Kolumne von Jörg Wontorra Werder muss ins Risiko gehen

Bremen. Jetzt ist es nur noch die pure Angst, die selbst bekennende Werder-Freunde befallen hat. Eine Kolumne von Jörg Wontorra.
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Von Jörg Wontorra

Bremen. Jetzt ist es nur noch die pure Angst, die selbst bekennende Werder-Freunde befallen hat. Denn so ernst war die Lage noch nie seit jenen Tagen im Frühjahr 1999, als der Verein sich unter Felix Magath an den Rand des Absturzes manövriert hatte.Damals gelang die Rettung mit einem Kraftakt, und so etwas Ähnliches wird wieder nötig sein.

Es bestehen allerdings leise Zweifel, ob der aktuelle Kader das leisten kann. Und das ist nicht einmal ein Vorwurf an die Mannschaft: Sie muss nicht verantworten, dass ihr so viel Qualität entzogen wurde. Mertesacker, Naldo, Pizarro, Frings, Wiese, Marin, Sokratis. Sie alle trugen 2011 noch Grün-Weiß, gingen aus den unterschiedlichsten Gründen und wurden nie gleichwertig ersetzt. So einen Aderlass in etwas mehr als zwei Jahren verkraftet kaum ein Team. Und es wäre fatal, diese Management-Fehler allein Klaus Allofs in die Schuhe zu schieben. Schließlich gibt es noch Vorstände und Aufsichtsräte, die die Personalpolitik begleiten und absegnen.

Nun also sollen die Übriggebliebenen es richten. The Best of the Rest. Sie geben sich alle Mühe, aber es fehlt die Substanz, und es fehlt ein Leader. Das fiel zu Saison-beginn noch gar nicht so auf. Erst in der Nachschau wird klar, dass die sechs Punkte nach zwei Spielen nur als Blendwerk taugten. Danach ging‘s ab in die Durchreiche. Und in diesem Zusammenhang bestätigt sich auch, dass die Trennung von Thomas Schaaf richtig war. Zum Schutze von Schaaf übrigens. Man stelle sich vor, Werder hätte unter seinem alten Trainer diese dünnen 16 Punkte geholt. Was wäre da wohl los? Was wäre da Schaaf mit Kritik überschüttet worden! Robin Dutt dagegen genießt noch (ein bisschen) Welpenschutz, er ist nur der Sünden-Verwalter, er hat sie nicht begangen.

Dennoch muss sich auch Dutt an der Hinrunde messen lassen. Der Torwartwechsel? Der Systemwechsel? Es waren seine Ideen. Und er ist in der Öffentlichkeit ein wenig zu leichtfüßig über dieses 0:7 hinweggehüpft, was durchaus für Irritationen sorgte. Wenn aber ein Spieler in einer sehr exponierten Position nicht funktioniert, und wenn eine Strategie nicht greift, dann muss ein Trainer reagieren. Weil ihn ansonsten ganz schnell der Vorwurf ereilt, dass er die Krise nur aussitzt. Dutt wollte handeln, und er musste es mit Bordmitteln tun. Das Prinzip Hoffnung spielte da mit Sicherheit eine Rolle, weil auch Dutt wusste, dass diese Bordmittel sich nicht wirklich für eine Wunderheilung eigneten.

Die Schlussfolgerung daraus: Es hilft nur ein Aufforsten beim Personal. Werder muss in der Winterpause reagieren, Werder muss trotz wirtschaftlicher Engpässe ins Risiko gehen, um den Super-GAU zu vermeiden. Denn ein Abstieg würde die Finanznot noch weiter verschlimmern. Allein die Fernsehgelder würden in Liga zwei um über zehn Millionen schrumpfen, der Verfall der Marke käme dazu.

Was also tun? Ein Innenverteidiger muss her – am liebsten ein gestandener Profi, an dem sich das Team aufrichten kann. So einen findest du in Notsituationen eher schlecht, aber Thomas Eichin ist in diesen Tagen viel unterwegs, um das Unmögliche möglich zu machen. Und wenn er dann noch einen Sechser mitbringt (vom Torwart wage ich ja gar nicht zu träumen), dann würde die Angst vielleicht bald umschlagen in zarte Zuversicht. Die Mannschaft kann dazu auch noch ein Stück beitragen: mit einem couragierten Auftritt gegen Leverkusen.

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