Werder-Stürmer zum nächsten Spiel Marvin Ducksch will bei Toren gegen Hannover nicht jubeln

Ob und wie oft Werder gegen Hannover 96 das Runde ins Eckige bekommt, bleibt abzuwarten. Stürmer Marvin Ducksch will auf jeden Fall auf Torjubel verzichten - aus alter Verbundenheit mit seinem Ex-Verein.
14.12.2021, 18:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus

Die Frage war unmissverständlich. Sie lautete: „Herr Ducksch, mit welchem Tabellenplatz wären Sie am Ende der Saison zufrieden?“ Und kaum, dass sie während der Medienrunde am Dienstagmittag zu Ende gestellt war, kam vom Podium auch schon die Antwort des Werder-Stürmers, ebenfalls unmissverständlich: „Eins oder zwei.“ Pause. Mehr hatte Ducksch zu diesem Thema offensichtlich nicht zu sagen, er hatte damit ja auch irgendwie schon alles gesagt, ließ sich auf Nachfrage aber trotzdem noch entlocken: „Ich bin ein Spieler, der immer oben mitspielen will. Mit diesem Ziel bin ich im Sommer nach Bremen gekommen.“ Und mit diesem Ziel wird er am Wochenende erstmals nach Hannover zurückkehren. Zu seinem Ex-Verein, bei dem er bis heute viele Freunde hat – und gegen den er bei einem Treffer auf den Torjubel verzichten wird: „Das ist für mich ganz klar.“

Den duckschen „Harlekin“ – die Daumen beider Hände zum Kopf geführt, die anderen Finger abgespreizt und dazu die Zunge rausgestreckt – wird die HDI-Arena also definitiv nicht zu Gesicht bekommen. Aus Respekt. Und alter Verbundenheit. „Ich habe in Hannover persönlich zwei sehr schöne Jahre gehabt, auch wenn es sportlich nicht so lief, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagte Ducksch, der mit 96 nie ernsthaft um die Plätze „eins oder zwei“ hatte mitspielen können und auch deshalb im Sommer den Schritt nach Bremen unbedingt gehen wollte.

Aktuell, und das ist gar nicht in Ducksch’ Sinne, belegt er mit Werder Rang neun. Die nur drei Zähler Rückstand auf Relegationsrang drei lassen ihn aber festhalten: „So verkehrt sieht die Tabelle gar nicht aus.“
Gelingt unter Neu-Trainer Ole Werner am Sonntag der dritte Sieg in Serie – sie könnte danach sogar ziemlich in Ordnung aussehen. Und natürlich weiß Ducksch, dass dabei viel auf ihn und seinen Sturmpartner Niclas Füllkrug, noch so ein Ex-Hannoveraner, der sogar gebürtig aus der Stadt stammt, ankommen wird. Seit einigen Wochen befinden sich beide Angreifer in bestechender Form. „Es funktioniert mit uns. Er tut mir vorne richtig gut“, betonte Ducksch, von dessen bisher sieben Saisontreffern für Werder drei von Füllkrug vorbereitet wurden. Insgesamt hat Ducksch bisher acht Mal getroffen. Dass er sein erstes Tor im Juli noch für Hannover und gegen Werder erzielte – es passt ganz gut in diese spezielle Dreiecksbeziehung zwischen Verein, Spieler und Verein. Nun also gegen 96 und damit auch gegen Linton Maina, den Werder im Sommer ebenfalls gerne verpflichtet hätte, der dem Club allerdings trotz vorheriger Zusage doch noch einen Korb gab. „Er ist ein guter Freund von mir“, sagte Ducksch über den 22-jährigen Flügelstürmer, der zuletzt zwei Mal in Folge getroffen hat – und ihm in Hannover einmal mächtig aus der Patsche half.

Vor gut einem Jahr wurde Ducksch’ weißer Mercedes-Geländewagen des nachts vor seiner Haustür gestohlen und vom Dieb zu Schrott gefahren. Etwa 200 000 Euro Sachschaden sollen während der illegalen Spritztour entstanden sein. Maina lieh Ducksch daraufhin seinen BMW, mit dem der heutige Werder-Stürmer damals eine zeitlang beim Training in Hannover vorfuhr. Dass es sportlich für den Kumpel zuletzt ebenfalls gut lief, freut Ducksch sehr: „Er ist für mich einer der besten Offensivspieler in der 2. Liga. Es wird nicht einfach, ihn zu stoppen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir das hinbekommen werden.“ Schließlich sei die Qualität des Werder-Kaders nicht nur im Angriff, sondern auch in den anderen Mannschaftsteilen „sehr hoch“. Wie gesagt: „eins oder zwei.“ Das traut Ducksch seiner Mannschaft absolut zu.

Als sich das Gespräch mit den Journalisten am Dienstag allmählich dem Ende neigte, ging es doch noch um ein Thema, das Ducksch nicht mag, das ihm aber, nun ja, ganz einfach anhaftet: seine mangelnde Chancenverwertung. Ducksch schießt Jahr für Jahr viele Tore, das schon. Allein in seinen vergangenen drei Zweitliga-Saisons waren es 16, 15 und 18 – es hätten aber jeweils deutlich mehr sein können. Gleiches gilt für die laufenden Spielzeit. „Das stimmt schon, aber wenn ich sehe, wie schlecht mir Leonardo Bittencourt manchmal die Bälle auflegt . . .“, scherzte Ducksch, mit freundlichem Gruß an den Mitspieler, der sich während der Medienrunde klammheimlich in den Raum geschlichen hatte. Ducksch’ ehrliche Feststellung „Ich hätte definitiv schon mehr Tore machen können“ quittierte Bittencourt später mit einem lauten Jubelschrei aus dem Off. Zwei Spiele, zwei Siege, da kehren eben Lockerheit und Selbstvertrauen zurück. „Aber Spaß beiseite“, sagte Ducksch dann noch: „Ich bin kein Robert Lewandowski, der aus drei Chancen drei Tore macht. Ich brauche leider mehr, und ich weiß nicht warum. Ich arbeite jedes Jahr daran, aber es wird einfach nicht besser.“ Kann ja noch kommen, vielleicht schon am Sonntag, auch wenn der „Harlekin“ dann in der Kiste bleibt.

In einer schwierigen Zeit, in der Ducksch überlegt hatte, mit dem Fußball aufzuhören („Ich war in einem ganz, ganz tiefen Loch“), munterte ihn ein Freund aus Dortmund einst mit der Harlekin-Geste auf. „Er hat mich damit mal wieder richtig zum Lachen gebracht. Deshalb ist der Jubel ein Zeichen an ihn“, berichtete der Stürmer, der bei Werder inzwischen wieder sehr regelmäßig lacht. Nach Toren. Nach Siegen. Oder wenn ein gewisser Leonardo Bittencourt unangemeldet in seine Medientermine platzt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+