Werder Bremen heute in Augsburg Werder muss die eigene Angst besiegen

Bremen. Nach zwei Niederlagen im Rücken und zwei Auswärtspartien vor der Brust klingt bei Werder Bremen verhaltener Wankelmut an. Den muss die Mannschaft von Thomas Schaaf bis zum Spiel gegen Augsburg (heute ab 20.30 Uhr im Liveticker) besiegen.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Werder muss die eigene Angst besiegen
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Andreas Rettig hat dieser Tage einen sehr bildhaften Vergleich gefunden für echte Größenverhältnisse. "Wenn wir uns auf die Zehenspitzen stellen", sagte der Geschäftsführer des FC Augsburg, "reichen wir Werder bis ans Kinn." Klein, kleiner, Augsburg? Das passt so gar nicht in die grün-weiße Stimmungslage vor dem Bundesliga-Spiel beim FCA (20.30 Uhr bei uns im Liveticker) - nach zwei Niederlagen im Rücken und zwei Auswärtspartien vor der Brust klingt verhaltener Wankelmut an.

Es kann schnell nach unten gehen in der Tabelle, das war der Tenor unter den Bremer Spielern in dieser Woche. Aaron Hunt orakelte angesichts der Niederlagen in Hannover (1:2) und gegen Dortmund (0:2) gar, dass man sich schnell in Regionen wiederfinden könne wie im vergangenen Jahr. Die Erinnerung an den heißen Herbst 2010 mit seinen Pleiten gegen Hannover, Hamburg, Schalke und Stuttgart scheint immer noch zu frisch. Es geht wider den Trend: Klaus Allofs fordert sechs Punkte aus den beiden Auswärtspartien in Augsburg heute und in Mainz nächste Woche: "Wir brauchen die Punkte - nicht nur die in Augsburg, sondern auch die in Mainz."

Die Voraussetzungen heute sehen gut aus, sie sprechen eher für dem Rettig'schen Zehenspitzen-Vergleich: hier der David aus dem Süden, dort der Goliath aus dem Norden. Im Bremer Kader fehlt - die Langzeitverletzten ausgeklammert - lediglich Rotsünder Marko Arnautovic. Thomas Schaaf hat schon über schwächeres Personalangebot klagen dürfen.

Als jüngster Rückkehrer ins Aufgebot ist gestern auch Tim Wiese mitgeflogen. Drei Spiele war er nach seiner Roten Karte von Nürnberg gesperrt. Werders Nummer eins, daran gibt es keinen Zweifel, wird wieder im Tor stehen. Was Wiese aber in Augsburg erwartet, dürfte alles andere als ein Sturmlauf sein. Sieben Tore hat der Aufsteiger in neun Spielen geschossen und damit neben Kaiserslautern den harmlosesten Sturm der Liga. So könnte Schaafs Wunsch für seinen Tormann durchaus in Erfüllung gehen. "Ich hoffe", sagt Schaaf, "dass er nicht zu viel Arbeit hat und sich möglichst langweilt." Das allerdings hat sich vor einer Woche auch der Mainzer Schlussmann Heinz Müller - ehe er in der 88. Minute den Ball nach einem Elfmeter von Jan-Ingwer Callsen-Bracker aus dem Netz fischte. Es war der einzige Treffer der Partie.

Entschieden wird, mutmaßt Wiese, das heutige erste Bundesliga-Spiel zwischen Augsburg und Werder ohnehin nicht in der Bremer Defensive. "Wenn was draufkommt, versuche ich es zu halten", verspricht der Bremer Torwart, "den Rest müssen die anderen machen." Und das sollten sie, findet Wiese, mit allen erdenklichen Mitteln machen - schießen, was das Zeug hält, fordert er von seinen Vorderleuten. Denn auf der Gegenseite will Simon Jentzsch spielen, mit einem gebrochenen Ringfinger. Keine gute Idee, findet Wiese, der aus eigener Erfahrung spricht. "Ich hab' mal mit einem gebrochenen kleinen Finger gespielt", erinnert er sich. Eine Spritze habe den lädierten Finger betäuben sollen, taub aber sei die ganze Hand gewesen. Was Jentzsch heute Abend versuche, "das ist ein Risiko", so ganz ohne Fingerspitzengefühl. Weshalb die Bremer Offensivkräfte immer wieder versuchen sollen, zum Abschluss zu kommen - nicht nur wegen Jentzsch: "Aufs Tor schießen, das müssen wir ohnehin", findet Wiese. "Das haben wir zuletzt zu wenig gemacht."

Thomas Schaaf ist es sowieso egal, wer im Augsburger Tor steht - ob nun Jentzsch mit einem gebrochenen Finger und FCA-Ersatzmann Mohamed Amsif. Auch Schaaf schaut nach vorn, auf den erfolgreichen Abschluss. "Wichtig ist, dass wir die besseren Möglichkeiten haben, um ein Tor zu erzielen", sagt der Trainer. Damit die Augsburger heute Abend gar nicht erst auf die Idee kommen, sich weiter zu strecken als bis ans Bremer Kinn.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+