Zurückgeblättert: 3. Januar 1969

„Werder muß auf Lippens achten“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
04.01.2019, 08:56
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Von mw
„Werder muß auf Lippens achten“
Archiv WESER-KURIER

Der WESER-KURIER schrieb am 3. Januar 1969:

Rot-Weiß Essen vertraut im Pokalspiel auf seinen Torjäger und das Publikum

Aus Essen berichtet unser Mitarbeiter Gerd Hahn

Als bei der Auslosung für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals das Los Werder Bremen als Gegner von Rot-Weiß Essen bestimmte, wurden unangenehme Erinnerungen bei dem westdeutschen Regionalligaklub wach: Mit einer 0:1-Heimniederlage gegen die Bremer begann nach einer vielversprechenden Serie die Talfahrt von RWE, die zum bitteren Bundesliga-Abstieg führte. Deshalb freut sich auch nur einer ehrlich auf das Wiedersehen mit Werder: Trainer Kuno Klötzer. „Mit meinem alten Verein, bei dem ich in den ersten Nachkriegsjahren den Höhepunkt meiner sportlichen Karriere feiern konnte, bis eine Meniskusoperation meine aktive Laufbahn beendete, verbinden mich viele schöne Erinnerungen“, versichert der RWE-Trainer, der von Düsseldorf über Wuppertal in die Ruhrmetropole kam.

Klötzer spricht voll Hochachtung von dem Pokalgegner: „Werder ist eine clevere Mannschaft, die sich auf eine starke Abwehr verlassen kann und aus der Defensive das Spiel aufbaut. Da bleibt uns nur eine Außenseiterchance." Klötzer hat zur Zeit aber auch andere Sorgen als die um ein achtbares Resultat gegen Werder Bremen. Denn bei Rot-Weiß waren die Weichen nach dem in der vergangenen Saison verpaßten Bundesliga-Wiederaufstieg auf die erneute Aufstiegsrunden-Teilnahme gestellt. Mit der Halbzeitbilanz in der westdeutschen Regionalliga sind die Essener als Tabellenvierte nicht zufrieden. Und wie so oft, wenn ein Vereinsvorstand mit seinen Erwartungen über das Ziel hinausschießt, ist der Trainer der alleinige Sündenbock.

Kuno Klötzer aber läßt sich nicht nervös machen und vertraut auf eine bessere zweite Hälfte der Punktrunde. Und so war er auch sehr zufrieden, daß das Pokallos ihm einen Bundesligisten als Gegner bescherte. „Werder ist eine echte Profi-Truppe. Da können wir uns auf ein spannendes Spiel freuen. Denn meine Mannschaft hat immer dann angenehm überrascht, wenn sie einen prominenten Gast zum Gegner hatte", versichert er.

Die Essener vertrauen wie die Bremer auf eine starke Abwehr. „An Abwehrspielern habe ich keinen Mangel„, sagt Klötzer, dem bereits bei der Torhüterfrage die Wahl schwerfällt: Bockholt oder Roß. Beide haben Bundesligaerfahrung und sind zur Zeit auch in guter Form. Mit Rausch vom 1. FC Köln ist die Hintermannschaft der Essener in dieser Saison noch stärker geworden, so daß Klötzer sogar auf den blonden Kik, in vergangenen Bundesligazeiten die Hauptstütze von RWE, mit ruhigem Gewissen verzichten kann. Sorgen bereitet nur der Angriff. Denn längst hat sich herausgestellt, daß die „falschen“ Stürmer eingekauft worden sind. Weder Wagner vom TSV Marl-Hüls noch der ehemalige Gelsenkirchener Torjäger Tonk konnten einen Stammplatz erobern.

Immer noch ist Lippens "Staatsfeind Nummer 1" für die Abwehr des Gegners. „Wer soll unsere Tore schießen", hieß es bei Rot-Weiß Essen, als Lippens für vier Spiele gesperrt war. Ohne den trickreichen und kaltschnäuzigen Torschützen blieb der Angriff eine stumpfe Waffe. Gegen Werder ist Lippens nun wieder dabei, und so sind die Bremer gewarnt.

„Wir machen uns keine Illusionen und sind schon zufrieden, daß wir die Pokal-Hauptrunde erreicht haben", sagen die Essener Spieler, die Werder einen Kampf auf Biegen und Brechen liefern wollen. Und die Zuschauer werden wieder für die lautstarke und stimmungsvolle Kulisse sorgen, die zur Bundesligazeit von allen Gastvereinen gefürchtet war.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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