidierung noch zum Erfolg zu führen.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema von Olaf Dorow.

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