FC Schalke 04 - Werder Bremen 2:1

Werder macht zu einfache Fehler

Gelsenkirchen. Die Chance, sich im oberen Mittelfeld der Bundesliga festzusetzen, ist da gewesen – und Werder hat sie verpasst. Beim Tabellenzweiten Schalke 04 hat es am Sonnabend eine unnötige Niederlage gesetzt.
11.11.2012, 05:00
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Werder macht zu einfache Fehler
Von Oliver Matiszick
Werder macht zu einfache Fehler

Enttäuscht: Marko Arnautovic

nordphoto

Gelsenkirchen. Als nach 93 Minuten Schluss war, meldete sich der Schalker Stadionsprecher. "Durchatmen!" forderte er die 61673 Menschen in der Arena auf, und ein Großteil folgte dem gerne.

Im Bremer Fanblock wurde hingegen das getan, was die Spieler in den grün-orangen Trikots in diesem Augenblick vormachten: Man ärgerte sich. Stürmer Nils Petersen stand dort unten auf dem Rasen und schlug die Hände vor das Gesicht, Sebastian Prödl, erst ein paar Minuten zuvor eingewechselt, folgte dem Beispiel ebenso wie Torwart Sebastian Mielitz. Denn Werder hatte diese Partie bei Schalke 04 mit 1:2 (1:0) verloren. Nicht unglücklich, sondern unnötig.

Denn 45 Minuten lang waren die Bremer genauso aufgetreten, wie man beim Tabellenzweiten auftreten muss. Weder waren sie blind ins Verderben gerannt noch hatten sie ihr Heil in der Defensive gesucht und den Gegner gewähren lassen. Die Mannschaft von Thomas Schaaf, sie spielte klug und setzte immer wieder gezielte Nadelstiche.

Werder ging in Führung, weil Aaron Hunt, schon vergangene Woche gegen Mainz mit zwei Treffern erfolgreich, erneut traf (15. Minute). Zlatko Junuzovic hatte den Bremer Kapitän bedient, nachdem die Schalker einen Einwurf in der eigenen Hälfte vertändelt und an Eljero Elia verloren hatten. Werder traf nach Hunts 1:0 noch zwei Mal die Querlatte des Tores von Lars Unnerstall, zunächst Abwehrchef Sokratis per Kopf nach einer Ecke (30.), kurz darauf Kevin De Bruyne direkt per Eckstoß (32.). Werder kontrollierte die Partie.

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Dass sie dennoch verloren ging, lag – mal wieder – an der Unfähigkeit, einfache Fehler zu vermeiden. Sie traten nach einer Stunde Spielzeit vermehrt auf und führten erbarmungslos zu Gegentoren.

Dabei hatte Werder bis dahin eine einzige heikle Situation überstehen müssen, gleich in der ersten Minute. Lewis Holtby, über die rechte Abwehrseite gekommen, war da nicht vom Ball zu trennen und an der Hereingabe zu hindern gewesen. Schalkes Torjäger Jan-Klaas Huntelaar versuchte den Kunstschuss per Hacke, traf aber nur Schlussmann Mielitz. Und das war’s dann erst einmal mit der Gelsenkirchener Herrlichkeit. "60 Minuten haben wir dann nichts zugelassen – aber dann haben wir es nicht zu Ende gebracht", ärgerte sich Schaaf.

In der Szene etwa, die die Wende des Spiels einleitete, hatte es Marko Arnautovic nicht zu Ende gebracht. Der Außenangreifer, der eine starke erste Halbzeit gespielt hatte, ließ sich nahe der Eckfahne auf ein Duell mit Jermaine Jones ein – anstatt den Ball aus der Gefahrenzone zu dreschen. Schiedsrichter Florian Meyer entschied auf Freistoß für Schalke. Nach geschlossener Bremer Meinung eine Fehlentscheidung. "Ich habe ihn nicht berührt", sagte Arnautovic über den Zweikampf. "Einer der Knackpunkte des Spiels", fand Sportchef Klaus Allofs. Denn Fakt war: Christian Fuchs trat eben jenen Freistoß in den Bremer Strafraum, wo Lukas Schmitz seinem Gegenspieler Roman Neustädter nicht folgen konnte. Neustädter köpfte unbedrängt zum 1:1 ein (59.).

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Den zweiten Knackpunkt hatte Allofs darin ausgemacht, dass die Partie zu diesem Zeitpunkt bereits hätte entschieden sein können. Denn noch vor dem 1:1 hatte sich Schiedsrichter Meyer gegenüber De Bruyne recht kleinlich gezeigt. Der Belgier war bei einem Konter auf das Schalker Tor zugelaufen, umkurvte auch noch Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos – und wurde zurückgepfiffen. Der Schalker Hüne war im Laufduell mit dem eher schmächtigen Bremer gestrauchelt. Meyers Urteil lautete auf Stürmerfoul. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Kevin den reinmacht, wenn er allein durchgeht, ist hoch. Und dann ist der Sack zu", sagte Allofs. Das war in der 52. Minute.

Stattdessen eröffnete sich den Schalkern die Perspektive, die zweite Heimniederlage dieser Saison abzuwenden. Denn nach den Fehlern vor dem 1:1 ließen die Bremer noch jene Variante folgen, die mittlerweile sattsam bekannt ist: Nach einem eigenen Eckball brauchte es einen Konter und nur zwei Mann, um den nächsten Tiefschlag einzustecken.

Der eingewechselte Julian Draxler spielte auf Jones, auf den sich die Bremer Abwehr konzentrierte. Nicht aber auf den Rückpass zu Draxler. Sein Flachschuss von links war eine Kopie von Hunts Führungstreffer. 2:1 für Schalke nach 69 Minuten. Zwar hätte Draxler noch auf 3:1 erhöhen können, was Mielitz zu verhindern wusste (83.); zwar hätte Gebre Selassie in der Schlusssekunde noch das 2:2 erzielen können, was wiederum Holtby auf der Linie verhinderte. Doch das blieb alles Theorie.

Tatsache war, dass Werder ein Spiel, das gewonnen werden konnte, noch verloren hatte. Aus eigener Kraft sozusagen. "Es ist zum Verrücktwerden", schloss Sportchef Klaus Allofs. Und das traf es ziemlich gut.

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