Werder-Niederlage gegen Bayern Bittencourt: Dieses Spiel wollen wir schnellstmöglich abschütteln

Selbstkritische Töne bestimmten am Tag nach der 1:6-Niederlage gegen den FC Bayern die Stimmung beim Team von Werder-Coach Ole Werner. Und es wurden Lehren aus dem Erlebten gezogen.
09.11.2022, 20:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger

Die Wortwahl fiel zum Teil drastisch aus. „Wir haben zu Recht auf die Fresse bekommen“, urteilte etwa Marco Friedl: „Das war das erste Spiel, in dem wir deutlich schlechter waren. Wir haben Lehrgeld bezahlt.“ Und der Kapitän des SV Werder war nach der 1:6-Niederlage beim FC Bayern München nicht allein mit seiner schonungslosen Ehrlichkeit. „Wenn du hier wirklich bestehen willst, musst du gnadenlos verteidigen und darfst nicht solche Geschenke verteilen“, monierte Leonardo Bittencourt.

Die selbstkritischen Töne zeigen, wie erschrocken die Spieler selbst von diesem Ergebnis waren. Ganz unabhängig davon, dass auf der anderen Seite des Platzes nun einmal die Akteure eines millionenschweren Vereins standen, der schon wieder auf dem besten Wege ist, frühzeitig den letzten Hauch Spannung aus dem Meisterschaftsrennen zu nehmen. An der Weser herrschen da ganz andere Voraussetzungen, auch deshalb bemühten sich alle Beteiligten, dieses eine Extremerlebnis nicht noch größer zu machen.

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„Da hat ein Aufsteiger gegen einen Serienmeister gespielt und dabei nicht seinen allerbesten Tag erwischt“, fasste Sportchef Frank Baumann am Mittwoch im Gespräch mit unserer Deichstube das Geschehen zusammen. „Wir sollten das nicht dramatisieren, sondern abhaken, denn schon am Samstag steht das nächste schwere Spiel an.“ RB Leipzig heißt dann im Weserstadion der Gegner (15.30 Uhr), wieder so eine offensivstarke Truppe eines finanzkräftigen Clubs. Direkt danach geht es in die wochenlange WM-Pause. Ein weiterer Dämpfer zum Ausklang käme den Bremern da nach vielen schönen Monaten reichlich ungelegen. „Dieses Spiel in München wollen wir schnellstmöglich abschütteln, denn wenn wir zurückblicken, war es doch ein tolles Jahr“, sagte Bittencourt und ergänzte: „Ich bin stolz auf die Truppe. Ich mag den Spirit, den Teamgeist, den wir haben. Die Mannschaft hat eine tolle Identität gezeigt für den Verein. Das wollen wir uns nicht kaputtreden lassen, auch wenn es natürlich wehtut, sechs Stück zu kassieren.“

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Nun war es pikanterweise ausgerechnet Werders mühsam zurückgewonnenes Selbstverständnis, das unter anderem zum Unheil von München führte. Der Aufsteiger wollte Druck machen, den Rekordmeister früh stören und so über Umschaltsituationen gefährlich werden – und lief dabei phasenweise ins offene Messer. Den Führungstreffer durch Jamal Musiala konterte Anthony Jung zwar noch zügig, doch dann reichten den Bayern sechs Minuten, um durch Tore von Serge Gnabry (2) und Leon Goretzka entscheidend davonzuziehen. Hätte Jiri Pavlenka nicht vorher noch einen Elfmeter von Eric-Maxim Choupo-Moting abgewehrt, der Rückstand wäre noch größer gewesen. In der Allianz Arena wurde folglich ausgelassen gefeiert, elf Bremer fühlten sich derweil auf dem Rasen regelrecht überrollt. Das warf die Frage auf, ob der ursprüngliche Matchplan nicht vielleicht der völlig falsche gewesen ist. „Es war der richtige Ansatz, unserer mutigen Spielweise treu zu bleiben“, verteidigte Frank Baumann die Ausrichtung: „Wir haben aber zu viele Fehler gemacht. Wenn man es positiv sehen will: Wir haben Anschauungsunterricht bekommen und können davon lernen.“

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Chefcoach Ole Werner, der gemeinsam mit seinem Trainerteam die Marschroute ausgearbeitet hatte, sah es ähnlich pragmatisch. „Man muss sich ja immer auch anschauen, wie die Spiele der Bayern vorher gelaufen sind“, begründete er die taktische Ausrichtung. „Hier haben es Mannschaften versucht, die sind hoch angelaufen, und hier haben es Mannschaften versucht, die standen hinten tief drin. In den letzten Wochen hat das aber eigentlich keinen Unterschied mehr gemacht, weil die Bayern eben in der Qualität spielen, in der sie spielen.“ Und so schloss er sein Plädoyer mit den Worten: „Insofern glaube ich nicht, dass die Anlaufhöhe grundsätzlich entscheidend dafür war, dass wir verloren haben, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass die Bayern alles, was sich an Fehlern geboten hat, sehr konsequent genutzt haben.“ Leonardo Bittencourt zog dennoch eine Lehre aus dem Erlebten: „Wir müssen es vielleicht noch lernen, dass wir nach dem 1:1 und dem gehaltenen Elfmeter sagen: Lasst uns vielleicht ein Stück tiefer stehen und nicht mehr vorne anrennen.“

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Womöglich ist diese Erkenntnis schon am Samstag gegen Leipzig hilfreich. Die Schmach von Dienstag soll jedenfalls so schnell wie möglich raus aus den Köpfen. Aber geht das überhaupt? Lässt sich eine solche Abfuhr einfach abschütteln? „Mainz hat hier 2:6 verloren, Freiburg 0:5. In der Verfassung sind die Bayern, wenn sie nicht wie vor ein paar Wochen freiwillig am Tor vorbeischießen, der Liga ein Stück weit entwachsen“, hielt Werner fest und erteilte negativen Gedanken eine Abfuhr: „Man muss sich jetzt nicht selbst kasteien und wie ein gebückter Hund durch die Stadt laufen. Man muss einfach anerkennen, dass die Bayern eine Liga für sich sind.“ Werder hat das in München schmerzhaft zu spüren bekommen. Mal wieder.

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