Die Topteams aus Leipzig und Dortmund warten Vier Tage im Dezember

In einer ganz gefährlichen Saisonphase trifft Werder binnen kürzester Zeit auf die Topteams aus Leipzig und Dortmund. Der Außenseiter will mit Erinnerungen an das Bayern-Spiel jedoch erneut überraschen.
09.12.2020, 09:54
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Vier Tage im Dezember
Von Malte Bürger

Wenn ein Spiel gegen den FC Bayern München wirklich sprichwörtlich vergleichbar mit dem jährlichen Zahnarztbesuch sein soll, dann stehen für Werder jetzt die Nachbehandlungen an. Und auch da kann es bekanntlich schmerzhaft zugehen. Innerhalb von nur vier Tagen treffen die Bremer erst auf RB Leipzig (Sonnabend) und dann auf Borussia Dortmund (Dienstag), im schlimmsten Fall stehen sie danach ohne ein weiteres Pünktchen da. Das wurde allerdings auch schon für die vorherige Chefvisite in München prognostiziert, am Ende gelang Werder ein Unentschieden. Nicht irgendwie. Sondern vollauf verdient. Plötzlich sorgte der vermeintliche Patient selbst für Schmerzsymptome beim Gegenüber – aber ob das noch einmal gelingt?

Die Duelle mit den Teams aus der Spitzengruppe kommen zur Unzeit. Seit nunmehr sieben Spielen wurde nicht mehr gewonnen, die beiden vergangenen Partien gingen verloren. Werder steht wieder etwas näher am Abgrund, noch darf mit kleinem Sicherheitsabstand in die Tiefe geschaut werden. Doch die Gefahrenzone kommt näher, möglicherweise ist sie nach genau diesen beiden Spielen wieder allgegenwärtig. Auch deshalb hatte Florian Kohfeldt zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen – er will schlichtweg ebenso wie seine Spieler nicht wieder in die Niederungen der Tabelle abrutschen. Nicht nach dieser Vorgeschichte.

„Wir haben von Anfang an gewusst, dass es eine schwere Saison wird“, sagt Vize-Kapitän Theodor Gebre Selassie, der an Heiligabend 34 Jahre alt wird und nicht schon wieder ein eigentlich erfreuliches Familienereignis mit gedrückter Stimmung wegen tabellarischer Sorgen verbringen möchte. „Wir haben eine Phase gehabt, in der wir gepunktet haben, nun haben wir zwei Spiele ohne Zähler hinter uns. Doch wir müssen weitermachen und auch gegen stärkere Gegner wie Leipzig und Dortmund Punkte holen.“

Der gute Auftritt gegen die Bayern hat zumindest dafür gesorgt, dass diese Worte nicht wie leere Worthülsen klingen. Allerdings haben die beiden jüngsten Niederlagen gegen Wolfsburg und Stuttgart den Gesamteindruck doch erheblich getrübt. Gerade, weil sich die Mannschaft noch zu häufig selbst im Weg steht. Werder wirkt deutlich verbessert gegenüber dem Vorjahr, vor allem in der Abwehr, da es aber noch einige andere Problemchen bei der Arbeit auf dem Platz gibt, ist der Wunsch nach einer gänzlich ruhigen Saison wohl wieder nur ein frommer.

Überrascht Nagelsmann mit Mauertaktik?

Aber vielleicht ist die Ausgangslage auch viel besser als im ersten Moment gedacht. Gegen Leipzig und Dortmund ist es eher unwahrscheinlich, dass Werder den größeren Ballbesitzanteil haben wird. Die Bremer können sich auf andere Dinge konzentrieren, tun sich gegen spielstarke Mannschaften womöglich sogar etwas leichter. Florian Kohfeldt ist diese Rechnung allerdings viel zu einfach. Oder anders formuliert: Er hält nicht allzu viel davon. „Ich würde das nicht so sehen“, sagt er. „Die Mannschaften, gegen die wir jetzt spielen, sind in der Lage alles zu spielen. Julian Nagelsmann traue ich auch zu, dass er sagt, dass sie sich erst einmal hinten reinstellen, uns anlaufen lassen und dann selbst kontern. Da bin ich mir nicht sicher, was passiert.“

Stattdessen soll dieses Mal der Blick in die Vergangenheit etwas helfen – wenngleich Kohfeldt sonst normalerweise kein allzu großer Freund davon ist zurückzuschauen. Doch dieses Mal macht er eine Ausnahme. „Wir müssen uns jetzt an das erinnern, was gerade zwei Wochen her ist. Wir haben auch in München gepunktet“, sagt er. „Es gibt keinerlei Automatismen, dass man gegen einen stärkeren Gegner nicht auch mal einen Punkt holen kann. Und das ist unsere Aufgabe in den nächsten beiden Spielen.“

Schwierige Phasen waren zu erwarten

Ähnlich sieht es Frank Baumann. Auch Werders Sportchef will sich nicht darüber ärgern, dass ausgerechnet jetzt zwei ganz schwierige Aufgaben warten. „Wir nehmen den Spielplan an, wie er ist“, sagt er. „In München haben wir gezeigt, dass wir mit den Topteams mithalten können. Doch wir dürfen nicht auf den Gegner gucken, sondern müssen uns auf unsere Leistung konzentrieren. Letztlich wussten wir, dass es dieses Jahr schwer werden kann mit Phasen, in denen wir nicht punkten.“

Nun droht eine ziemlich lange Phase. Andererseits haben gerade die Dortmunder zuletzt in der Liga mit einer Niederlage gegen Köln und einem Remis gegen Frankfurt gezeigt, dass sie derzeit verwundbar sind. Ebenso wie RB Leipzig ist die Borussia in diesen Monaten einigen Strapazen ausgesetzt. Unter der Woche jagt ein internationaler Einsatz den nächsten, auch die Saisonvorbereitung fiel aufgrund der Corona-Pandemie und des veränderten Europapokal- oder Nationalelf-Spielplans kürzer aus als beispielsweise bei Werder. „Auch im Sommer war die Erholung für einige Spieler sicherlich nicht optimal. Aber wir sollten jetzt einen Teufel tun und darauf spekulieren, dass die Dortmunder oder Leipziger ein bisschen müde sind, wenn wir gegen sie spielen“, hatte Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, jedoch bereits kürzlich gewarnt. „Viel wichtiger ist, dass wir an diesen Tagen alles raushauen und mit der Intensität agieren, wie wir sie brauchen.“

Es ist nicht schwierig zu erahnen, dass eben jene Intensität sehr hoch sein muss. Vielleicht sogar schmerzhaft hoch. „Wir gehen mit dem Ansatz rein, dass wir auch Punkte holen können, wo es nicht die Norm ist“, sagt Davie Selke. „Wenn wir den Fokus hochhalten, kompakt stehen und das auf den Platz bringen, was wir können, haben wir Chancen.“ Aber auch nur dann. Sonst könnten es doch ganz andere Schmerzen werden.

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