Friedls Antwort an die Kritiker

Wie ausgewechselt

Marco Friedl hat zuletzt reichlich Kritik einstecken müssen. Wieder einmal. Beim Sieg gegen Freiburg zeigte der 22-Jährige nun eine ganz starke Leistung und rechtfertigte seine erneute Aufstellung.
23.05.2020, 20:32
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Wie ausgewechselt
Von Malte Bürger

Allein der Pass von Davy Klaassen war schon sehenswert. Das folgende Tor von Leonardo Bittencourt natürlich auch. Doch die Bremer Bank wusste, wem eigentlich der Dank galt. Und Florian Kohfeldt ganz besonders. Der Trainer verließ seine Coachingzone, machte jubelnd ein paar Schritte auf den Rasen und brüllte in Richtung Marco Friedl.

Der junge Österreicher stand zuletzt heftig in der Kritik. Wieder einmal. Und erneut hatte Bayer Leverkusen eine nicht unwichtige Rolle gespielt. Als Werder im Oktober 2018 mit 2:6 gegen die Werkself unterging, hatte Friedl defensiv sein blaues Wunder erlebt, nun agierte er beim 1:4 am vergangenen Montag ähnlich überfordert. Doch der 23-Jährige gab die richtige Antwort. Wie ausgewechselt präsentierte er sich in Freiburg, lieferte fraglos einen seiner besten Auftritte im Bremer Dress ab.

Was also, diese Frage drängte sich nach dem Schlusspfiff auf, hatte sein Trainer angestellt, um eine Verwandlung dieser Güte hinzubekommen? „Mit Marco habe ich gar nichts gemacht“, antwortete Kohfeldt entspannt. „Ehrlich gesagt, habe ich gar nicht mit dem Jungen geredet.“ Der 37-Jährige deutete allerdings an, dass ihm die negative Stimmung gegenüber seinem Spieler nicht sonderlich gefallen hatte. Ja, vor dem 1:2 gegen Leverkusen habe er nicht gut ausgesehen, räumte Kohfeldt ein, aber mit Moussa Diaby sei sein Gegenspieler auch einer der schnelleren Sorte und somit nicht einfach zu verteidigen gewesen. Daher lobte der Bremer Coach lieber mit Blick auf die Freiburg-Partie: „Insgesamt hat er ein sehr ordentliches Spiel gemacht und mein Vertrauen in den Jungen ist da.“

Es dürften Worte sein, die Marco Friedl gefallen. Er selbst sprach später aber lieber über den Erfolg der gesamten Mannschaft. „Uns war bewusst, dass wir eine andere Einstellung und Moral brauchten. Das haben wir heute von Beginn an gezeigt und haben alles reingeworfen“, sagte er. „Es hat noch nicht alles geklappt, aber so müssen wir auch in die nächsten Spiele gehen.“

Auch in Friedls Karriere in Bremen hat noch nicht alles geklappt, es gibt einen klaren Zick-Zack-Kurs. Nach einer Leihe verpflichtete Werder das Abwehrtalent im vergangenen Sommer fest vom FC Bayern München. Der junge Österreicher sollte an der Seite der erfahreneren Verteidiger in Ruhe reifen, doch diese Zeit bekam er nicht. Weil es bei Werder Verletzte hagelte, musste Friedl sofort funktionieren. Das gelang nicht immer, zumal die Mannschaft insgesamt viel zu häufig enttäuschte. Doch wenn im tristen Abstiegskampf etwas benötigt wird, dann ist es Zuverlässigkeit. Werder und Friedl stecken also gemeinsam in der Zwickmühle.

Insofern ist die jetzige Leistung ein neuer Lichtblick. Kurz vor Schluss ging es aber einfach nicht mehr. Der bis dahin ziemlich gute Tag nahm für Marco Friedl ein schmerzhaftes Ende. In der 82. Minute hatte er noch einen weiteren wichtigen Zweikampf gewonnen, danach musste er vom Platz. „Meine Verletzung ist soweit okay, ich hatte schon in der Halbzeit Probleme“, sagte er. „Beim langen Schritt ist es dann hinten reingezogen. Das ist sehr schmerzhaft, ich hoffe und glaube aber, dass es nichts Schlimmes ist.“ Für Friedl wäre das mit Blick auf das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Dienstag nicht die schlechteste Nachricht. Und für Werder auch nicht. Zumindest dann, wenn Marco Friedl es schafft, ein Leistung wie die gegen den SC Freiburg auch konstant zu bringen.

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