Baumann hat das Interesse hinterlegt

Werder möchte Kohfeldt lange binden

Das wäre ein Coup, der Werder deutschlandweit Beachtung einbringen würde: Der Verein arbeitet an einer erneuten Vertragsverlängerung mit Florian Kohfeldt. Sportchef Frank Baumann hat das Interesse hinterlegt.
24.06.2019, 08:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg
Werder möchte Kohfeldt lange binden
 nordphoto

Die wichtigste Vertrags-Unterschrift für Werder in diesem Sommer erfolgte nicht am heimischen Osterdeich, sondern knapp 250 Kilometer entfernt am Rheinlanddamm in Dortmund. Die Geschäftsstelle des börsennotierten Branchenriesen Borussia Dortmund nimmt dort die Hausnummern 207 bis 209 in Anspruch. Aus dieser imposanten Zentrale verbreitete sich vor einer Woche die Nachricht, dass der BVB den Arbeitsvertrag mit Trainer Lucien Favre vorzeitig bis zum 30. Juni 2021 verlängerte. Die frohe Botschaft war im Kern für die eigenen Fans bestimmt. Sie verschönerte aber auch in Bremen einigen Werderanern den Tag. Vor allem Leitende Angestellte des Vereins schnauften kurz durch.

Dazu muss man wissen: Es ist fast so etwas wie echte Liebe entbrannt zwischen der BVB-­Führung und dem Shootingstar unter den Bundesligatrainern, Bremens Florian Kohfeldt. Zumindest von Dortmunder Seite. Man schätzt und kennt sich inzwischen. Die Verbindung ist deshalb so eng, weil der erst 36 Jahre alte Kohfeldt ein Klient des einflussreichen Beraters Marc Kosicke ist, der seit Jahren die Karriere und die Verträge von Jürgen Klopp mitgestaltet, der in Dortmund Legenden-Status genießt. Vor allem von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke heißt es, er sei mehr als angetan von Kohfeldt und sehe in ihm eine Art neuen Klopp, weil er mit attraktivem Fußball ebenso begeistern könne wie mit authentischen Auftritten vor Spielern und Medien. Früher oder später wolle er Kohfeldt deshalb an seinen Verein binden. Dieses „Früher“ ist durch Favres Unterschrift gestrichen.

Kohfeldt gab das Signal

Dem so ehrgeizigen wie anständigen Kohfeldt, der öffentlich nie über das Dortmunder Werben sprach, passt die Vertragsverlängerung von Favre ganz gut. „Ich habe momentan keinerlei Ambitionen, aus Bremen wegzugehen“, sagte er nach Saisonende, „ich fühle mich sehr, sehr wohl.“ Werders Cheftrainer sprach von einem Gefühl, das er habe, wonach er mit dieser Mannschaft und dem Verein erst am Anfang einer Entwicklung stehe. Und dann sagte Kohfeldt diesen einen Satz, der im Jubel um den schönen Werder-Fußball und die Vertragsverlängerung von Claudio Pizarro etwas unterging: „Das kann dann auch bedeuten, dass wir, wenn der Verein es will, meinen Vertrag noch mal verlängern.“

Eigentlich ein Elfmeter, den Werder nur noch verwandeln muss. Eine Vertragsverlängerung mit Kohfeldt würde bundesweit noch mehr Ansehen und einen noch größeren Imagegewinn einbringen, als das Halten der Brüder Eggestein. Weil Kohfeldt als heißeste Aktie auf dem Trainermarkt gilt. Und sich in der millionenschweren Branche kaum jemand vorstellen kann, dass ein wirtschaftlich bescheiden aufgestellter Verein wie Werder es ohne Europapokal schaffen kann, diesem Trainer eine adäquate Perspektive zu bieten.

Werder hält alle Trümpfe in der Hand

Doch Werders Sportchef Frank Baumann war ein großer Fußballer. Ein solcher lässt keinen Elfmeter ungenutzt liegen. Vergangenes Jahr verlängerte er schon einmal den Vertrag mit seinem Trainer, den er im Herbst 2017 in Abstiegsnot mit größter Überzeugung in die Bundesliga befördert hatte. Diese erste Vertragsverlängerung war eine Randnotiz – und doch wichtig, wie sich in den Monaten danach zeigte. Heute sagt Baumann: „Ich habe es schon oft betont: Wir sind sehr froh, dass Florian Kohfeldt unser Trainer ist und er 2018 seinen Vertrag um drei Jahre verlängert hat. Und wir sind sehr glücklich, dass er sich zuletzt aus voller Überzeugung zu den zwei Jahren bekannt hat, die dieser Vertrag noch läuft.“ Bis 2021 nämlich. Dass merkten auch die Vereine, die zuletzt auf Kohfeldt schielten.

Dank der Vertragsverlängerung aus dem Jahr 2018 hält Werder nun bei Kohfeldt alle Trümpfe in der Hand. Ein wertvoller Nebeneffekt. In der Hauptsache ging es Baumann aber schon damals darum, mit diesem Trainer eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten. „Werder Bremen war, vielleicht sogar mehr als jeder andere Verein, grundsätzlich immer dann erfolgreich, wenn der Klub lange mit einem Cheftrainer zusammengearbeitet hat“, betont Baumann eine Woche vor dem Trainingsstart der neuen Saison, „auch mit Florian Kohfeldt wollen wir gerne lange zusammenarbeiten.“

Baumann arbeitet an der Lösung

Während die Fans auf Neuzugänge warten, arbeitet Baumann im Hintergrund an der Schlüsselpersonalie Kohfeldt. Werders Aufsichtsrats-Chef Marco Bode ist auf Linie mit Baumann und erklärte zuletzt: „Florian Kohfeldt hat eine Menge zu der Entwicklung der vergangenen beiden Jahre beigetragen – und wahrscheinlich ist er die wichtigste Figur dabei.“ Volle Rückendeckung also für eine erneute Vertragsverlängerung. Baumann bestätigte am Wochenende dem WESER-KURIER: „Es stimmt, dass wir bei Florian und seinem Berater Marc Kosicke hinterlegt haben, dass wir uns eine Zusammenarbeit über 2021 hinaus vorstellen können. Aber wir haben in dieser Frage keinen Zeitdruck, denn die beiden Vertragsjahre bis 2021 haben einen Wert. Da bin ich ganz entspannt.“

Es wäre ein Werder-Coup. Viele Prominente haben Kohfeldt zuletzt im Gespräch mit unserer Redaktion gelobt. Ralf Rangnick hält ihn „für eines der ganz großen Trainertalente“, das Vereine „wie Bayern oder Dortmund“ trainieren könne. Für Reiner Calmund ist Kohfeldt „mit seiner Art ein Mann für höhere Aufgaben“. Und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sieht Werders Entwicklung „sehr positiv – insbesondere seitdem sie mit Florian Kohfeldt einen neuen Trainer haben, der offensichtlich sehr gut zu diesem Klub passt“.

Kohfeldt: „Das ist mein Verein“

Kohfeldt sagte vor seinem Sommerurlaub: „Das hier ist mein Verein. Selbst wenn ich irgendwann einmal einen anderen Verein trainiere, wird das nie anders sein.“ Das klingt nach: echter Liebe, was auch der Claim des BVB ist. Auf die Frage, was man gegen Abwerbungsversuche der reichen Konkurrenz machen könne, meinte Bode zuletzt: „Wir können Verträge machen.“ Er lachte dabei. Geht es nach ihm und Baumann, soll wegen Kohfeldts Zukunft nur der Konkurrenz das Lachen vergehen.

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