Verdiente 1:3-Niederlage in Mainz

Werder verliert, darf aber noch hoffen

Der Abstieg rückt immer näher. Werder hat das so wichtige Spiel in Mainz mit 1:3 (0:2) verloren, da aber zeitgleich auch Fortuna Düsseldorf nicht gewann, fällt die Entscheidung erst am kommenden Wochenende.
20.06.2020, 17:34
Lesedauer: 4 Min
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Werder verliert, darf aber noch hoffen
Von Malte Bürger

Frank Baumann hatte extra noch einen besonderen Werder-Geist beschworen. „Wir von der Weser kennen uns ja mit dem einen oder anderen Wunder aus“, sagte der Sportchef kurz vor dem Anpfiff noch mit Blick auf die Tabelle. Sollte heißen: So aussichtslos die Chance auf den Klassenerhalt auch sein mag, ausgeschlossen ist die Rettung nicht. Und das ist auch nach diesem so wichtigen Nachmittag in Mainz noch so. Allerdings anders als gedacht, denn nicht nur der direkte Klassenerhalt ist nach einer eigenen Niederlage endgültig futsch, selbst für die Relegation braucht Werder nun am letzten Spieltag Schützenhilfe.

Doch der Reihe nach: Die Mannschaft hatte eine knappe Stunde vor dem Anpfiff gerade das erste Mal für eine genaue Betrachtung des Rasens das Stadion betreten, als einige Meter höher auf der Tribüne die Aufstellungen eintrudelten. Und die förderten die eine oder andere Überraschung aus Bremer Sicht zutage. So hatte es beispielsweise für Kevin Vogt doch nicht gereicht. Die Adduktorenprobleme aus dem Bayern-Spiel waren noch zu groß, der 28-Jährige stand nicht einmal im Kader. Für Vogt rückte nicht etwa der erfahrene Philipp Bargfrede ins Team, sondern der dynamischere Christian Groß. Doch damit nicht genug. Ludwig Augustinsson und Milot Rashica saßen erst einmal nur auf der Bank, stattdessen durften Marco Friedl und Josh Sargent von Beginn an ran.

Werder lässt Topchancen aus

Und Letzterer hatte gleich die erste Topchance. Im Strafraum kam der Angreifer zum Abschluss, seinen strammen Schuss aufs kurze Ecke lenkte FSV-Keeper Florian Müller aber gerade noch so am eigenen Tor vorbei. (4.). Werder blieb am Drücker. Erst wurde ein Versuch von Yuya Osako noch geblockt, den Nachschuss setzte Leonardo Bittencourt knapp vorbei (7.). Die Bremer hätten dieses Spiel früh in die richtigen Bahnen lenken können, so aber blieb alles offen. Als gerade die eigentlich gute Nachricht vom Augsburger Führungstreffer gegen Düsseldorf eintraf, hob der Mainzer Stürmer Jean-Philippe Mateta den Ball über Jiri Pavlenka - allerdings auch über das Gehäuse (11.).

Die Gastgeber waren jetzt im Spiel. Und das Unheil nahm seinen Lauf. Nach einem einfachen Doppelpass hatte Jean-Paul Boëtius freie Bahn, sein Schuss von der Strafraumgrenze geriet jedoch zu zentral (17.). Wenig später war es dann aber passiert, wieder einmal nach einem Standard. Nach einer langen Hereingabe köpfte Karim Onisiwo den Ball in die Gefahrenzone, wo zunächst noch auf der Linie geklärt werden konnte, dann aber staubte Robin Quaison im Nachsetzen ab (25.). Die Kohfeldt-Elf hatte abermals einen unnötigen Rückstand kassiert, der doppelt bitter war, weil wenige Minuten später auch noch Düsseldorf im Fernduell den Ausgleich schaffte.

Gebre Selassie verletzt

Doch es ging noch schlimmer. Nur fünf Minuten nach der Führung tanzte Danny Latza das Bremer Mittelfeld aus, legte ab auf Boëtius, der Pavlenka mit einem platzierten Schuss keine Chance ließ. Werder war bis dato keinesfalls zwei Tore schlechter, doch die Mannschaft bewies eindrucksvoll, warum diese Saison nichts Schönes zu bieten hatte. Eigene Topmöglichkeiten werden nicht genutzt, dem Gegner genügen recht einfache Mittel, um zum Erfolg zu kommen. Wer derart fehlerhaft spielt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er absteigt. Pavlenka war es, der mit einer Spitzenparade sogar noch das schnelle 0:3 verhinderte (36.).

Werder wirkte ziemlich geschockt. Die wenigen guten Szenen, die noch im ersten Durchgang folgten, wurden viel zu umständlich ausgespielt. Kurz vor der Pause hätte Osako immerhin verkürzen können, doch ihm fehlte per Kopf die Genauigkeit (43.). Zu allem Überfluss musste dann auch noch Theodor Gebre Selassie vom Feld, der unglücklich umgeknickt war. Ludwig Augustinsson übernahm die linke Seite, Friedl rückte nach rechts. Das einzig Erhellende beim Gang in die Kabine war die Tatsache, dass selbst bei diesen Zwischenständen erst am letzten Spieltag die endgültige Entscheidung über Werders Schicksal fallen würde. So unwirklich das sich in diesem Moment auch anfühlte. Aber es gab da ja noch 45 weitere Minuten.

Osako bringt Werder wieder ran

Der Rückstand zwang zum weiteren Handeln, Kohfeldt brachte zum Wiederanpfiff mit Fin Bartels und Niclas Füllkrug zwei weitere Offensivkräfte. Fast hätte sich diese Maßnahme direkt bezahlt gemacht, denn Füllkrug hatte die erste Gelegenheit nach dem Seitenwechsel - doch auch er brachte den Ball nicht im Tor unter, sondern schoss Müller an (53.). Der nächste Schuss saß dann aber. Füllkrug gab den Ball an der Torauslinie nicht verloren, legte auf Davy Klaassen ab, der Osako bediente. Und der Japaner, dem nicht selten der nötige Zug in seinen Aktionen fehlt, knallte den Ball dieses Mal kompromisslos unter die Latte (58.) - 1:2.

Werder lebte wieder, erhöhte aber auch das Risiko. Als dann vorne die Konsequenz nicht stimmte, liefen die Mainzer einen blitzsauberen Konter, an dessen Ende Pavlenka gegen Adam Szalai glänzend reagierte (66.). Keine drei Minuten später parierte Werders Nummer eins überragend gegen Onisiwo (69.). Die Bremer wurden erst wieder halbwegs gefährlich, als Bartels ein paar Meter über das Tor zielte (80.).

In der Schlussphase brachte Kohfeldt noch Pizarro, doch anstelle eines Bremer Tores schlugen die Mainzer erneut zu. Edimilson Fernandes traf zum 3:1 (85.), die Blicke im Werder-Lager gingen nun ausschließlich noch nach Düsseldorf, wo es weiterhin unentschieden stand. Und immerhin: dabei blieb es. Werder darf also weiter hoffen. Aber die Hoffnungen sind gering. Nun braucht es wirklich ein Wunder.

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