Nach Platzverweis im Hinspiel Wer ersetzt Kapitän Moisander?

Nach der Gelb-Roten Karte für Niklas Moisander muss Werder vor dem Relegations-Rückspiel gegen Heidenheim (Montag, 20.30 Uhr) die Abwehr umbauen. Alternativen für den Platz in der Viererkette gibt es einige.
04.07.2020, 12:36
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Wer ersetzt Kapitän Moisander?
Von Malte Bürger

Florian Kohfeldt hatte es erst einmal bei ein paar allgemeinen Worten belassen. „Als Kapitän, als Führungsspieler wird er uns sehr fehlen“, hatte Werders Trainer unmittelbar nach dem ersten Vergleich mit dem 1. FC Heidenheim gesagt. „Er“, das ist in diesem Fall Niklas Moisander. Der Bremer Abwehrchef hatte in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte gesehen, ausgerechnet vor dem so bedeutungsschwangeren Rückspiel am Montag muss also wieder einmal in der Defensive umgebaut werden.

Es passte ins Gesamtbild dieses unbefriedigenden Unentschiedens im Weserstadion, dass es Moisander war, der des Feldes verwiesen wurde. Denn - um bei der eingangs erwähnten Aussage Kohfeldts zu bleiben - einen echten Kapitän und Führungsspieler hatte es auch schon am Donnerstagabend nicht gegeben. Dass ausgerechnet einer der erfahrensten Werder-Profis in einer der wichtigsten Phasen der Vereinsgeschichte derart verunsichert und unsouverän agierte, spricht nicht gerade für das Nervenkostüm des 34-Jährigen. Hätte sich Moisander also nicht selbst aus der Relegation manövriert, Florian Kohfeldt hätte berechtigte Grüne dafür gehabt, über einen Wechsel nachzudenken.

Vielseitiger Vogt

Nun muss er es also sowieso tun. Alternativen gibt es gleich mehrere, die Crux besteht nun darin, die Optimallösung herauszufiltern. „Es hängt auch davon ab, ob es eine Vierer- oder Dreierkette wird“, sagte Sportchef Frank Baumann gegenüber dem WESER-KURIER mit Blick auf die möglichen Optionen. Eine wichtige Rolle dürfte in dem gesamten Konstrukt Kevin Vogt einnehme. Der Defensivspieler fehlte zuletzt wegen einer Gelbsperre, kehrt nun aber pünktlich zum Saisonfinale zurück. Theoretisch könnte Vogt direkt die entstandene Lücke in der Viererkette schließen, andererseits wird der 28-Jährige auch andernorts gebraucht. Auf der Sechserposition hat sich Philipp Bargfrede nicht wirklich für weitere Einsätze empfohlen, Christian Groß ist zwar stets engagiert, in seiner noch immer ersten Bundesliga-Saison aber vielleicht nicht unbedingt der Profi, dem in der Zentrale ein Großteil der Abstiegskampf-Verantwortung auf die Schultern gelegt werden sollte. Da käme ein gestählter Akteur wie Kevin Vogt schon eher infrage, der es zudem gewohnt ist, während des Spiels zwischen Mittelfeld und Abwehrzentrale zu pendeln.

So weit, so gut. Die Frage nach einem Moisander-Ersatz beantwortet das aber noch immer nicht. Ein kurzer Blick auf den Bremer Kader lässt vor allem zwei Namen hervorspringen. Ömer Toprak und Sebastian Langkamp sind ausgebildete Innenverteidiger, würden das gewünschte Anforderungsprofil also erfüllen. Das Problem: Toprak war in dieser Spielzeit viel zu häufig verletzt, aufgrund einer Schädigung des Syndesmosebandes hat er seit dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt im März kein Spiel bestritten. Erst seit ganz kurzer Zeit ist er überhaupt wieder einsatzbereit. „Testspiele oder Einsätze in der Bundesliga waren nicht so da. Aber er ist schon eine gewisse Zeit im Training“, sagt Frank Baumann, der Toprak diese Aufgabe also grundsätzlich zutraue. Sebastian Langkamp hat zwar immerhin Ende Mai gegen Schalke Spielpraxis gesammelt und ein paar Minuten gegen die Bayern mitgewirkt, über einen wirklichen Rhythmus verfügt aber auch er nicht. In den beiden vergangenen Partien stand er zudem wegen vorheriger Oberschenkelprobleme nicht im Kader.

Friedls Vorteil

Und schon sieht die personelle Vielfalt nicht mehr ganz so rosig aus. Doch es gibt da ja noch eine weitere Lösung, die nicht einmal aus der Not geboren sein muss. So hat Florian Kohfeldt nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Marco Friedl eigentlich als Bremer Zukunftsversprechen für die Innenverteidigung sieht. Als Linksfuß könnte er sogar recht unkompliziert den Moisander-Vertreter geben. Zwar hatte der 22-Jährige jüngst auch so seine Probleme mit dem Spiel der Heidenheimer - allerdings auch, weil ihm die Unterstützung seiner Nebenleute fehlte. Eben eines Niklas Moisanders oder Davy Klaassens. So oder so ist es deshalb nicht unwahrscheinlich, dass am Montag Ludwig Augustinsson auf die linke Abwehrseite zurückkehrt - womöglich stehen am Ende aber sowohl der Schwede als auch Marco Friedl zeitgleich auf dem Platz.

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