Emotionaler Ausbruch bei der Auswechslung

Möhwald: Comeback mit Nebengeräuschen

Im ersten Spiel ohne Davy Klaassen experimentierte Werder im Mittelfeld herum. Überzeugen konnte dabei der lange verletzte Kevin Möhwald, der etwa 30 Minuten durchhielt. Trainer Kohfeldt lobte und schützte ihn.
17.10.2020, 20:11
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Möhwald: Comeback mit Nebengeräuschen
Von Jean-Julien Beer
Möhwald: Comeback mit Nebengeräuschen

Selbstbewusster Auftritt in Freiburg: Kevin Möhwald kam erstmals in dieser Saison und erstmals seit seinem langwierigen Knieschaden wieder in der Bundesliga zum Einsatz.

nordphoto

Kurz vor Ende des Spiels wurde es emotional am Spielfeldrand, als Florian Kohfeldt in der 87. Minute den erst zur Halbzeit eingewechselten Kevin Möhwald wieder vom Feld nahm. Auf den ersten Blick sah es so aus, als wäre der Spieler damit nicht einverstanden – auch wenn er eigentlich Grund zur Freude gehabt hätte an diesem Nachmittag in Freiburg, schließlich kam er erstmals in dieser Saison nach seinem schweren Knieschaden zum Einsatz. Ein paar deutliche Worte flogen zwischen Werders Trainer und dem Spieler nach der Auswechslung hin und her, Möhwald ist eben kein stiller Geist.

Kohfeldt relativierte den entstandenen Eindruck noch am Abend in Freiburg. Dieser emotionale Ausbruch sei keine große Geschichte gewesen, meinte der Trainer, vielmehr sei schon vor dem Spiel klar gewesen, dass Möhwald bei seinem Comeback „maximal 30 bis 35 Minuten“ würde spielen können. Nach einer ersten Halbzeit, in der Werder gerade im Mittelfeld gehörig unter Druck geraten war, sah Kohfeldt den richtigen Moment für Möhwald bereits mit dem Seitenwechsel gekommen: „Da habe ich ihm gesagt: Jetzt brauchen wir dich, in diesem Moment. Aber wahrscheinlich gehst du nach 30 bis 35 Minuten wieder runter. Es war alles so besprochen.“

Möhwalds Emotionalität nach der Auswechslung hatte nach Kohfeldts Auskunft deshalb nichts damit zu tun, dass der Spieler – wenn auch völlig ausgepumpt – vorzeitig wieder vom Feld musste. „Wir haben am Spielfeldrand kurz über eine andere Sache gesprochen“, so berichtete es Werders Trainer und präzisierte: „Kevin ist halt ein Wettkampfspieler, der wollte natürlich unbedingt gewinnen. Es ging nicht um seine Auswechslung, es ging um eine andere Sache im Spiel. Um was genau, das werde ich aber für mich behalten.“

Möhwald bringt alles für die Klaassen-Nachfolge mit

Die Personalie Möhwald ist für Werder deshalb so wichtig, weil er mit diesem Comeback genau zur richtigen Zeit zurück ist: Im ersten Spiel ohne den an Ajax Amsterdam verkauften Mittelfeldkämpfer Davy Klaassen brauchte Kohfeldt in Freiburg gleich drei Spieler, um den Niederländer zu ersetzen. Zunächst versuchte sich Nick Woltemade, der diesmal jedoch wieder mit dem Ball noch gegen den Ball für sich werben konnte, sondern oft überfordert wirkte. Für Woltemade kam Möhwald, der dem Bremer Mittelfeld deutlich mehr Stabilität und durch einen zur Ecke entschärften 30-Meter-Kracher sogar Torgefahr bescherte, so lange die Beine ihn trugen. Und schließlich musste noch Christian Groß ran, der für Möhwald ins Spiel kam und half, das 1:1 über die Zeit zu retten.

Im Vorfeld hatte Kohfeldt bereits um Geduld geworben, nach mehr als einjähriger Verletzungspause könne man Möhwald nicht die Last aufbürden, möglichst schnell Klaassen zu ersetzen. Doch wenigstens bringt er alles dafür mit: Er tritt auch mal einen Gegenspieler um und beschwert sich lautstark beim Schiedsrichter, wenn der das auch noch pfeift, er sucht selbst den Torabschluss und er klärt wenn nötig per Fallrückzieher im eigenen Strafraum – all das war in Freiburg von Möhwald zu sehen.

Kohfeldt wünscht sich ein Umdenken

„Seine Leistung nach der Einwechslung habe ich 30 bis 35 Minuten sehr gut gesehen, wo er genau das auf den Platz gebracht hat, was wir wollten“, lobte Kohfeldt, „ich glaube, dann hat man gesehen, wie die Kräfte bei ihm schwanden. Da hatte er ein, zwei Ballverluste in der Vorwärtsbewegung und kam beim Verschieben nicht mehr so richtig hin. Aufgrund des Drucks von Freiburg mussten wir in dem Moment noch mal etwas verändern und haben Christian Groß gebracht.“

Werders Trainer nahm das zum Anlass, grundsätzlich für ein Umdenken bei der Bewertung solcher Auswechslungen zu werben: „Wir müssen uns da auch ein wenig von einem ganz konventionellen Denkmuster lösen. Wir haben nun fünf Auswechslungen zu Verfügung, das ist viel. Dann müssen wir uns auch trauen, sie zu nutzen und einen Spieler auch dann zu bringen, wenn ich ihn direkt nach der Halbzeitpause brauche und ihn dann halt später wieder auswechseln muss.“

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